Stiftung Barka holt polnische Obdachlose aus Berlin zurück
Audio: Antenne Brandenburg | 13.12.2018 | Agata Horbacz | Bild: rbb/Agata Horbacz

Polnisches Sozialprojekt - Warum Berliner Obdachlose in ein kleines polnisches Dorf ziehen

Eine Stiftung sucht in Berlin nach polnischen Obdachlosen, um sie zurück in die Heimat zu bringen. In einem kleinen Dorf können sie ihr Leben neu regeln - mit Heim und Arbeit. Zwei ehemalige Obdachlose erzählen ihre Geschichte. Von Agata Horbacz

In Berlin leben Tausende Menschen auf der Straße - viele von ihnen stammen aus Polen. Und die will die polnische Hilfsorganisation Barka zurück in die Heimat holen. In einem kleinen Dorf wollen sie den Wohnungslosen die Chance auf ein neues Leben geben.

Chudobczyce in der Wojedwodschaft Großpolen liegt 70 Kilometer vor Poznań. Vor über 20 Jahren hat in dem Dorf die Hilfsorganisation Barka eine Unterkunft für Obdachlose eingerichtet.

Auf einer Fläche von über 400 Hektar befinden sich dort unter anderem zwei Wohnblöcke, eine Gastwirtschaft, ein Bauernhof und ein Bioanbau sowie eine Art Klubhaus,  in dem ein Fernseher, Billardtisch und Bücher zu finden sind.

Heute leben auf dem Gelände fast 60 Menschen. Vor allem Männer, aber auch drei Familien haben ihr Zuhause in Chudobczyce gefunden.

Polnische Obdachlose in Berlin (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Marek Kania hat den Absprung geschafft

Marek Kania gehört zu denen, die von Anfang an in Chudobczyce wohnen. Alkohol, Raubüberfälle und Haft waren sein Alltag. Vor 21 Jahren dann schaffte er den Ausstieg und kam nach Chudobczyce - und blieb. Aktuell kümmert er sich vor Ort um die Koordination der Stiftung.

Bei den Dorfbewohnern kam das Projekt anfänglich gar nicht gut an. "Viele hatten einfach Angst vor uns. Sie sahen uns nur als Alkoholiker und Verbrecher", sagt Marek Kania. Mittlerweile laufe es besser. "Es ist ein kleines, armes Dorf, die Bewohner brauchen auch unsere Hilfe."

Aggressive Stimmung unter Obdachlosen

Miroslaw Ozga wohnt erst seit vier Wochen im Dorf. Davor war er vier Jahre in Berlin. Drei Monate hat der dort gearbeitet, die meiste Zeit war er obdachlos. "Ich fand das nicht schlimm und wollte auch nicht zurück nach Polen, weil ich dort niemanden hatte", sagt er.

Außerdem gebe es in Berlin genügend Unterkünfte, in denen Obdachlose schlafen und essen können. Doch irgendwann habe es immer mehr Wohnungslose gegeben und die Stimmung habe sich verändert. "Viele waren aggressiv und dann wollte ich dort nicht mehr leben", sagt Miroslaw Ozga.

Zurück nach Polen fand Miroslav Ozga über polnische Sozialarbeiter der Stiftung Barka. 

Medizinische und psychologische Hilfe

Die Stiftung Barka bietet medizinische und psychologische Hilfe für ihre Bewohner. Die müssen sich aber auch an klare Regeln halten: Kein Alkohol, keine Gewalt und jeder muss arbeiten.

Miroslaw Ozga ist verantwortlich für die Heizung. Auch Marek Kania hatte anfänglich solche Aufgaben. Jetzt betreut er Menschen wie Miroslaw Ozga und hilft, dass sie nicht mehr auf der Straße leben müssen.

Chudobczyce sei mittlerweile sein Zuhause. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich wieder auf der Straße lebe, schmutzig, hungrig und ich irgendwo schlafe. Chudobczyce heißt für mich Zuhause und Familie", sagt Marek Kania.

Stiftung Barka holt polnische Obdachlose zurück
Bild: rbb/Agata Horbacz

Stiftung wurde vor 20 Jahren gegründet

Für Miroslaw Ozga hingegen ist noch nicht klar, ob Chudobczyce sein neues Zuhause wird. "Mal schauen, was die Zukunft bringt."

Die Stiftung Barka wurde Ende 80er in Posen gegründet. Seit 90er Jahren ist sie auch im Ausland tätig. Jetzt auch in Berlin.

Beitrag von Agata Horbacz

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Bitte auch berichten, wie die Stiftung sich finanziert. M.E. finanziert sie sich ausschließlich aus staatlichen Zuschüssen und europäischen Fördermitteln.

  2. 2.

    Diese Initiative verbreitet einen guten Eindruck. Weiterhin viel Erfolg!

  3. 1.

    Sehr vorbildlich und ehrenwert. Bitte auch weiter darüber informieren.

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