Bartoszewski-Ausstellung in Wriezen eröffnet - Eine Brücke für einen deutsch-polnischen Brückenbauer

Ausstellungsplakate und Sitzgelegenheit sind zu sehen
Bild: rbb/Jakub Paczkowski

Der Ausschwitz-Überlebende, Diplomat und Chronist der Kriegsverbrechen Władysław Bartoszewski gehörte zu den Wegbereitern der deutsch-polnischen Verständigung. Ihm zu Ehren hat am Dienstag im Amt Barnim-Oderbruch in Wriezen eine Ausstellung eröffnet. "Wenn ich höre, dass die Ausstellung schon bundesweit unterwegs war, dürfen wir uns ausgezeichnet fühlen", sagt Sylvia Borkert, stellvertretende Amtsdirektorin des Amtes Barnim-Oderbruch.

Von der DDR-Parteiführung als Staatsfeind angesehen

Von der DDR-Parteiführung als unerwünschter Staatsfeind angesehen, setzte sich Bartoszewski umso stärker für Kontakte mit ostdeutschen Dissidenten- und Oppositionskreisen ein. Die Erfolge seines Engagements lassen sich an seinem eigenen Zitat erkennen. "Wenn mir jemand vor 60 Jahren, als ich geduckt auf dem Appellplatz des KZ Ausschwitz stand, gesagt hätte, dass ich Deutsche, Bürger eines demokratischen und befreundeten Landes, als Freunde haben werde, hätte ich ihn für einen Narren gehalten", soll der 2015 verstorbene Warschauer einst gesagt haben.

Getragen wird die Ausstellung von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, der Bartoszewski-Initiative und dem Amt Barnim-Oderbruch. Begleitend hat auch ein Geschichts-Workshop mit Schülerinnen und Schülern des Wriezener Johanniter-Gymnasiums stattgefunden. "Ich denke, es ist wichtig an die Vergangenheit zu denken, um in der Gegenwart nicht die gleichen Fehler zu machen. Damit man nicht nur weiß, was passiert ist, sondern auch wie man es vermeiden kann", sagt Schüler Florian Dahlt bei der Eröffnung.

Brückenumbenennung im Februar 2022

Die Veranstalter verfolgen zudem das Ziel, die kürzlich teileröffnete Fahrradbrücke über die Oder zwischen Neu-Rüdnitz und dem polnischen Siekierki, auf den Namen "Bartoszewski-Europabrücke" zu taufen. Genau wie die Brücke sei Bartoszewski ein Zeuge der kritischen Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges gewesen, sagt Anita Baranowska-Koch von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. "Jetzt hat es die Brücke verdient, den Namen Bartoszewskis zu tragen, um den Dialog zwischen Deutschland und Polen zu unterstreichen."

Die Umbenennung soll bei der Eröffnung der deutschen Seite des Bauwerks im Frühjahr 2022 zum 100. Geburtstag Bartoczewskis geschehen. Die Ausstellung in Wriezen kann noch bis zum 23. September besucht werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.08.2021, 16:40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Die Brücke wurde Ende Juni teileröffnet. Allerdings auf polnischer Seite. Die deutsche Seite soll nächstes Jahr fertig gestellt werden.

  2. 1.

    Wann bitte wurde die Brücke teileröffnet? Ich stand vor 3 Wochen vor einer unpassierbaren Baustelle.
    Könnte mal jemand nachschauen?

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