Bild: rbb/Angelika Fey

Provisorium in Frankfurt (Oder) - Circus Henry sucht verzweifelt Winterquartier

Schon seit Wochen ist Zirkusdirektor Georg Frank auf der Suche nach einem Winterquartier für seine vierzig Tiere. Der derzeitige Platz in Frankfurt (Oder) ist nur ein Provisorium. Außerdem wird das Futter immer knapper. Von Angelika Fey  

Direktor Georg Frank und sein Circus Henry sind gleich doppelt in einer Notlage: Dringend benötigt der Zirkus eine trockene Halle als Winterquartier für seine Kamele, Pferde, Ziegen und Lamas. Hinzu kommt: Wegen des heißen Sommers sind Heu und andere Futtermittel kaum noch zu bekommen.

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Gesucht wird eine trockene Halle für sechs Wochen

Seit Anfang Dezember verzweifelt der 71 Jahre alte Georg Frank immer mehr. Überall habe er schon nach einem Quartier gefragt, sei 50 Kilometer in jede Himmelrichtung von Frankfurt (Oder) aus gefahren. Für seine Tiere ideal wäre eine leerstehende Halle, zum Beispiel auf einem Fabrikgelände, sagt er. Aber bisher gebe es nur Absagen: "Entweder war es schon verkauft oder es soll abgerissen werden. Oder man wollte nicht."

Dabei benötige er die Unterkunft nur für sechs Wochen, bis Anfang März die Saison wieder beginnt. Miete und Kaution würde er im Voraus zahlen, sagt Georg Frank. "Wir wollen nichts schuldig bleiben", betont er.

Weihnachten in Frankfurt (Oder) gestrandet

Für die Vorstellungen um Weihnachten herum hatte der Zirkus seine Zelte auf dem Platz vor einem Einkaufszentrum in Frankfurt (Oder) aufgebaut. Doch nun müssten sie eigentlich weg, in eine stabilere Unterkunft, sagt der Zirkusdirektor. Er befürchtet, dass die Zelte einbrechen, falls doch mehr Schnee kommt. Außerdem müssten auch Reparaturarbeiten an den Zeltplanen gemacht werden. Viele Jahre konnte sich der Circus Henry in einer Halle in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) einmieten, aber diese sei nun verkauft, so Frank.

Die Tiere wirken derweil entspannt, trotz des Provisoriums zwischen Einkaufszentrum und Tankstelle. Am Vormittag buckelt die Kamelherde über den kleinen Auslauf. Der schwarze Showhengst Artus kaut im Paddock daneben Möhren und auch drinnen im Stallzelt scheinen die Pferde und Lamas zufrieden zu sein. Elefanten oder Raubtiere hält der Zirkus schon seit Jahren nicht mehr.

Bild: rbb/Angelika Fey

Tiere entspannt, aber ist die Zirkusfamilie ist gestresst: Von der Suche nach Heu

Gestresst sind dagegen die menschlichen Zirkusmitglieder. Der Circus Henry ist ein reines Familienunternehmen, in siebter Generation, wie Georg Frank erzählt. Doch an diesem Morgen sind alle ausgeschwärmt: "Meine Frau, meine Tochter und die Söhne sind alle unterwegs auf der Suche nach Heu". Denn nach dem trockenen Sommer ist Futter kaum noch zu bekommen.

Gerne nehme er Restbestände an Heuballen, sagt Frank. "Das kann auch fünf, sechs Jahre alt sein. Hauptsache trocken gelagert". Seine Kamele, Lamas und Ponies seien ja keine Hochleistungsmilchkühe und könnten auch nährstoffärmeres Futter gut vertragen, so der Zirkusdirektor. 

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.01.2018

Beitrag von Angelika Fey

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Hier kann ich Ihnen nur Zustimmen. Vor allem dort wo Tiere im Zirkus als Anziehungsmagnet genutzt werden. Schade für die Kinder, denn die sehen es mit ganz anderen Augen.

  2. 4.

    "Da sollten wir uns lieber selbst alle an die Nase fassen und unsere und unseren billig Fleischkonsum ansehen wo Millionen von Tieren leiden, aber schön das sieht man ja nicht ist ja weit genug weg..... "

    Natürlich haben Sie da vollkommen Recht!
    Deshalb meine Forderung für folgende Lebensmittelkennzeichnung:

    Eins und zwei und drei und vier,
    nur vegan schützt Klima, Mensch und Tier!

    Was das Leiden von Wildtieren in Zirkussen angeht: Nur weil die nicht von morgens bis abends rum brüllen (da haben Sie Recht, in den Schlachthöfen sieht das ganz anders aus - denn tatsächlich: Fleisch ist ein Stück Todeskampf)und sich an solch verrücktes Treiben um sie herum und mit ihnen so gewöhnt haben, dass sie sich nicht mehr dagegen wehren ist doch aber keinerlei Beleg dafür, dass sich die Tiere in dieser Gefangenschaft "wohl" fühlen und artgerecht gehalten werden, oder? Das können Sie doch nicht im Ernst annehmen.

    Mit welchem Recht nehmen und halten wir diese Tiere gefangen?

  3. 3.

    Ja ja wieder mal die bösen Zirkusleute die ihre Tiere angeblich ach so schlecht behandeln, ich kanns echt nicht mehr hören wie die Leute das jedesmal hoch kochen und so tun als wäre das das schlimmste der Welt. Dabei leben diese Leute mit ihren Tieren und denke mal das sie alles notwendig tun das es ihnen gut geht den sie sind Teil ihrer Familie und Welt.
    Da sollten wir uns lieber selbst alle an die Nase fassen und unsere und unseren billig Fleischkonsum ansehen wo Millionen von Tieren leiden, aber schön das sieht man ja nicht ist ja weit genug weg.....

  4. 2.

    Wer sagt das ihnen Leid und Schmerzen zu geführt werden? Haben Sie es gesehen? Glaube nicht das die ihre Tiere quälen.....das ist doch ihr Kapital.....würden für viel Geld angeschafft ....wäre doch blöd .....müssen ja sonst sich gleich wieder neue kaufen und in Geld schwimmen die bestimmt nicht.....

  5. 1.

    Seit wann haben Wildtiere was im Zirkus zu suchen?
    Haltungserlaubnis entziehen und diesem Treiben endlich ein Ende machen.

    Laut Grundgesetz darf Tieren nur "ausnahmsweise" und aus "vernünftigen Grund" Leid und Schmerzen zugefügt werden. Ist Belustigung des meist unwissenden Publikums mit "Kunststücken" die die Tiere niemals von sich aus vorführen würden irgendwie artgerecht?
    Oder sind das Ausnahmen wenn die Tiere Abend für Abend den selben Mist reproduzieren solen? Nö, das ist Dauertiermissbrauch zur völlig sinnfreien Belustigung -- also definitiv keineswegs ein "vernünftiger Grund" im Sinne des Gesetzes!

    Gerne sollen Zirkusse Kunststücke vorführen, die die Menschen selbst ausführen, macht das, und Ihr bekommt auch von mir jede Unterstützung! Zirkus Roncalli ist ein solches Beispiel, wie es geht!

    Aber lasst endlich die Tiere in Ruhe!

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