Audio: Antenne Brandenburg | 06.09.2018 | Elke Bader | Bild: rbb/Elke Bader

Norweger suchen Rat in Deutschland - Brandenburger sind als Wolfsexperten gefragt

Mit Wölfen kennen sich die Brandenburger gut aus - immerhin leben hierzulande 25 Rudel. Eine Gruppe norwegischer Umweltschützer will sich in der Mark jetzt Tipps für den Umgang mit den Raubtieren abholen - denn auch in Norwegen reißen Wölfe Schafe. Von Elke Bader

Acht norwegische Umweltschützer sind zurzeit zu Besuch in Brandenburg. Ihr Ziel ist, von den Wolfsexperten hierzulande so viel wie möglich über den Umgang mit den Tieren zu erfahren. Bei dem Treffen geht es vor allem um den Schutz der Schafe.

25 Rudel und sieben Paare leben in Brandenburg, in Norwegen hingegen sind es lediglich 13 Rudel und sechs Paare.

Doch, auch wenige Wölfe können viele Schafe reißen. Das ist die Erfahrung der norwegischen Schafhalter. Wölfe dürfen sich in Norwegen nur in bestimmten Gebieten aufhalten. Aber genau dort laufen auch die Schafe frei herum. 

Norweger wollen mit Tieren zusammenleben

Jetzt will Asmund Fjellbakk vom Dezernat für Umwelt und Klima einer norwegischen Provinzverwaltung von Brandenburger Wolfsmanagement lernen. "Wir haben gehört, dass Deutschland gute Erfahrungen im Umgang mit dem Wolf hat", sagt er. 

Und deswegen wolle man nun in Deutschland erfahren, wie ein Zusammenleben mit dem Wolf funktionieren kann. Immerhin sollen die Tiere nicht einfach nur ausgerottet werden.

| Bild: rbb/Elke Bader

Herdenschutz ist wichtig

In Norwegen dürfen Wölfe geschossen werden. Die Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere lassen sich durch Abschuß jedoch nicht verringern, konnte Brandenburgs Wolfsbeauftragter Peter Peuker den norwegischen Gästen direkt mitteilen.

"Damit löst man keine Probleme", sagt Peuker. Es sei egal, ob in einem Gebiet ein Wolf oder ein ganzes Wolfsrudel lebt. "Der Herdenschutz muss funktionieren."

Zäune schützen vor Angriffen

In Brandenburg werden Schafherden durch Elektrozäune und Hunde geschützt. Beides schauen sich die Gäste aus Norwegen bei Schäfer Bernd Birkhold-Weise in der Reicherskreuzer Heide an.

Er hat seine 350 Schafe auf einer Koppel, die bis zu 100 Hektar groß sein kann. Zusätzlich werden die Schafe von Herdenschutzhunden bewacht.

Die drei Wolfsrudel in der Nähe interessieren sich schon für die Schafe, sagt Schäfer Birkhold-Weise - doch selbst wenn sich ein Wolf dem Weidezaun und den Herdenschutzhunden nähert, jagt er hier letztlich keine Beute. "Der Aufwand ist ihm viel zu groß", so der Schäfer.

Die Gäste nehmen all die Tipps nun wieder mit nach Hause. Die ein oder andere Schutzmaßnahme können sie sich auch für Norwegen vorstellen.

Beitrag von Elke Bader

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Das waren norwegischer Schafhalter mit je einem Mitglied des Naturschutzes und des Umweltamtes und alle waren von der Professionalität der Deutschen tief beeindruckt. Es wird nie 100% Schutz geben, doch ist Brandenburg unglaublich effektiv mit seiner Verwaltung, sowie den Herdenschutzmaßnahmen und darf da ruhig auch sehr stolz darauf sein

  2. 6.

    Wo in Deutschland funktioniert es? Es sind immer Eintelfälle. Die haben Glück gehabt. Ich kenne kein Gebiet, in dem es trotz Wölfen keine Risse gibt. Mich interessiert nun mal, ob es beim Nachbar auch funktioniert. Inzwischen ist auch bekannt, dass es beim vom NABU hochgelobten Schäfer Neumann in der Lausitz trotz Herdenschutzhunde übergriffe von Wölfen auf seine Schafe gab. Also Zaun funktioniert nur in Einzelfällen, bei Herdenschutzhunden ist es das selbe.

  3. 5.

    "Wolfsexperten".....welche praktische Erfahrung haben diese denn mit dem Wolf? Oder beruht die eher auf Theorie und Zaunbau-Experimenten? Vernetzung in Deutschland habe ich bisher jedenfalls nicht mit Schafzäunen auf Kosten der Steuerzahler in Verbindung gebracht.
    Und nun kommen einige geschäftstüchtige Schäfer auf die Idee, Herdenschutzhunde an ihre Kollegen zu verkaufen (die der Steuerzahler finanziert), und nun erkläre mir bitte jemand aus der Schafs-oder Wolfsfraktion: wenn sich einige hundert Schäfer jetzt einige hundert junge Herdenschutzhunde anschaffen, bei Wind und Wetter zu den Schafen sperren, was passiert mit denen in acht oder zehn Jahren (wie lange hält ein Hund bei den Haltungsbedingungen eigentlich)? Gibts dann Gnadenhöfe für ausgediente Herdenschutzhunde auf Kosten der Steuerzahler? Oder werden diese dann von den Wolfsfreunden- und -experten übernommen?

  4. 4.

    Stimmt, die Aussage, daß sich der Bestand durch Abschuss nicht verringern lasse, finde ich auch merkwürdig. Eher lasse sich die Anzahl der Risse durch Abschuss nicht verringern. Zumindest würde die Aussage "Es sei egal, ob in einem Gebiet ein Wolf oder ein ganzes Wolfsrudel lebt." darauf schließen lassen.
    Aber freut mich, wenn sich die Norweger in Brandenburg beraten lassen und gute Ideen mit nach Hause nehmen können.

  5. 3.

    Finde wir gut und richtig. Ist doch Skandinavien alles andere als ein Vorbild für uns was Artenschutz anbelangt.
    Und bei aller Selbstkritik steht D im internationalen Vergleich bisher ganz gut dar.
    Facebookgruppe "Schützt die Wölfe"

  6. 2.

    Wenn 2 Experten einer Meinung sind ist einer kein Experte.
    Sage mir werdich bezahlt und ich sage dir welche Meinung du umsetzt.

  7. 1.

    Wenn sich der Bestand durch Abschuß angeblich nicht verringern läßt, weshalb hat es denn ewige Zeiten keine Wölfe gegeben und weshalb bejagt man denn andere Wildtiere wie Wildschweine mit dem erklärten Ziel, den Bestand zu verringern bzw. zu regulieren?

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