Maurer bauen mit roten Backsteinen das Gewölbe der Prenzlauer Marienkirche neu auf.
Video: Brandenburg Aktuell | 17.01.19 | Riccardo Wittig | Bild: rbb/Riccardo Wittig

Wiederaufbau der Marienkirche Prenzlau - 120.000 Backsteine wölben sich zu neuem Kirchendach

Es ist eines der spektakulärsten Wiederaufbauwerke im Norden Brandenburgs: Die Sankt Marienkirche in Prenzlau bekommt bis 2020 ein neues Gewölbe. Das alte war im Krieg zerstört worden. Nun ist der erste Bauabschnitt fast fertig. Von Riccardo Wittig  

Stein für Stein wächst das neue Gewölbe der Sankt Marien Kirche. Die einzelnen Schichten aus roten Backsteinen biegen sich langsam nach innen. Bisher entstehen die typischen Gewölberundungen versteckt hinter einer riesigen, aus Holz gezimmerten Schablone: dem sogenannten Lehrgerüst. Noch wenige Zentimeter fehlen, bis der erste Bauabschnitt geschlossen und der Schlussstein gesetzt ist.

Die Handwerker mauern nach alter Tradition wie einst ihre Vorfahren. "Wenn wir zu schnell die Steine hintereinander setzen, kann es passieren, dass sie wegrutschen", erzählt Vorarbeiter Andreas Kuschel. Er ist einer von zehn Maurern der Firma Baudenkmalpflege Prenzlau.

Angeseilte Maurer bauen mit roten Backsteinen das Gewölbe der Prenzlauer Marienkirche neu auf. In die Mitte setzen sie einen großen Schlussstein.
Angeseilte Maurer bauen mit roten Backsteinen das Gewölbe der Prenzlauer Marienkirche neu auf. In die Mitte setzen sie einen großen Schlussstein. | Bild: rbb/Riccardo Wittig

Ältere Maurerkollegen geben Tipps

Anfangs mussten die Bauleute tüfteln, probieren und wieder verwerfen. Jetzt läuft es wie am Schnürchen. Bei dem Bau eines Gewölbes können sie sich nicht auf Wasserwaage und Lot verlassen. Hier sind Augenmaß und Erfahrung gefragt. Keiner der Maurer hatte vorher an solch einem großen Gewölbe mitgewirkt. "Wir hatten alte Arbeitskollegen, die schon lange in Rente sind, hier auf der Baustelle. Die haben uns wichtige Hinweise gegeben und Tricks verraten", sagt Michael Schulz, der gerade einen neuen Rippenstein ansetzt.

Mehrere Hundert Tonnen wird das neue Gewölbe später wiegen, auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern. Notwendig sind dafür 120.000 Mauersteine und 12.000 Formsteine für die im Inneren sichtbaren Rippen. Fast acht Wochen dauerte es allein, das erste Drittel des Kirchenschiffs einzurüsten. Das Gewölbe eines der größten Mittelalterbauten Brandenburgs soll in zwei Jahren fertiggestellt sein.

Wiederaufbau seit Jahrzehnten

In Prenzlau ist es nicht das erste Gewölbe, das Bauleute seit 1945 wieder errichteten, aber das weitaus größte. In den letzten Kriegstagen war die Stadt völlig zerstört worden. Im Zentrum blieben nur wenige Mauern stehen. Unter einer gewaltigen Feuerwalze brach auch das Dach samt dem Gewölbe der Marienkirche zusammen. Übrig blieb ein Trümmerfeld.

Seit Jahrzehnten läuft der Wiederaufbau. An dem letzten Bauabschnitt haben die Planer, Architekten und Bauherren zwei Jahre lang geforscht und das Projekt vorbereitet. Das größte Problem: Genaue Unterlagen über die Konstruktion des mittelalterlichen Gewölbes gab es nicht. "Wir sind mit einem Hubwagen vorsichtig durch die Kirche gefahren und haben das Schiff erst einmal vermessen", sagt Architekt Klaus Schmidt.

Marienkirche in Prenzlau - Luftaufnahme der Backsteingotik-Kirche mit zwei kurzen Türmen und hohem Kirchenschiff.
Bild: rbb/Riccardo Wittig

Gut im Zeitplan

Die Prenzlauer Marienkirche gilt als ein Schmuckstück der Backsteingotik in Norddeutschland. Bis 2020 soll das Gewölbe wieder hergestellt sein. Danach soll noch eine Orgel und Kirchenbänke eingebaut werden. Rund 3,2 Millionen Euro hat der Bund dafür zur Verfügung gestellt.

Über den aktuellen Baufortschritt freut sich Superintendent Dr. Reinhart Müller-Zetzsche. "Wir liegen über dem Zeitplan", sagt er. Anfangs sah das nicht so aus. Es gab Schwierigkeiten bei der Abstimmung der einzelnen Baugewerke untereinander, auch die Festlegung der Materialien verzögerte den Baustart um ganze vier Wochen. Doch davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. Mit dem Setzen des Schlusssteines blicken auch die Handwerker nun stolz auf ihr Bauwerk.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 17.01.2019 19:30 Uhr

Beitrag von Riccardo Wittig

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3 Kommentare

  1. 3.

    Schön, dass dadurch die fast verlorene alte Handwerkskunst wiederbelebt wird. Interessant, dass der Wiederaufbau mit Staatsverträgen in der DDR und Bundesmitteln jetzt ähnlich lange dauert wie der ursprüngliche Bau. @rbb Wer hat das damals finanziert? Dazu wird in den online Geschichten leider nichts erwähnt.

  2. 2.

    Auch ich habe die Nachricht gern gelesen. 2000 (?) erstmals dort gewesen. Stadtmauer, Oberuckersee, Blick aus dem Turm der Marienkirche auf Stadt und Umgebung, Sanierung des Dominikanerklosters seinerzeit ...
    Brandenburger, wir kommen. Gott sei Dank haben sich bisher immer auf Augenhöhe gefunden, wo sie gesucht wurde.
    Ob das mit Länderfusion so abgelaufen wäre, ich stelle es in Frage?! Wer gestern nur bedauert hat, wie mag er die Dinge heute beurteilen?
    Ich wohne in Berlin (leben wäre zu viel gesagt), ich arbeite in Brandenburg 19 Jahre lang.
    So als impulsives Statement anderer Berliner Pendler,
    ich wäre neugierig.

  3. 1.

    Die Marienkirche in Prenzlau ist wirklich wunderschön - meiner Meinung nach die allerschönste Kirche in Brandenburg! Ich freue mich, dass sie wiederaufgebaut wird. Schon als Teilruine, mit Blick von oben ins Kirchenschiff hinein, war sie sehr beeindruckend. Der herrlich verzierte Giebel ist eine Augenweide.

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