Theaterfestival in Frankfurt (Oder) - Außergewöhnliche Kleist-Festtage in der Pandemie

Eine Schauspielerin fasst sich an die Augen, schwarzer Hintergrund
Bild: Kleist-Forum/Thomas Müller

"Alles Andere Als Kleist?" ist der Titel der diesjährigen Kleisttage. Zum zweiten Mal finden diese in Pandemie-Zeiten statt. Neben Kleist kommen auch Goethe, Mann und Zschokke zu Wort. Von Elke Bader

In welchen Zeiten leben wir gerade? Dieser Frage gehen die Macher des Theater- und Literaturfestivals Kleisttage in Frankfurt (Oder) in diesem Jahr nach. "Das Tolle ist, was daraus entstanden ist. Es ist eine ganz neue Kreativität freigesetzt worden. Es sind kleine, aber feine Produktionen entstanden", sagte Florian Vogel, künstlerischer Leiter des Kleist-Forums.

Das Stück "Superspreader" zeigt den Zusammenhang zwischen Pandemie und Kapitalismus. Erzählt wird die Geschichte eines Unternehmensberaters, der um die ganze Welt reist, bis er in Wuhan festsitzt. Dort, wo das Virus ausgebrochen ist. In beklemmenden Monologen erzählt Schauspieler Peter Lohmeyer, bekannt aus "Das Wunder von Bern", wie das Virus immer näher an ihn heranrückt.

Auch andere Dichter kommen zu Wort

"Wir wollen außer Kleist auch noch andere Dichter zu Wort kommen lassen", sagte Anette Handke, Programmleiterin im Kleistmuseum. In diesem Jahr wird der Film "Tod in Venedig" nach einer Novelle von Thomas Mann gezeigt. Schauspielerin Barbara Schnitzler wird die Erzählung "Die vertauschten Köpfe" lesen. Eine Ausstellung im Kleist-Museum erzählt über den Frankfurter Universitätslehrer und Bestsellerautor Heinrich Zschokke (1777 - 1848). Er war seinerzeit ein Freund Kleists. 1846 erklärte Zschokke: "Kleist war eine der schönen Erscheinungen im Leben für mich, die man ihres Selbstes willen liebt und nie zu lieben aufhört." Zschokke verfasste übrigens unter anderem die Erzählung "Der zerbrochene Krug", Kleist machte aus dem Stoff sein gleichnamiges, bekanntes Lustspiel.

Theater anders aufgeführt

In pandemischen Zeiten haben sich die Macher der Kleist-Festtage einiges einfallen lassen, um möglichst viele Besucher in die Vorstellungen zu locken. Ob Lesung oder Theaterproduktion, alle Veranstaltungen werden nach Corona-Vorschrift durchgeführt. In Virtual-Reality Projekt "Bye, Bye Bühne" schreiten die Besucherinnen und Besucher mit VR-Brillen durch ein virtuelles Theater. In der Produktion "Das Zwischenland" wird das Publikum aktiv: "Eine begehbare Theater-Installation ohne feste Sitzplätze, wo man von Station zu Station schreitet", sagte Florian Vogel. So kann das Publikum mit Abstand auch in Zeiten der Corona-Pandemie Kultur erleben.

Kleist-Förderpreis geht an Ivana Sokola für "Kill Baby"

Höhepunkt der Festtage ist die Verleihung des Kleist-Förderpreises für Junge Dramatikerinnen und Dramatiker am Donnerstagabend. In diesem Jahr geht er an Ivana Sokola für ihr Stück "Kill Baby". Sokola erzählt in ihrem Werk von einer Familie, die in einem Hochhaus gestrandet ist - drei Frauen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Identität, drei Generationen leben auf engstem Raum. Sie gehe poetisch und verdichtet mit Sprache um, ihre Bilder seien eindringlich und sinnlich, hatte die Jury die Verleihung des Preises begründet. Das prämierte Stück der Dramatikerin wird dann auch erstmals in Frankfurt (Oder) gezeigt.

Der Preis wird seit 1996 jährlich von der Stadt Frankfurt (Oder), dem Kleist-Forum und der Dramaturgischen Gesellschaft vergeben. Er gilt als Wegbereiter vieler Autorinnen und Autoren.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 14:40 Uhr

Beitrag von Elke Bader

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