Klaus Steinhäuser und Günter Riedel vor Kleine Rollschuhläuferin im Familiengarten Eberswalde
Audio: Antenne Brandenburg | 11.02.2021 | Anna Bayer | Bild: rbb

Eberswalde (Landkreis Barnim) - Kulturfreunde protestieren gegen versteckte Kunstwerke

Immer wieder müssen Kunstwerke vor Vandalismus in Sicherheit gebracht werden. So auch die "Kleine Rollschuhläuferin", die nun versteckt in einem Eberswalder Landschaftspark steht. Eine Initiative will das Kunstwerk wieder komplett in die Öffentlichkeit bringen.

Die Zeiten sind momentan nicht nur für Künstler, sondern auch für Kunstliebhaber schwer, denn Museen und Ausstellungen sind seit Monaten geschlossen. Als Alternative bleiben Spaziergänge zu Kunstwerken im öffentlichen Raum, wie Innenstädten oder Parks.

Doch die Kunstwerke werden immer öfter von Städten und Kommunen aus Angst vor Vandalismus in Sicherheit gebracht. So wurde etwa um die Figurengruppe "Familie Grün" in Potsdam ein Absperrgitter aufgestellt und Statuen des Bildhauers Wieland Förster in Frankfurt (Oder) versetzt. Zuvor waren laut Denkmalschutz bereits einige seiner Werke aufgrund ihres Materialwertes gestohlen und vermutlich eingeschmolzen worden. Um Kopien der Statuen zu sichern, ließ Frankfurt (Oder) sogar 3D-Scanns ihrer Exponate anfertigen.

Ein Zusammenschluss von Bürgern protestiert jetzt allerdings gegen einen Fall aus Eberswalde (Barnim).

Figurenensemble "Familie Grün" von den Künstlern Carola und Joachim Buhlmann. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Hier steht die "Familie Grün" noch ohne Absperrgitter in Potsdam. | Bild: dpa/Soeren Stache

Junge Sportlerin erhitzt Gemüter

Anmutig balanciert sie auf einem Bein, die Arme ausgestreckt. Doch keiner bewundert sie. Etwas verlassen steht die Skulptur "Die kleine Rollschuhläuferin" des DDR-Bildhauers Axel Schulz im Eberswalder Familiengarten - einem zur Landesgartenschau 2002 entwickelten Landschaftspark. Einige Monate lang ist der Park offen für Besucher, doch von November bis April ist Winterpause. Die Skulptur ist dann für das Publikum nicht mehr zu sehen.

Für Klaus Steinhäuser, der zusammen mit anderen Bürgern gegen das Umsetzen der Statuen protestiert, ist das völlig unverständlich: "Die Skulptur steht hier mutterseelenalleine und vor einer Schule oder Sporteinrichtung würde die - auch durch den sportlichen Aspekt - viel besser passen."

Aus dem Park, auf die Straße

Seit 1973 steht die Figur in Eberswalde und war so ein Teil von Steinhäusers Alltags. Damals stand die Figur des Mädchens noch vor einer Grundschule. Steinhäuser will sie zukünftig wieder frei in der Öffentlichkeit an alter Stelle stehen sehen. Zusammen mit zehn weiteren Bürgern hat er versucht, die Verwaltung zu überzeugen und ihr Vorschläge unterbreitet: Eine Informationstafel wollen sie anbringen und ein Unternehmen für den Transport engagieren. Günter Riedel, der die Skulptur auch wieder aus dem Familiengarten holen will, hat schon viel Zeit und Energie in das Vorhaben investiert. "Wenn wir diesen komplizierten und mutigen Weg nicht gehen, dann bedeutet das eine Kapitulation vor Kunstgegnern", sagt Riedel. "Wir sehen darin nicht den Sinn einer Kulturnation oder einer breiten Öffentlichkeitsarbeit."

Der Kulturamts-Leiter von Eberswalde, Norman Reichelt, hält dagegen: die Skulptur sei im Familiengarten am besten vor Vandalismus geschützt. Deswegen wolle die Stadt an dem Standort im Familiengarten festhalten. Reichelt meint: "Das entscheidende daran ist, dass man den Vandalismus ausschließen muss, weil für Vandalismus viel Steuergeld ausgegeben wird. Dieses Geld könnte man gerade im Kulturbereich ganz anders einsetzen. Insofern ist also der Standort Familiengarten für diese Skulptur aus Sicht der Stadtverwaltung genau der richtige."

Mosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos" am Rechenzentrum PotsdamMosaik am Potsdamer Rechenzentrum

Denkmalschützer: Kunst darf provozieren

Der Denkmalschützer Thomas Drachenberg sieht den richtigen Weg nicht darin, Kunstwerke wegzuschließen. Er sagt, die Kunstwerke müssten in der Öffentlichkeit präsent sein, um Vandalismus zu verhindern. "Wir müssen anfangen, mehr in Bildung und in Prävention zu investieren. Kunstwerke sind nicht geschützt, weil sie auf der Denkmal- oder Inventarliste stehen, sondern weil sie im öffentlichen Bewusstsein etwas Wertvolles darstellen." Als Beispiel für seine These, führt Drachenberg das Mosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos" am Rechenzentrum in Potsdam heran. Dies werde ebenfalls kontrovers betrachtet. "Von den einen wird es geliebt, von den anderen gehasst. Trotzdem halten sich die Schmierereien dort Grenzen." Darum sieht der Denkmalschützer die Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum als besten Schutz für die Kunst.

Grundschule als neuer Standort für Kleine Rollschuhläuferin
Früherer Standort der "Kleinen Rollschuhläuferin" | Bild: rbb

Klaus Steinhäuser und Günter Riedel wollen genau das: die Öffentlichkeit mit einbeziehen und die "Kleine Rollschuhläuferin" wieder einem breiten Publikum zeigen. Im Moment sieht es aber nicht so aus, als ob die Stadt sich überzeugen lässt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.02.2021, 15:10 Uhr

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