Das Hoftheater in Bad Freienwalde probt seine Soommeshow.
Bild: rbb / Larissa Mass

Bad Freienwalde - Freies Hof-Theater sieht sich wegen Corona-Regeln in Existenz bedroht

Fast 200.000 Euro hat das freie Hof-Theater in Bad Freienwalde durch Corona an Umsatz eingebüßt, rechnet der Geschäftsführer vor. Jetzt wird für die erste neue Show seit März geprobt. Doch mit Gewinn durch den Ticketverkauf rechnet man nicht. Von Larissa Mass

"Sag es mit Musik" heißt die Bühnenshow, die Anfang August im freien Hof-Theater Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) starten soll. Doch gerade Gesang ist jetzt zu Corona-Zeiten eher schwierig: Denn fliegende Aerosole erzwingen ein reduziertes Bühnenkonzept - mit Mindestabstand von sechs Metern zu den Zuschauern.

Der Geschäftsführer und Intendant Matthias Raupach hat einige Hygieneregeln mit dem Gesundheitsamt abgesprochen und setzt sie für den Theaterbetrieb um. Es herrscht keine Maskenpflicht für die Besucher, aber damit der Abstand von 1,5 Metern gewährt werden kann, sind zwischen zwei belegbaren Plätzen drei gesperrt.

Verlust von fast 200.000 Euro Einnahmen

So bleiben von eigentlich 160 verkaufbaren Tickets nur 58 übrig. Mit dieser Auslastung macht Raupach nach eigenen Angaben keinen Gewinn.

Hinter dem freien Hof-Theater steht der Verein Musiktheater Brandenburg. Das Theater lebt von den Einnahmen. Seit März gingen, so schätzt Raupach, fast 200.000 Euro verloren.

Raupach beantragte 9.000 Euro Soforthilfe, doch die deckten die Betriebskosten des Hauses auch nur wenige Wochen, denn allein schon die Miete und Nebenkosten des Theaters betragen seinen Angaben zufolge fast 4.000 Euro.

Im April hat das Hof-Theater auch die vom Brandenburg bereitgestellten "Corona-Kulturhilfe" beantragt – dabei handelt es sich um einen 35 Millionen Euro schweren Topf, der die Einnahmeausfälle von Kultureinrichtungen ausgleichen soll. Jedoch haben sie Raupach zufolge bis heute keine Rückmeldung auf ihren Antrag erhalten.

Projektförderung ermöglicht Sommerkonzerte

Raupach sagt, er selbst habe zumindest sein eigenes Gehalt einsparen können, indem er sich für die vergangenen Monate arbeitslos meldete. Nun freue er sich, dass sein Job und die Show wieder beginnen. Zunächst mit den Proben für die anstehenden Sommerkonzerte, die lockere Unterhaltung mit Liedern aus Musicals, Schlagerparade und Pop anbieten. "Es schlagen immer zwei Herzen in meiner Brust: Natürlich bin ich optimistisch und freue mich, dass die Show wieder stattfindet”, sagt Raupach, "aber wirtschaftlich ist es eine Katstrophe. Ich kann das auch nur auf die Bühne bringen, weil ich Fördergelder bekomme." Finanzielle Unterstützung bekommt das Hof-Theater jedes Jahr von Land und von der Stad für die Sommerkonzerte, diese Gelder standen schon vor Corona fest.

Erster Auftrag für die Darstellter seit März

Auch für die Musicaldarsteller ist das geförderte Sommer-Special eine große Erleichterung: Denn für sie sind alle Engagements seit März ausgefallen. Matthias Raupach hatte die Schauspieler eigentlich auch für ein Theaterstück gebucht. Doch dieses musste verschoben werden, da bei einem Theaterstück mit mehreren Darstellern die Abstände auf der Bühne nicht gewahrt werden können.

Auch bei dem Sommerkonzert müssen sich die Sänger umstellen: Sie müssen sich in markierten Bereichen bewegen und es sind keine Musiker auf der Bühne, um den Abstand besser wahren zu können. Die Musik kommt vom Band, die Sänger singen live dazu.

Dankeschön an treue Besucher

Auch wenn das Sommerkonzert wieder Hoffnung macht, die nächste Spielzeit ist für das Theater kaum planbar. Raupach hofft, dass zumindest das Weihnachtsgeschäft wieder Geld einbringen wird. Ein Trostpflaster für ihn: In den letzten Monaten haben viele Besucher ihre reservierten Karten nicht zurückgegeben und die Abos beibehalten: "Bis jetzt sind die Leute sehr solidarisch gewesen und halten zu uns. Das freut mich, dass die Leute die Situation verstehen und abwarten." Die ab 7. August aufgeführte Show sei auch als Dankeschön an die treuen Besucher gedacht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.07.2020

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