Archivbild: Aufgespießter Schweinskopf vor dem Haus einer Familie aus Syrien in Brieskow-Finkenheerd
Audio: Antenne Brandenburg | 30.11.2018 | Uta Schleiermacher | Bild: privat

Schweinskopfattacke in Brieskow-Finkenheerd - "Ich werde das nie vergessen"

Die Zahl rassistischer Straftaten in Brandenburg bleibt konstant hoch. Perfide war der Fall vor einem Jahr in Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree), wo Täter einen Schweinskopf vor dem Haus einer muslimischen Familie platziert hatten. Wie geht es der Familie heute?

Ein Jahr nach dem Vorfall hat Mohammad Abdoulreesh nichts Negatives über seine Nachbarn und Mitbürger zu sagen. "Die Leute hier in Finkenheerd sind sehr nett, viele haben uns geholfen, wir haben mit gar keinem ein Problem", sagt der 20-Jährige. Doch es gibt ein Bild, das hat sich Mohammad Abdoulreesh eingebrannt: Ein Schweinskopf, aufgespießt auf einen Holzpfahl, direkt vor der eigenen Haustür.

Der Gedanke an den Vorfall löst immer noch Abscheu in ihm aus. "Der Kopf war ein bisschen verbrannt, ganz schrecklich, und dann mit dem Stock, das war so eklig", sagt er. "Ich habe das Foto in meinem Handy, ich könnte es suchen, aber in meinem Kopf werde ich das nie vergessen. Das war ganz mies, was wir gesehen haben."

Direkt vor der Wohnungstür

Vor gut einem Jahr hatte Mohammad Abdoulreesh diesen aufgespießten Kopf vor dem Haus seines Bruders in Brieskow-Finkenheerd gefunden. Bis heute hat die Familie nicht erfahren, wer den Kopf dort aufgestellt hat, abends, im dunklen, direkt vor ihrer Wohnung.

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen inzwischen eingestellt. Ein Mann war anonym der Tat bezichtigt worden, stritt sie aber ab, sagt Ulrich Scherding von der Staatsanwaltschaft Frankfurt: "Die Kriminalpolizei hat auch geguckt, wo Feiern waren, man hat alle möglichen Fleischereien und Cateringunternehmen aus der näheren Umgebung befragt, letztlich konnte aber nicht geklärt werden, woher dieser Kopf stammt."

Mehr Polizeistreifen

Mohammad Abdoulreesh hätte sich nach dem Vorfall mehr Polizeipräsenz gewünscht. Vor allem, weil die Frau seines Bruders sich große Sorgen um die Kinder gemacht hat. "Da haben wir gebeten, das eine Polizeiauto vielleicht einmal die Woche oder täglich durch Finkenheerd durchfährt", sagt er. "Damit die Frau das sieht und sich keine Sorgen mehr macht."

Was laut Polizei nicht bedeutet, dass es keine Streifen gab. Dort heißt es: Die Polizei nehme Hinweise von Geschädigten ernst und beziehe sie in Streifenfahrten mit ein. Die Bevölkerung habe die Ermittlungen der Kriminalpolizei auch deutlich wahrgenommen. Mehrere Bürger hätten in der Pressestelle deswegen nachgefragt.

Umfangreiche Ermittlungen

Auch Staatsanwalt Scherding bestätigt, dass die Polizei umfangreich ermittelt hat. "Dafür, dass es um den Straftatbestand der Beleidigung ging, eigentlich ein Delikt, der eher im Bereich der Bagatellkriminalität anzusiedeln ist, hat die Polizei hier mit einem sehr hohen Aufwand ermittelt", sagt er.

Für Mohammad Abdoulreesh und seine Familie war die Unterstützung der Mitbürger und Nachbarn in Finkenheerd wichtig. "Ich werde meine Zukunft hier machen. Meine   Ausbildung, die Sprache noch besser lernen, arbeiten, Steuern zahlen. Aber das versteht nicht jeder. Es gibt ganz viele Leute, auch Deutsche, die sagen mir: Mach weiter, super, was du geschafft hast. Und es gibt auch Leute, die mich schief angucken und mich beleidigen. Aber ich mache es so weiter." Wenn die Täter also mit ihrer perfiden Tat vorhatten, die Familie damit zu isolieren oder auszugrenzen, ist ihnen das jedenfalls nicht gelungen.

Beitrag von Uta Schleiermacher

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    "Dafür, dass es um den Straftatbestand der Beleidigung ging, eigentlich ein Delikt, der eher im Bereich der Bagatellkriminalität anzusiedeln ist, hat die Polizei hier mit einem sehr hohen Aufwand ermittelt"

    Gleichzeitig steigt die Gewaltkriminalität in Brandenburg nach 2015 deutlich an. "Mit Sorge verfolge er hingegen die Entwicklungen im Bereich der Gewaltkriminalität, sagte Schröter. Unter Gewaltkriminalität versteht die Polizei Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie einige weitere Delikte. Hier besteht in Brandenburg seit 2016 eine ungünstige Entwicklung."

    Quelle: Innenministerium Brandenburg: https://mik.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.590626.de

    Man muß eben Prioritäten setzen.

  2. 6.

    Der Held/die Heldin ist anonym (weil feige), wie also in welcher Form mit welchen Argumenten bekehren? Ja, stimmt schon, er/sie muss nicht psychisch gestört sein. Kann auch sein, dass er/sie einfach nur von Grund auf bösartig und grausam ist. War ein voreiliger Schluß von mir, da haben Sie Recht ;-)

  3. 5.

    Hallo Corinna, was sind denn Ihrer Meinung nach diese Täter? Meines Erachtens hat sich Störenfrieda schon sehr zutreffend ausgedrückt, nur eben nicht so verbal und unter der Gürtellinie wie ich es für angebracht halte. Leider verbietet es hier die Netiquette all die Begriffe zu solch Vollpfosten aufzuzählen, um nur ein Wort zu verwenden. Ansonsten stimme ich besonders Ihren letzten Absatz in vollem Unfang zu.

  4. 4.

    Störenfrieda macht es sich ein wenig zu einfach, die Täter als arme kranke Seelen, die mit ihrem Leben nicht klarkämen, zu bezeichnen.

    Wichtiger wäre es, zu solchen Leuten nicht Fronten aufzubauen, sondern sie auf durch Überzeugung auf die richtige Seite zu ziehen.

    Ich finde es toll, dass die Familie sich nicht unterkriegen lässt und auf die Unterstützung der Nachbarn verlassen kann. Diese Familie ist halt integriert und stellt sich nicht selbst abseits unserer Kultur und Werte.

  5. 3.

    @ Störenfrieda
    ... >So eine starke und positive Familie< ...

    Sie kennen die Familie persönlich?
    Dann richten Sie Ihre doch bitte von mir auch aus, dass ich derartiges verabscheue.

  6. 2.

    Den "Aufwand" der Polizei in allen ehren, aber dieser Staatsanwalt Scherding hat entweder nicht begriffen worum es dem Täter/ den Tätern ging, oder er versucht den Vorfall bewusst herunterzuspielen. Ein aufgespiesster Schweinskopf vor dem Haus einer muslimischen Familie ist nicht nur eine blosse Beleidigung, sondern wohl eine Todesdrohung. Aufgespiesster Kopf? In aller Öffentlichkeit? Klingels jetzt? Verbunden mit der Botschaft: "Wir können hier jederzeit unbemerkt aus dem nichts auftachen, Köpfe unserer Wahl aufspiessen, und unbemerkt wieder verschwinden." Es soll Schrecken und ein permanentes Unwohlsein vermittelt werden. Ob die das wirklich machen werden ist eine andere Frage. Nach dem NSU kann man sich den Luxus, die Rechten zu unterschätzen allerdings nicht mehr leisten.

  7. 1.

    Natürlich kann die Familie das nicht vergessen. Widerlich genug, das mit dem verbrannten Tierkopf. Noch schlimmer ist aber das, was dahinter steckt. Verachtung, Hass und Sadismus. So eine starke und positive Familie wird das aber verkraften. Die arme, kranke Seele, die das getan hat, braucht hingegen dringend Hilfe und scheint nicht im Leben klar zu kommen.

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