Agnieszka Holland bei einer Debatte zum Thema Zukunft in Warschau. (Quelle: dpa/Dobuszynski)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.02.2019 | Audio: Agatha Horbacz | Bild: dpa/Dobuszynski

Viadrina-Preis für Agnieszka Holland - "Sie gießen Benzin vor ein Pulverfass"

Der Viadrina-Preis der Europa-Universität in Frankfurt (Oder) geht an die Regisseurin Agnieszka Holland. Der Preis ehrt ihr Engagement für die deutsch-polnische Verständigung. In ihren international erfolgreichen Filmen hinterfragt sie Propaganda und Personenkult.  

Die Filmregisseurin Agnieszka Holland aus Polen hat den Viadrina-Preis der Europa-Universität Frankfurt (Oder) entgegengenommen. In ihrer Dankesrede bei der Preisverleihung am Donnerstag plädierte sie für ein offenes Europa und warnte vor populistischen und nationalistischen Bewegungen.

"Der populistische Nationalismus wird erneut zu einer leicht einsetzbaren Waffe, die leider große Wählermassen in verschiedenen populistisch regierten Ländern anspricht", sagte sie. "Sie gießen Benzin vor ein Pulverfass und glauben dabei unbekümmert, dass sie vom Feuer verschont bleiben."  

Haltung und Mut

"Schweigen war nie ihre Sache, sie hat immer Haltung gezeigt und Mut bewiesen. Das hat sie zur Angriffsfläche für herrschende Politiker ihres Landes gemacht – zu Zeiten des Kommunismus ebenso wie heute", sagte Marion Döring, Geschäftsführerin der Europäischen Filmakademie, in ihrer Laudatio.

Für Dagmara Jajesniak-Quast die Vorsitzende des Kuratoriums des Preises ist die Entscheidung daher selbstverständlich. "In ihrer Kunst, in ihren Filmen greift sie sehr oft problematische Themen der deutsch-polnischen Geschichte auf und sie kann sehr gut unbequeme Themen in die Gegenwart transportieren", sagt sie. Holland zeige auch, wie Dialog zur Lösung vieler Konflikte führen könne.

Alfred-Bauer-Preis: Silberner Bär für "Pokot" von Agnieszka Holland (li.) und Kasia Adamik © snapshot-photography/T. Seeliger

International erfolgreich

Agnieska Holland wurde in Warschau geboren und studierte später in Prag. Seit 1981 lebt sie in Frankreich. Dort sowie in Polen und den USA arbeitet sie als Film-Regisseurin. In ihren Filmen hinterfragt sie Propaganda, Institutionen und Personenkult. Ihre Produktionen sind international erfolgreich.

So führte sie in mehrern Folgen der US-Serie "House of Cards" Regie und hat zuletzt bei der Berlinale 2019 ihre neuste Produktion "Mr. Jones" vorgestellt. Die bald 70-jährige hat außerdem zahlreiche Filmpreise erhalten, unter anderem 1992 einen Golden Globe für ihren Film "Hitlerjunge Salomon" und den Silbernen Bären für "Die Spur" bei der Berlinale 2017.

Deutsch-polnische Verständigung

Der mit 5.000 Euro dotierte Viadrina-Preis wird seit 1999 vom Förderkreis der Europa-Universität vergeben. Damit werden Persönlichkeiten geehrt, die sich für die deutsch-polnische Verständigung einsetzen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem der Schriftsteller Günther Grass, der frühere polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Agnieszka Holland ist die vierte Frau, die den Viadrina-Preis erhält und die erste Regisseurin. Aus der Filmbranche hat bisher einzig der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff die Auszeichnung erhalten. 

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