Staatsorchester spielt mit Schülern - Wenn es beim klassischen Konzert aus Handys fiept und schwirrt

Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) probt mit Schülern
Video: Brandenburg aktuell | 22.09.2021 | Jakub Paczkowski | Bild: Felicitas Montag/rbb

Das Brandenburgische Staatsorchester tritt gemeinsam mit Frankfurter Schülern auf. Sie begleiten es mit Smartphone-Apps, die Klänge erzeugen. Mit dem Projekt sollen junge Menschen für klassische Musik begeistert werden. Von Felicitas Montag

Junge Menschen an klassische Musik heranführen, ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Denn wenn die Themen bekannter Werke nicht gerade in modernen Remixen auftauchen, gelten Mozart, Bach und Co nicht unbeding als cool. Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) versucht es mittels moderner Technik trotzdem. Das Konzept: Das Orchester wird mit Smartphone-Klängen begleitet, die die Jugendlichen selbst erzeugen. Am Donnerstag wird die Idee bei dem Konzert "Spannungsfelder" in die Praxis umgesetzt. Dabei steht das Staatsorchester gemeinsam mit Siebtklässlern des Frankfurter Karl-Liebknechts in der Messehalle in Frankfurt (Oder) auf der Bühne.

Infos

Schulkonzert "Spannungsfelder - Musik und Technik"

23. September, 11 Uhr:

Messehalle Frankfurt (Oder)

28. September, 12 Uhr:

Uckermärkische Bühnen Schwedt

www.bsof.de

Über Technik an die Jugend

Einen ersten Eindruck davon gab es bei der Generalprobe am Mittwoch. Das Fiepen und rhythmische Schwirren klingt zunächst ungewöhnlich. Doch nach und nach fällt der Groschen. Eine Melodie wird erkennbar und erste Text-Zeilen treten hervor. In Bernard Cavannas Stück "Geek Bagatelles" werden Fragmente aus Beethovens 9. Sinfonie mit moderner Technik - sprich Smartphone - ergänzt. "Wir haben das Orchester, das seine Parts spielt und wir haben die Schüler, die Klänge erzeugen", erklärt der britische Dirigent Howard Griffith. Von 2007 bis 2018 war Griffiths Generalmusikdirektor des Brandenburgischen Staatsorchesters und hat die deutsch-polnischen Education-Projekte eingeführt. Mit dem Smartphonekonzert will er junge Menschen für klassische Musik begeistern.

Erzeugt werden die Klänge mittels App, indem die Smartphones in verschiedene Richtungen gedreht werden. Dabei entsteht je nach Richtung ein frequentiertes Klackern. Angeleitet werden die Jugendlichen von der Musikpädagogin Anne Kathrin Meier. Sie gibt bei der Probe mit Handzeichen und Schildern vor, wann welcher Ton mit welcher App erzeugt werden soll. "Die Smartphones werden genauso eingesetzt wie ein Instrument. Die stehen auch in der Partitur drin, genau wie die Geigen, die Celli und die Posaunen." Auch das Publikum wird involviert. Es kann sich eine App herunterladen und ebenfalls mitmachen.

Besser als Lieder auswendig zu lernen

Bei der Aufführung am Donnerstag werden auf einer Leinwand hinter dem Orchester von den Schülerinnen und Schülern zudem eigens produzierte Stop-Motion-Filme gezeigt, erklärt die zwölfjährige Jährige Lillie aus Frankfurt (Oder): "Wir haben Figuren und Fotos aus Papier ausgeschnitten und dann aneinandergereiht. Das ergibt dann einen Film, der zur Musik passt."

Mit dabei sind auch Schülerinnen und Schüler einer 13. Klasse der Gesamtschule Talsand in Schwedt (Uckermark), wo am 28. September auch Smartphone-Konzert stattfinden wird. Der unkonventionelle Unterricht konnte die Jugendlichen in der Messehalle jedenfalls schon bei der Probe überzeugen. "Es ist schon cool, dass wir einfach mal was anderes machen als zum Beispiel Lieder auswendig lernen", sagt die zwölfjährige Liliana aus Frankfurt.

Smartphone-Konzert mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und Schülern aus Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Angetan zeigt sich auch der französische Komponist Bernard Cavanna. Neben den Schülerinnen und Schülern hofft er jetzt, mit seinem Stück auch das Publikum in zwei fremde Welten - die alte, klassische und die moderne, technologisierte Welt entführen zu können: "Das ist ein sehr schönes Orchester, ein super Chef, es ist großartig."

Neben dem Smartphone-Stück werden noch weitere Werke vom Brandenburgischen Staatsorchester unter dem Motto "Spannungsfelder - Musik und Technik" aufgeführt. Bleibt nur noch abzuwarten, ob der ein oder andere zukünftig den Klassikern durch das Projekt zukünftig eine Chance gibt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.09.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Felicitas Montag

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