Künstlerin Sasha vor ihren Werken im Schaufester
Audio: Antenne Brandenburg | 23.11.2020 | Elke Bader | Bild: Elke Bader/ rbb

Frankfurt (Oder) - Kunstfestival stellt Werke in leeren Schaufenstern aus

Ein Kunstfestival in Frankfurt (Oder) geht mit den Corona-Beschränkungen kreativ um. Die Exponate werden in Schaufenstern verlassener Geschäfte ausgestellt. So haucht das Festival auch einer schon lange leer stehenden Einkaufsgasse neues Leben ein.

 

Seit über zehn Jahren stehen viele der Läden in der kleinen Oderstraße in Frankfurt (Oder) schon leer. Doch jetzt bleiben an den Schaufenstern der leeren Geschäfte immer wieder erstaunte Spaziergänger beim Bummel durch die Stadt stehen. Doch statt Kleidung, Schuhen oder Elektrogeräten wie vor der Welle der Geschäftsaufgaben, hängen jetzt Aquarelle, Fotografien und Textilmalereien in der Auslagen.

Museum im Vorbeigehen

Seit Anfang November sind die Türen von Kultureinrichtungen, wie Museen und Kunstgalerien, aufgrund der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie geschlossen. Deshalb haben sich einige Künstler an den Konzepten des Einzelhandels orientiert und das Kunstfestival "Art An Der Grenze" kurzerhand nach Draußen verlegt.

Erstaunt über die satten Farben in der sonstigen Tristesse der einstigen Einkaufsstraße nahe der deutsch-polnischen Grenze ist auch der Berliner Kunstmaler Günter Haxel. "Für meine Begriffe ist das sehr gut gemacht. Schöne Aufnahmen und tolle Sachen…das ist schon außergewöhnlich."

Haxel war gerade im polnischen Slubice und geht eher zufällig durch die kleine Oderstaße, erzählt er. Genau diese zufälligen Ausstellungs-Besucher sind das Publikum, auf das Ulrike Polley von "Art An Der Grenze" setzt. "Immer, wenn ich hier vorbeigehe, sehe ich Leute davorstehen und gucken." Auch wenn es schon dunkel ist, kann die Ausstellung besucht werden, denn die Fenster sind beleuchtet.

Schauwerte trotz Corona

Organisiert wird das Kunstfestival ehrenamtlich von Studierenden der Frankfurter Europauniversität Viadrina. Erstmals 2013 ins Leben gerufen, bietet "Art An Der Grenze" grenzgängerischer Kunst und unbekannten Talenten eine Plattform. Zwar muss das Rahmenprogramm mit Workshops und Diskussionen entfallen, doch die Schauwerte sollen auch im Corona-Jahr gerettet werden.

To-go, aber mit Botschaft

Die Künstler sind in der aktuellen Ausgabe Studierende aus Polen, Bulgarien und Russland. Für die russische Studentin und Malerin Sasha ist es die erste Ausstellung. Ihre Bilder sollen oft eine politische Botschaft übermitteln. Auf einem der Bilder sind drei Frauen zu sehen, die in Russland häusliche Gewalt erlebt haben, erzählt Sasha. "Die häusliche Gewalt ist dort de-kriminalisiert und wird oft als private Angelegenheit bezeichnet. Ich bin dagegen und will mein klares Nein äußern."

Für diese Haltung bekomme die junge Studentin auch in den sozialen Medien viel Zuspruch. Durch diesen fühlt sich Sasha auch als Malerin bestätigt. "Jede kleine Ermunterung ist für mich viel wert und gibt Energie, die ich für meine weitere Kunst mitnehme."

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 30. November. Und wie es sich bei einem richtigen Einkaufsbummel gehört, können die Werke auch gekauft werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.11.2020, 15:10 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Die Kernfrage ist doch: Warum stehen dort seit über zehn Jahren viele Läden leer? Wo tragen die Menschen aus Frankfurt und Umland ihren Umsatz hin? Offensichtlich fand sich niemand, der die Läden dort rentabel mit einem Geschäft füllen konnte, das dauerhaft mehr erwirtschaftet als Kosten und Risiko verursacht. Zu viele Internet-Bestellungen, zu teure Angestellte, zu hohe Nebenkosten und Abgaben, zu hohe Auflagen, zu wenig Umsatz.

    Eine Geschäftsaufgabe, in der Regel wegen Überschuldung oder aktuell Umsatzausfall durch Corona-Maßnahmen, ist für die Betroffenen meist eine Katastrophe und Lebenskrise – Schulden verschwinden nur durch Abzahlung. Dies durch eine Kunstaktion zu verdrängen und gleichzeitig die Folgen der Lockdown-Maßnahmen zu verharmlosen, kann ich nur als rücksichtslos propagandistisch ansehen, mit Kunst oder geeigneten Räumen für Kunst hat das nichts zu tun. Es ist Trttbrettfahrerei auf dem Schaden und Lebenszerbruch anderer Menschen.

  2. 5.

    Einiges fand ich sehenswert, anderes eher nicht. Aber so ist das mit Kunst. Besser wäre wenn sich wieder Mieter für die Geschäfte finden würden. Ist in Frankfurt inzwischen Tradition leere Geschäfte kurzzeitig anders zu nutzen. Leider gibt es reichlich davon, auch in bester Lage.

  3. 3.

    Endlich eine sinnvolle Zwischennutzung für leere Schaufenster.
    Sollte man auch mal in vielen Berliner (Ex-)Einkaufsstraßen machen!

    Aber nicht, das nachher viele als Galerien genutzte Geschäftsräume leer stehen ...

  4. 2.

    Eine schöne Idee.
    Würde ich in Frankfurt leben, würde ich mir die Ausstellung im Rahmen eines Spazierganges ansehen.

  5. 1.

    Das macht Mut !
    Kunst gegen Leer stand-Hoffentlich bilden sich keine Menschentrauben davor.
    Das wäre ein böser Verstoß gegen die Corona regeln.

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