"Belarus - Land ohne Bilder" in Wriezen - Fotoausstellung soll unterdrücktem Protest in Belarus wieder ein Gesicht geben

Mi 08.06.22 | 14:15 Uhr
Fotoausstellung "Belarus - Land ohne Bilder" in Wriezen
Audio: Antenne Brandenburg | 07.06.2022 | Marie Stumpf | Bild: rbb

Still ist es auf den Straßen von Minsk geworden, doch verschwunden ist der Widerstand gegen das totalitäre Regime Lukaschenko nicht. In Wriezen soll jetzt eine Ausstellung mit Bildern der Demonstrationen in Belarus der Menschen gedenken.

Der Angriffskrieg der russischen Truppen auf die Ukraine ist seit mehr als drei Monaten omnipräsent. Andere Konflikte sind dadurch in den Hintergrund geraten. So auch die Situation im ukrainischen Nachbarland Belarus. Seit zwei Jahren wehrt sich eine Protestbewegung gegen den Machthaber Lukaschenko. Zeitweise zogen tausende Menschen auf die Straßen. Das Regime reagierte mit äußerster Härte und schlug die Proteste nieder. Fast bezeichnend wurde erst vor wenigen Wochen der Verkauf von Georg Orwells Roman "1984" verboten.

Die Lage der Oppositionellen bleibt also brenzlig. Nun erinnert eine Ausstellung in Wriezen (Märkisch-Oderland) an die Menschen in Belarus. Diese wurde am Dienstagnachmittag eröffnet. Unter dem Motto "Belarus - Land ohne Bilder" werden zum Teil bisher unveröffentlichte Fotografien gezeigt. Sie sollen an die Proteste erinnern.

"Ich habe gelernt, meine Freiheit wertzuschätzen"

Eine Fotografie, gedruckt auf einer Leinwand. Sie zeigt einen Demonstranten in Belarus im Handschlag mit einem Busfahrer, der an dem Zug der Protestierenden vorbeifährt. Es ist eine Geste der Solidarität, findet die 15-jährige Tullia aus Wriezen bei Betrachten des Bildes: "Man sieht, dass alle zusammenhalten. Sogar die Busfahrer." Tullia führt mit neun weiteren Schülern aus dem evangelischen Johanniter-Gymnasium durch die Ausstellung. Eine gute Sache, findet auch Schüler Tayfun. Von der Situation in Belarus habe er nur wenig gewusst. Dann sah er die Fotos. "Als ich sie das erste Mal gesehen habe, fand ich das schon krass und auch ziemlich bewegend. Man wusste nicht, was da abgeht. Ich habe gelernt, meine Freiheit wertzuschätzen und daran zu denken, dass das keine Selbstverständlichkeit ist."

Fotoausstellung "Belarus - Land ohne Bilder" in WriezenBilder von Protesten in Belarus

Ein Gesicht für den stummen Protest

Genau solche Gedanken wollten die Mitglieder des Neutrebbiner Vereins "Mara" auch auslösen. Der Verein setzt sich für die Menschen in Belarus ein und hat die Ausstellung initiiert. Über seine Kontakte wurden ihnen 17 zum Teil bisher unveröffentlichte Fotografien von den Massenprotesten vor zwei Jahren zugespielt. Sie zeigen Belarussen, die auf dem Boden von Sicherheitskräften festgehalten werden oder Frauen, die eine Menschenkette um Männer bilden, um sie vor einer Festnahme zu beschützen. Auf einem Foto kniet eine Protestierende in einer Geste der Hilfslosigkeit vor einer Wand aus Polizisten.

Fotoausstellung "Belarus - Land ohne Bilder" in Wriezen

Die Situation in Belarus müsse wieder sichtbar werden, so die Vereinsvorsitzende Olja Homza-Knies. "Die Leute haben Angst auf die Straße zu gehen, sich privat zu treffen. Die Verhaftungen sind so willkürlich. Wenn du bei Telegram etwas kommentiert oder geliked hast, kannst du damit rechnen verhaftet zu werden." Die Familie von Olja Homza-Knies ist noch in Belarus. Ihr Bruder wurde bereits zwei Mal verhaftet, weil er sich an den Protesten beteiligt hatte. Durchsuchungen bei Regime-Kritikern seien an der Tagesordnung. Auch wenn kaum noch öffentlich sichtbar, seien die Menschen hinter den Protesten noch da. Deshalb soll die Ausstellung den Unterdrückten nun wieder ein Gesicht geben.

Initiatorin Olja Homza-Knies vom Verein MaraInitiatorin Olja Homza-Knies vom Verein "Mara"

Inzwischen ist diese Angst sogar in Wriezen angekommen. Acht der an der Ausstellung beteiligten Schüler durften am Donnerstag nicht zu der offiziellen Eröffnung kommen, weil ihre Eltern Angst vor Konsequenzen aus Belarus haben. Bis Freitag ist "Belarus - Land ohne Bilder" noch im Johanniter Gymnasium in Wriezen zu sehen. In der kommenden Woche zieht sie dann weiter ins Gymnasium in Seelow.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.06.2022, 16:40 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf

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