ILLUSTRATION/ARCHIV: 25.02.2014, Baden-Württemberg, Oberhomberg: Drei Mütter schieben ihre Kinderwagen eine Landstraße entlang.
Audio: Antenne Brandenburg | 28.12.2018 | Bettina Malter | Bild: dpa

Interview | Manfred Pollnow über Kindergeld - "Leistungsmissbrauch ist nichts Neues"

Die Zahl der Kindergeldbezieher in Berlin und Brandenburg hat in diesem Jahr einen neuen Rekord erreicht. Vor allem die Zahlungen an Kinder ins Ausland sind gestiegen. Einen organisierten Missbrauch beobachten Experten jedoch bei Familien in Deutschland.

rbb: In Brandenburg bekommen knapp 400.000 Jungen und Mädchen Kindergeld - so viele wie noch nie. Manfred Pollnow ist seit drei Jahren Leiter der Familienkasse in Berlin-Brandenburg. Herr Pollnow, was ist der Grund für diesen Anstieg?

Manfred Pollnow: Das liegt vor allem daran, dass wir eine bedeutende Arbeitsmigration haben aus EU-Staaten. Wir haben aber auch Regionen, gerade im Umland von Berlin, wo die Geburtenrate wieder angestiegen ist. Ein weiterer Punkt ist, dass es in den vergangenen Jahren mehr Anerkennungen von Flüchtlingen gab.

Es wird auch immer mehr Kindergeld an ausländische Bürger gezahlt. Und in den vergangenen Monaten wurde deshalb immer der Vorwurf des Leistungsmissbrauchs laut. Wer betrügt denn in Brandenburg? Oder anders herum, wer tut das nicht?

Bei Kindergeldberechtigten aus EU-Staaten, die bei uns arbeiten, deren Kinder jedoch im Heimatland sind, ist mir kein Missbrauch bekannt. Missbrauch passiert bei ganzen Familien, die nach Deutschland einreisen und nicht nur Kindergeld, sondern auch andere Sozialleistungen beantragen. Sie erschleichen sich die Sozialleistungen mit gefälschten Unterlagen.

Bundesweit soll jetzt eine sogenannte Task Force eingeführt werden, die Leistungsmissbräuche aufklärt. Warum jetzt?

Leistungsmissbrauch sind wir schon immer nachgegangen. Das heißt, das ist nichts Neues. Jetzt haben wir aber bundesweit festgestellt, dass es den ein oder anderen organisierten Missbrauch gibt. Es lässt sich zum Beispiel feststellen, dass wenn Menschen vorsprechen, dass da Betreuer oder Dolmetscher mitkommen. Und das sind häufig die Gleichen. Da besteht der Verdacht, dass es teilweise auch organisiert ist. Ein Thema, das wir in Brandenburg aber noch nicht festgestellt haben. In Berlin sind wir dabei, das gerade zu untersuchen.

Das Interview führte Bettina Malter

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1 Kommentar

  1. 1.

    Eine bundesweite Task-Force bei Länderangelegenheiten? Irgendwie zweifelhaft.

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