Howard Griffiths und Martina Gedeck am 11.10.2020 bei der Premiere von "Jin und die Magische Melone" des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder). (Quelle: rbb/Jens-Peter Bark)
Bild: rbb/Jens-Peter Bark

Konzertkritik | Brandenburgisches Staatsorchester in Frankfurt (Oder) - Magische Melonen und fliegende Teppiche

In "Jin und die Magische Melone" schickt der Dirigent Howard Griffiths das Publikum auf ein musikalisches Abenteuer entlang der Seidenstraße. Am Sonntag war Premiere in Frankfurt (Oder) - corona-bedingt an ungewohntem Ort. Von Robert Schwaß

Für Howard Griffiths ist die Uraufführung von "Jin und die magische Melone" in Frankfurt (Oder) auch eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte: Von 2007 bis 2018 leitete der 70-Jährige dort die Geschicke des Brandenburgischen Staatsorchesters. Stadt und Menschen sind ihm dabei in guter Erinnerung geblieben.

Schon damals schrieb Griffith auch Kinderbücher, "Jin und die magische Melone" ist bereits seine vierte musikalische Erzählung. Mit der bildhaften und einfachen Sprache in seinen Geschichten möchte Griffiths Kinder spielerisch an klassische Musik heranführen.

Viel Platz für das Orchester

Corona-bedingt findet das Premierenkonzert in der Frankfurter Messehalle statt und nicht in der Konzerthalle Carl Phillip Emanuel zu Bach, der Heimat-Bühne des Brandenburgischen Staatsorchesters. Etwas mehr als 400 Zuschauer passen unter den aktuellen Bedingungen in die ungewohnte Spielstätte, knapp 350 Zuschauer sind am Sonntag tatsächlich gekommen. Für das Sinfonieorchester hat der Umzug auch Vorteile: Die Bühne ist groß genug, um den derzeit notwendigen Mindestabstand zwischen den einzelnen Musikern einzuhalten.

Sprechende Melonen

Komponiert wurde das Musikmärchen vom Schweizer Fabian Künzli. Umrahmt wird die Musik von Griffiths' Erzählung. Im Mittelpunkt steht die Hauptfigur Sven, ein Junge mit großen Träumen und viel Phantasie. Eines Tages trifft er auf den Geist Jin, der in eine sprechende Melone verwandelt wurde. Um Jin zu retten, müssen er und Sven vier exotische Instrumente finden. Auf einem fliegenden Teppich reisen die beiden von Istanbul bis ins chinesische Xi'an.

Video: Brandenburg aktuell | 11.10.2020

Hochkarätige Besetzung

Die Schauspielerin Martina Gedeck ("Das Leben der anderen") liest die Geschichte. Die Grimme-Preisträgerin arbeitet gerne mit Griffiths zusammen, wie sie sagt. Der Mix aus Kinderbuch-Erzählung und Orchestermusik sei etwas ganz Besonderes.

Für die authentische Vertonung der musikalischen Reise wird das Brandenburgische Staatsorchester von internationalen Stargästen unterstützt. So spielt der in der Türkei angesehene Perkussionist Burhan Öçal im Stück die im arabischen Raum populäre Bechertrommel Darbouka. Die Chinesin Xu Fengxia sorgt mit ihrem beeindruckendem Spiel am Saiteninstrument Guzheng für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Fortsetzung im nächsten Jahr

"Jin und die magische Melone" vermittelt kindgerecht ein Gefühl für orientalische und fernöstliche Musik. Bewusst werden die jungen Hörer an die für sie meist neuen Instrumente herangeführt. Das Familienkonzert wird auch 2021 auf die Bühne gebracht. Geplant ist eine Brandenburg-Tour mit dem Staatsorchester. Erster Stopp ist am 26. Januar in Senftenberg.

Beitrag von Robert Schwaß

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