SYMBOLBILD: Eine Puppe liegt zwischen einem Mann und einem Kind. (Quelle: imago/Manja Elsässer)
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Zwei Jahre und vier Monate wegen sexuellen Missbrauchs - Landgericht verurteilt Horterzieher zu Gefängnisstrafe

Zwei Jahre und vier Monate muss ein Horterzieher aus Schöneiche ins Gefängnis, weil er Kinder sexuell missbraucht hat. Dieses Urteil fällte am Donnerstag das Frankfurter Landgericht. Weil der Angeklagte zu Prozessbeginn die Taten bestritt, mussten die Kinder aussagen.

Ein 27-jähriger Horterzieher aus Schöneiche (Landkreis Oder-Spree) ist am Donnerstag vor dem Frankfurter Landgericht zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Anklage sah es als erwiesen an, dass er Kinder sexuell missbraucht hat. Nach Ende des Prozesses lagen sich die Mutter eines zum Tatzeitpunkt siebenjährigen Sohnes und ihre Anwältin Anja Bothe in den Armen. Das Kind wurde von dem Verurteilten missbraucht. Bothe zeigte sich mit dem Urteil zufrieden, weil sie eine Haftstrafe ohne Bewährungsfähigkeit erreicht hätten, sagte sie im Anschluss.

Zwischen 2013 und 2014 soll sich der 27-Jährige als Erzieher in einem Hort in Schöneiche an insgesamt vier Jungen im Alter zwischen sieben und neun Jahren vergangen haben. Noch zu Prozessbeginn bestritt der Mann die Taten. Für ihn sei es eine Racheaktion der Kinder und eines Vaters gewesen. Der Angeklagte argumentierte vor Gericht damit, dass der Vater nicht gewollt hätte, dass ein homosexueller Erzieher wie er sein Kind betreue.

Drei Kindern bleiben Aussagen erspart

Damit zwingt der 27-Jährige das Gericht im weiteren Verlauf, die Kinder als Zeugen zu hören. Vergangene Woche musste deshalb ein jetzt zehnjähriger Junge aussagen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Rechtsanwältin Anja Bothe schildert, dass der zehnjährige Zeuge während seiner Aussage zunächst stark weinte, seine Mutter ihm aber den Rücken gestärkt hätte. Dies sei für die Anwältin persönlich sehr berührend gewesen, sagt sie.

Der Zehnjährige belastet mit seiner Aussage den ehemaligen Erzieher so stark, dass dieser ein Geständnis ablegt und damit den anderen drei Jungen die Aussagen vor Gericht erspart. Staatsanwalt Ingo Kechichian erklärt nach dem Urteilsspruch, dass der Verurteilte ihm glaubhaft machen konnte, dass ihm die Tränen des Kindes vor dem Gericht leid getan hätten und ihn auch bewogen hätten, ein Geständnis abzulegen.

Für das Gericht war das Geständnis jedoch nicht so tiefgreifend wie erwartet. Das sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Deshalb könne es aus Sicht des Gerichtes keine Bewährungsstrafe, sondern nur eine Haftstrafe geben. Außerdem muss der Horterzieher viertausend Euro Schmerzensgeld zahlen. Nach seiner Entlassung darf dieser vorerst nicht in seinem Beruf arbeiten.

Das Urteil gegen den Mann ist noch nicht rechtskräftig. Eine Woche haben sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Zeit, um Revision einzulegen.

Beitrag von Dorett Kirmse

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6 Kommentare

  1. 6.

    Eventuell Bewährungsstrafe?? Wie bitte?? 2Jahre sind noch 20 Jahre zu wenig und er darf doch hoffentlich NIE wieder in seinem Job arbeiten!!

  2. 5.

    Geht wohl eher um "sollen" statt "können". Die Knäste sind übervoll und politisch ist es daher wichtig, Täter in Freiheit zu halten, auch Gewalttäter. Außerdem gibt es viele Täterschutzbemühungen, während der Opferschutz politisch und juristisch nicht ausgebaut wird.
    Das Sexualstrafrecht ist z. B. in Großbritannien viel, viel härter. Dort werden solche Missbraucher manchmal bis zu 35 Jahre hinter Gitter gebracht, Vergewaltiger 10 Jahre. Bei uns wird höchstens jede 10. nachgewiesene Vergewaltigung bestraft.

  3. 4.

    Ach so, er darf danach vorerst nicht mehr in seinem Beruf arbeiten? Aber danach weiter locker Kinder missbrauchen. Manchmal denke ich mir, dass RichterInnen bei solchen Urteil keine eigenen Kinder haben. Wenn dem nicht so wäre, würde es angemessene Strafen geben und keine Therapieeinheit!

  4. 3.

    Unglaublich. Zwei Jahre und vier Monate für das Zerstören von Kinderseelen. Und anschließend, nach wahrscheinlich nur kurzer Karrenz, im Beruf weiter machen dürfen. Was man wohl so für blöde Raubkopien aufgebrummt bekommt? Aber die armen Geprellten leiden ja bestimmt noch mehr als die Kinder.

  5. 2.

    Und bei solchen Taten könnten immer noch Bewährungsstrafen ausgesprochen werden? Was ist bloß los hier?

  6. 1.

    Das soll eine Strafe für die begangenen Taten sein? Vorerst nicht in seinem Beruf arbeiten? Nach ausgewogener Sensibilität für die Opfer und deren Familien schaut das mMn nicht aus.

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