Blick in die Chamisso-Ausstellung in Kunersdorf: Adalbert von Chamisso war nicht nur Dichter, sondern auch Weltreisender. Daran erinnert die Ausstellungmit einem Schiffsmodell. (Quelle: rbb/Eva Kirchner)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.03.2019 | Autorin: Eva Kirchner | Bild: rbb/Eva Kirchner

Mehr als nur ein Märchenerzähler - Weltweit erstes Chamisso-Museum eröffnet in Kunersdorf

Adelbert von Chamisso war Weltreisender, Dichter und Botaniker. Sein Weg führte ihn auch ins Oderbruch, wo er im 19. Jahrhundert als Gast auf dem Kunersdorfer Schloss weilte. Dort eröffnet nun die weltweit erste Ausstellung über diesen Universalgelehrten. Von Eva Kirchner

In Kunersdorf im Oderbruch bei Wriezen widmet sich nun ein kleines, aber feines Museum dem Leben und Schaffen des Adelbert von Chamisso. Der in Frankreich geborene Schriftsteller und Naturforscher war auch im deutschsprachigen Raum bekannt. Im Sommer 1813 war er für mehrere Wochen zu Gast auf dem Kunersdorfer Gutshof. Diese Verbindung brachte Margot Prust vom Kunersdorfer Musenhof auf die Idee für ein Museum.

Blick in die Chamisso-Ausstellung in Kunersdorf: Die Ausstellungsmacher Stefan Rohlfs und Margot Prust auf einem Sofa mit ihren im Museum ausgestellten Peter Schlemihl-Ausgaben. (Quelle: rbb/Eva Kirchner)
Bild: Quelle: rbb/Eva Kirchner

Peter Schlemihl

In fünf Ausstellungsräume wird dort nun gezeigt, wie vielseitig Chamisso war. Besondere Aufmerksamkeit findet seine Märchenerzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", über einen jungen Mann, der seinen Schatten an den Teufel verkauft. "Entstanden ist diese Erzählung im Sommer 1813 in Kunersdorf", sagt der Vereinsvorsitzende Stefan Rohlfs. "Peter Schlemihl ist Weltliteratur geworden und hat Chamisso berühmt gemacht."

Kritische Gedichte

104 verschiedene Schlemihl-Ausgaben sind im Museum zu sehen, darunter auch eine Erstausgabe von 1814. Doch Chamisso war weit mehr als nur Märchenerzähler. In seinen Gedichten nahm er gesellschaftspolitische Themen aufs Korn. Diese sind per Knopfdruck an einem umgebauten Grammophon im Museum zu hören. Zum Beispiel über den Bettler: "Ich will in dieser Rinne sterben, bin alt und siech genug dazu / Sie mögen mich 'betrunken' schelten, mir recht! sie lassen mich in Ruh."

Weltreise im Dienst der Wissenschaft

Die Ausstellung ist dank Spendengeldern entstanden, rund 220.000 Euro hat sie gekostet. Neben der kritischen Seite des Adelbert von Chamisso beleuchtet die Ausstellung auch sein Interesse für die Botanik. Tausende Pflanzen hat er klassifiziert und herbarisiert. 1815 ging er sogar im Auftrag der Wissenschaft auf Weltreise. Und Dank Videoinstallation können die Museumsbesucher interaktiv daran teilnehmen. Denn Adelbert von Chamisso war all das: Weltreisender, kritischer Dichter, verträumter Märchenerzähler und Botaniker. Ein interessanter Universalgelehrter - es lohnt sich, ihn kennenzulernen.  

Beitrag von Eva Kirchner

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