Preisverleihung Provinziale 2020.
Audio: Antenne Brandenburg | 06.10.2020 | Uta Schleiermacher | Bild: Torsten Stapel

Filmfest Eberswalde - Die Provinz spielt die Hauptrolle

Das Filmfest Eberswalde "Die Provinziale" zeigt Filme abseits der Metropolen. Und Provinz gibt es fast überall: Aus rund 950 internationalen Einsendungen hat das Team 38 Filme ausgewählt.Von Uta Schleiermacher

 

Ein Thema, dass sich durch die Kurzspielfilme im Programm der 17. Provinziale zieht, ist das Abschiednehmen, sagt Sascha Leeske, der das Festival mit organisiert. So etwa in dem französischen Kurzspielfilm "Massaker", in dem zwei Mädchen eine Insel verlassen sollen, weil sich die Familie das Leben dort nicht mehr leisten kann. Der Tourismus hat alles verteuert. "Die Mädchen hecken einen teuflischen Plan aus, sammeln giftige Algen auf der Insel ein und pürieren sie und tauschen sie mit den Slushieis-Ständen für die Touristen aus", erzählt Sascha Leeske. Dieser Film ist damit laut Organisator auch einer der ersten Provinz-Gruselfilme, die sie zeigen.

Innere Stärke ist gefragt

Die Provinz macht es ihren Bewohnerinnen und Bewohnern nicht immer leicht – und so zieht sich noch ein anderes Thema in diesem Jahr durch die Filme, sagt Festivalleiter Kenneth Anders: "Es geht um Beharrlichkeit, Ausharren, dass Menschen auch in ungünstigen Umständen bei ihrem Pfad bleiben und Eigensinn an den Tag legen."

Die Beharrlichkeit zeigt sich etwa in dem Dokumentarfilm "Ich brauche deinen Händedruck" über eine 94-jährige Frau in einem belarusischem Dorf, die ihre Tochter mit Behinderung pflegt. Doch was aus der Tochter wird, wenn die Mutter mal nicht mehr kann, bleibt offen. "Wer in der Provinz lebt, wird nicht so gut versorgt wie in den Ballungsräumen, er muss auf seine innere Stärke vertrauen", führt Kenneth Anders aus. "Diese Balance, auf sich zu vertrauen und auf andere angewiesen zu sein, wird in der Provinz stärker ausgehandelt als in den Ballungsräumen."

Das Plakat Provinziale 2020 von Katja Lösche ist ein beliebtes Fotomotiv

Schafe symbolisieren die Provinz

Das Provinziale-Plakat schmückt ein schläfriges Schaf, ein Design der Grafikerin Katja Löscher. Aus dem lockigen Fell des Schafes wird eine Hügellandschaft und aus den Umrissen die Küstenlinie einer Landkarte. Auch der Festivaltrailer zeigt Schafe. Ein passendes Motiv, findet Festivalleiter Kenneth Anders, denn Schafe spielen in vielen Provinzfilmen eine wichtige Rolle, sagt er. Außerdem kommt das Schaf auf der ganzen Welt, vor allem auf dem Land, vor.

Preisverleihung

Drei Preise gibt es zu gewinnen – für den besten Dokumentarfilm, für den besten Kurzspielfilm und den Sonderpreis für Nachhaltigkeit. Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD) ist erstmals in der Jury für den Sonderpreis. Er freut sich über die Möglichkeit durch die Filme seinen Blick zu weiten: "Man merkt, dass vieles, über das man sich streitet, vergleichsweise gering ist zu den wirklichen Problemen auf der Welt."

Corona-Beschränkungen

Lange stand es auf der Kippe, ob das Festival überhaupt stattfinden wird. Und einiges ist in diesem Jahr anders: die Filme werden nicht im Paul-Wunderlich-Haus gezeigt, sondern im Haus Schwärzetal in Eberswalde, pro Vorstellung werden nur rund 90 Tickets verkauft – halb so viele wie in den anderen Jahren. Dem Organisationsteam war es aber wichtig, dass das Festival vor Ort stattfindet und nicht ins Digitale verlagert wird, sagt Mitorganisatorin Julia Heilmann: "Wir wollen, dass die Menschen zusammenkommen und es gemeinsam erleben und Gespräche führen über die Filme."

Keine internationalen Gäste

Um Gelegenheit für Gespräche zu schaffen, haben sie Feuertonnen vor der Spielstätte aufgebaut, damit die Gäste auch bei Kälte noch zum Austausch bleiben. Und noch etwas ist anders – und ein bisschen provinzieller in diesem Jahr: es kommen keine internationalen Gäste, denn das war wegen der Risikogebiete nicht planbar. Aber lokale Filmemacher werden auch in diesem Jahr dabei sein und ihre Filme vorstellen.

Am kommenden Samstag startet die Provinziale – das Filmfest in Eberswalde und zeigt eine Woche lang Dokus, kurze Spielfilme und Animationsfilme aus und über die Provinz. Karten können online bestellt werden, auch an der Abendkasse sind Karten erhältlich. Das Festival geht eine Woche bis zum 17. Oktober.

 

Beitrag von Uta Schleiermacher

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