Angriff auf Rettungssanitäter (Quelle: rbb/Kontraste)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.08.2018 | Autor: Markus Woller | Bild: rbb/Kontraste

Sicherheitsdienste und Schutzwesten für Rettungsstellen - Brandenburger Lebensretter werden immer häufiger angegriffen

Das Klinikum Bernau rüstet sich gegen aggressive Patienten und engagiert einen eigenen Sicherheitsdienst für die Notaufnahme. Auch in Frankfurt werden Lebensretter der Rettungsstelle bei ihrer Arbeit beschimpft, gewürgt oder mit Messern bedroht. Von Markus Woller

Da ist der angetrunkene Patient, der den Rettungssanitäter schlägt und würgt. Angehörige, die ausrasten, schreien, aggressiv werden und die Rettungskräfte angehen, so dass sie zurückweichen müssen. Da sind die Messer, Pfefferspray-Dosen oder Elektroschock-Geräte. All das berichten die Rettungssanitäter Vicoria Brinker und Oliver Fahron, die jeden Tag auf einem der vier Krankenwagen der Frankfurter Wache unterwegs sind - wohlgemerkt um Leben zu retten.

Auch in anderen Städten häufen sich Vorfälle, in denen Lebensretter bei ihrer Arbeit mit dem Messer angegriffen, gewürgt oder beschimpft werden. Aufmüpfige Patienten und Angehörige sollen in Bernau sogar schon den Tresen in der Aufnahme zerlegt und Glasscheiben eingeworfen haben. Auch die Klinik in Eberswalde denkt Medienberichten zufolge über einen Wachdienst in den Nachtstunden nach.

Streit um richtige Behandlungen

Rettungssanitäter Oliver Fahron kann einiges über Angriffe auf sich erzählen. "Das ist unser täglich Brot. Ich bin mir sicher, jeden Tag sind die vier Rettungswagen, die wir hier im Einsatz haben, die zwei Notärzte mindestens einmal in der Rettungsstelle mit Aggressivität konfrontiert", sagt er.

Anlässe sind oft der Streit über die richtige Behandlung oder darüber, ob überhaupt ein Notarzt hätte gerufen werden müssen. Denn das Anspruchsdenken der Patienten steige. Auch bei Kleinigkeiten. Das sorge immer öfter für Frust auf beiden Seiten, berichten die Helfer.

Kaum Anzeigen

Die offizielle Landesstatistik weist nur einige wenige Fälle von Angriffen gegen Sanitäter und Feuerwehrleute auf. 2015 sind 16 Gewaltdelikte und Straftaten wie Bedrohung, Widerstand oder Körperverletzung gegen diese Berufsgruppen verzeichnet, 47 Fälle sind es im Jahr 2017.

Die Realität aber scheint eine ganz andere zu sein. Dafür, dass die Zahlen das nicht widerspiegeln, hat Oliver Fahron eine Erklärung. "Rettungskräfte gehen damit professionell um, indem sie es für sich behalten und schweigen", sagt er. Nach dem Motto: "Wir sind die Guten und die Starken, die Helden, um nur nicht einem Kollegen oder anderen zu zeigen, dass einen das was angeht", sagt Fahron.  

Stichschutzwesten für Rettungskräfte

Anzeige bei der Polizei erstatten die beiden Frankfurter Retter sowieso nur in Ausnahmefällen. Die Angreifer seien ja meist Menschen, die Hilfe bräuchten - und nicht noch mehr Ärger.

Damit die Einsatzkräfte in Zukunft besser geschützt sind, will die Stadt jetzt aufrüsten und Stich-Schutzwesten kaufen, sagt Technikleiter Christian Schulz. "Wir reden von leichten Westen, die man drunterziehen kann, die man aber jederzeit bei entsprechenden Situationen auch wieder ausziehen kann, wenn die Kollegen zum Beispiel jemanden reanimieren", bekräftigt er.

Beitrag von Markus Woller

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Interessant,das einige der Kommentatoren zwar auf Recht und Gesetz pochen, aber gleichzeitig zum Rechtsbruch aufrufen, wie der unterlassenen Hilfeleistung. Eine Überprüfung des eigenen Rechtsbewustseins scheint von Nöten.

  2. 17.

    Tja, dann lasst diese verrückten Patienten einfach dort liegen, wo sie gefunden wurden. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Das gilt besonders für Drogen- oder Alkoholkonsum! Wenn die Patienten noch so handgreiflich werden können, wäre es nicht nötig den Rettungswagen kommen zu lassen ...
    Wenn sie frech und handgreiflich werden, gehört denen jedenfalls eine safftige Geldstrafe (in Abhängigkeit des Einkommens) auferlegt, die sie über Jahre abzahlen sollen. Ohne Erlass!

  3. 16.

    Das ist ja das Drama, der "netiquetierte" Tremor durfte es nicht wissen, sie schreiben selbst es nicht zu wissen.
    Die es erleben sprechen nicht über das "Heiße Eisen" wegen beruflicher Nachteile und andere wieder wollen nicht darüber berichten!
    Ich denke auch Betrunkene waren immer schon dabei, selbst als sowas so gut wie nie vorkam! Naja, ob Reichsbürger/ Wutbürger Rettungskräfte angreifen - eher nicht, mehr die Polizei. Aber o.k., bringt eh nichts.
    Von daher lehnen wir uns zurück und geniessen die Show die immer weiter weiterläuft..

  4. 15.

    "Schon klar, eine Relativierung des Kommentars musste kommen. "
    -> Sie meinen: "Es musste also kommen, dass Jemand widerspricht, wenn pauschal, ohne jede Faktenlage, Ausländer beschuldigt werden."
    Ja, und das ist auch gut so.
    Ich kenne die Schuldigen nicht, deswegen halte ich mich bedeckt. Und ich bin mir sicher, es gibt keine einfache Antwort im Sinne von "die ethnische Gruppe XY ist schuld." Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Betrunkene, Wutbürger, Reichsbürger etc. auch Gruppen sind, die vermehrt gegen die Autorität aufbegehren.
    Letztlich bleibt es Spekulation, und solange keine Fakten genannt sind, sollte man die Spekulation unterlassen, das ist populistisch und führt nur dazu, dass mehr Abgrenzung innerhalb der Bevölkerung aufgebaut wird.

  5. 13.

    Sanitäter zeigen nicht alles an wie man hier lesen kann... soviel zum Thema es gäbe in Deutschland so wenig Kriminalität wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

  6. 12.

    Schon klar, eine Relativierung des Kommentars musste kommen.

    Woher haben sie denn eigentlich ihr "Wissen"? Wer sind denn die Verdächtigen?

    Schade eigentlich nur, zu viele wissen noch, besagtes Verhalten WAR einmal untypisch und hat eine zunehmende Aufnahme in unsere Kultur gefunden.
    Dies heißt nicht, alle heutigen gebürtigen Mitteleuropäer sind Engel und alle Zuwanderer aus bestimmten Regionen Täter, über Tendenzen muss aber bitte geredet werden dürfen (auch im ÖR), ebenso über die seit den 80,- er Jahren gescheiterte Integration und ihre Folgen.
    Und jetzt kommen sie nicht mit der Unterstellung ich wäre ein Nazi, ich bin nur nicht blind und taub.

    Phänomene wie o.g. sind im übrigen in mitteleuropäischen Nachbarstaaten eine Ausnahme und werden dort mit erheblichen Strafen zeitnah sanktioniert. Beispiel Polen, Tschechien, Baltikum. Nicht zuletzt weil sie sich (ganz im Gegensatz zu Ländern mit den gleichen Problemen) erfolgreich gegen eine "Kulturbereicherung" erwehren!

  7. 11.

    In vielen Notaufnahmen geht es zu wie im Fightclub aber beschwert sich irgend ein Arzt ??? Nein ? Tja selber Schuld.

  8. 10.
    Antwort auf [Tremor] vom 17.08.2018 um 11:41

    Sie sind wieder auf der Suche nach einfachen Antworten. Die gibt es aber nicht, daher stellen Sie bitte Ihre Unterstellungen ein und befassen sich etwas tiefer mit der Materie, bevor Sie sich hier öffentlich zu Wort melden.

  9. 9.

    Ich bin ihrer Meinung Fehlentwicklungen aller Art, wie eine in diesem Artikel beschrieben gehören im öffentlichen Rundfunk UNPARTEIISCH beschrieben.
    Der ÖR hat die Bevölkerung durch die UNZENSIERTEN bereitgestellten Informationen zu informieren und dadurch zu schützen. Der Schutz geschieht ganz automatisch, indem der Bürger die als verfehlt erkannte Politik das Vertrauen bei der nächsten Wahl absprechen kann.
    Ansonsten gibt es weiter zunehmend Kriminalität, Abhängigkeit, Sozialabbau, Terrorismus, ungebremster Verlust zwischenmenschlichen Vertrauens und eine zerrissene nationale Gemeinschaft UND noch weitere ganz ganz viele Probleme! Der Ton wird immer rauer, der Geduldsfaden einiger (bis jetzt noch weniger) scheint jetzt schon am Ende, da keine Besserung eintritt.

  10. 8.

    Quo vadis terra, wenn schon.....das ist kein rein deutsches Problem.
    @Retter: welche bestimmte Personengruppe ist bitte gemeint? Benennen und nicht vorwerfen.
    Angriffe für sich zu behalten ist das eine, dann wegen der psychischen Problemen auszufallen leider dann das andere, Resultat: Personalmangel und fehlende Neueinstellungen.
    Meinen größten Respekt an die Retter aller Gruppen nicht aufzugeben ujd weiterzumachen. Danke.
    Und meine Verachtung den Idioten, denen trotzdem geholfen wird / werden muss..... Wer Hilfe benötigt und dann die Leute angreift, dem bräuchte auch nicjt geholfen werden müssen.

  11. 5.

    "Rettungskräfte gehen damit professionell um, indem sie es für sich behalten und schweigen",
    ich denke, das ist der falsche Weg, solche Über-u.Angriffe sollten medial aud der 1.Seite stehen, besonders bei den ÖR Rundfunkanstalten und somit bundesweit angeprangert und geächtet werden , und diese Hinweise u. Infos immer wieder täglich wiederholen.
    Ansonsten sollten die Rettungsdienste ihre Einsätze wegen des unkalkulierbaren Bedrohungspotentials bis auf weiteres einstellen , das gäbe richtigen Druck auf die Politik. Erst heute wurde ein Arzt in seiner Praxis in Offenburg erstochen, einfach so , Notaufnahmen in Kliniken müssen Sicherheitspersonal beschäftigen... seit wann ist das erforderlich ??
    Quo vadis Germania ??

  12. 4.

    Dass der Rettungssanitäter das Nichtanzeigen bzw. Verschweigen von Bedrohungen und Körperverletzung als "professionell" bezeichnet, ist starker Tobak! Die Statistik weist laut Artikel nur wenige Fälle von Bedrohung und Gewalt aus. Das sind Zahlen, die verlässtlich sind. Für eine deutliche Zunahme von Gewalt sehe ich in der Statistik keinen Beleg. Schließlich wurden alle Delikte zusammengeworfen. Außerdem: nur 2 Jahre wurden hier verglichen, das ist dürftig. Die Erklärung des interviewten Sanitäters, dass es nur wenige Anzeigen gebe und deshalb in der Statistik nur wenige Fälle auftauchen, lässt sich überhaupt nicht beweisen.

    Ich finde Angriffe gegen Sanitäter und Co. höchst verwerflich. Aber für eine Diskussion braucht es mehr als 2 Daten und die Einschätzung eines Sanitäters.

  13. 3.

    Nun gut, ich weiß es trifft meistens die Falschen!
    Die Probleme sind ja auch nicht so ganz neu, verschärfen sich nur.
    Nächstens vor dem Wahlgang einfach kurz überlegen, wer war denn so da in den Bundes/Landesregierungen und einfach mal...
    Mein Kommentar stellt ausdrücklich keine Wahlempfehlung da!
    Eine Immobilie irgendwo im Lande Nirgendwo für später (später in diesem Fall = nicht besser) zum ausweichen tut es auch.

  14. 2.

    Und es nimmt täglich zu, aber die Politik sieht kein Grund zum handeln. Vielleicht liegt es auch daran, das ein Großteil dieser Übergriffe von einer bestimmten Personengruppe kommt. Naja ob Berlin oder Brandenburg sind ja die selben Parteien an der Regierung

  15. 1.

    Solche aggressiven Leute halt einfach nicht behandeln und/oder unbedingt die Polizei informieren.

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