Pfleger Musafar aus Guben zeigt das Victory-Zeichen (Quelle: privat)
Audio: Studio Cottbus | 06.02.2018 | Elisabeth Mattner | Bild: privat

Afghanischer Pflegehelfer - "Guben ist meine Zukunft"

Musafar floh vor mehr als zwei Jahren von Afghanistan nach Deutschland. Mittlerweile lebt er in Guben (Spree-Neiße) und hat nach einem Praktikum eine Ausbildung zum Pflegehelfer begonnen. Seine Zukunft sieht er nicht mehr in seiner alten Heimat. Von Elisabeth Mattner

Mit einem schüchternen Händedruck stellt Musafar sich mir vor, hält mir die Türen zur Orthopädie-Station des Krankenhauses auf - und zeigt mir alles. Seit einem halben Jahr arbeitet er im Naemi-Wilke-Stift in Guben (Spree-Neiße) als Pflegehilfskraft. Er betreut die Patienten, gibt ihnen Essen, hilft im Bad, redet mit ihnen. Viele Patienten könnten vieles nicht mehr alleine machen. "Ihnen Essen zu geben oder ihnen bei der Körperpflege zu helfen, macht mir viel Spaß", erzählt der 19-Jährige.

Pfleger Musafar aus Guben nimmt an einem Lehrgang teil (Quelle: privat)
Musafar sieht seine Zukunft in Guben als Pfleger | Bild: privat

Angefangen hat Musafar mit einem Praktikum im Hol- und Bringedienst. Dort habe er seine Arbeit gut gemacht, sagt sein Chef Herbert Gehmert. "Alle loben ihn. Er ist ein richtiger Sonnenschein und er ist sehr nett zu den Patienten", so Gehmert. Das sei vor allem wichtig bei der Arbeit am Patienten.

Viele Nationalitäten in der Pflege

Musafar kam im Oktober 2015 aus Afghanistan nach Deutschland. In Cottbus belegte er zunächst einen Kurs "Deutsch als Fremdsprache". Anschließend absolvierte er eine sechsmonatige Maßnahme bei der Cottbuser Handwerkskammer und diverse Praktika. In der Pflege hat er vorher nie gearbeitet. Das Praktikum im Wilke-Stift hat ihm so gut gefallen, dass er die einjährige Ausbildung als Gesundheits-und Krankenpflegehelfer begann.

Musafar ist Teil eines internationalen Teams. In dem Haus arbeiten so viele Nationalitäten, dass sie Orthopädie-Chefarzt Thilo Hennecke kaum aufzählen kann. Unter seinen Kollegen sind Polen, Türken, Franzosen oder Syrer.

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Nationalitäten und natürlich den Einheimischen funktioniert im Krankenhaus eigentlich sehr gut, berichtet Hennecke. Es gebe natürlich immer mal kleinere Diskrepanzen. Aber im Bereich der Pflege und Betreuung der Patienten, die auch nicht immer nur aus Deutschland kommen, spiele die Nationalität keine Rolle, wenn die Sprache vorhanden ist.

Wer als Pfleger berufen ist, bei dem spielt es keine Rolle, aus welchem Land er kommt.

Herbert Gehmert, Leiter des Pflegedienstes

"Ich denke nicht mehr zurück"

Die deutsche Sprache will der 19-Jährige auch noch besser lernen und dann im Herbst eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger anschließen. In jedem Fall will er in Guben bleiben. Seine Heimat in Afghanistan, wo das Leben für ihn zu gefährlich geworden sei, hat er hinter sich gelassen. "Ich denke nicht mehr zurück", sagt er. "Guben ist meine Zukunft."

Damit ist Musafar praktisch das Paradebeispiel für gelungene Integration. Für das Krankenhaus sei der junge Mann ein Glücksfall, gibt Herbert Gehmert zu. Natürlich sei das nicht bei allen so - in Musafars Fall aber haue es hin. "Wer als Pfleger berufen ist, bei dem spielt es keine Rolle aus welchem Land er kommt."

Beitrag von Elisabeth Mattner

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Toll, dass Integration auch in der Provinz funktionieren kann und Flüchtlinge einen Platz in der Gesellschaft finden.
    Etwas verwundert mich in diesem Fall aber...Musafa soll 19 sein? Auf den Bildern sieht er viel älter aus. Kenne das auch von Bildern meiner Großeltern, die sahen auch immer älter aus. Ist das eine Folge der Erlebnisse oder stimmt hier schlicht das Alter nicht?

  2. 4.

    Na aus dem NDR-Bericht, das schrieb er doch. Hier der Link (die Suche hat vier Sekunden gedauert): https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Fluechtlingsintegration-Ausbildung-bleibt-Problem,ausbildung602.html

    Hat denn der rbb Zahlenmaterial vorliegen, das besser in das gewünschte Bild passt?

  3. 2.

    eine erfreuliche Entwicklung für Musafar , leider so selten, dass darüber ein Bericht erfolgt. Im großen Ganzen sieht es leider anders aus, dazu las ich heute einen Artikel im NDR : " Manche [ Flüchtlinge-Azubis ] kämen morgens zu spät oder akzeptierten eine Frau als Chefin nicht, anderen seien acht Stunden am Tag zu viel. Wiederum andere müssten ihre Schlepper bezahlen und arbeiteten deshalb lieber, als einen Beruf zu lernen. "
    2015 waren es 35.000 Flüchtlinge von denen Im vergangenen Jahr 319 Geflüchtete eine berufliche Ausbildung begannen. Wie viele von den 319 noch dabei sind oder abgebrochen haben , wird nicht erwähnt.

  4. 1.

    Glückwunsch an den jungen Mann, Integration funktioniert doch wenn beide Seiten es wollen.

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