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Audio: Antenne Brandenburg | 3.01.2019 | Autor: Phil Beng | Bild: colourbox

Wachsende Population führt zu Problemen - Brandenburger Jäger wollen mehr Waschbären erlegen

Waschbären sehen putzig aus, können Brutvögeln aber schaden, weil sie deren Eier stehlen und fressen. Auch in Ostbrandenburg sind sie stark verbreitet. Der Deutsche Jagdverband will die Tiere deshalb stärker bejagen, auch mit Fallen. Das bringt Kritik. Von Phil Beng

Dunkle Maske, weiches Fell: Waschbären sind putzig anzusehen. Doch sie werden deutschlandweit – auch in Ostbrandenburg – zu einer wachsenden Plage. Dagegen will der Deutsche Jagdverband (DJV) vorgehen und fordert, Wildfallen aufzustellen. Schon bisher werden Jahr für Jahr immer mehr Waschbären erlegt. In Brandenburg waren es im vergangenen Jagdjahr mehr als 35.000 Tiere, 5.000 allein im Barnim.

Auch im Stadtgebiet Frankfurt (Oder) steigt die Zahl der getöteten Tiere, berichtet der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Falk Höna: "Die Entnahmequote pegelt sich hier bei 150 bis 250 Waschbären pro Jagdjahr ein. Und da ist noch nicht mal eine extreme Fangjagd dabei."  

Gefährlich für Singvögel

Problematisch sind die Waschbären nicht nur, weil sie Schäden an Häusern verursachen. Da die einst aus Nordamerika eingeschleppten Tiere in Mitteleuropa kaum natürliche Feinde haben, können sie sich schnell vermehren. Die wachsende Population braucht immer mehr Futter: Mit Vorliebe plündern Waschbären dafür die Nester von Singvögeln.

Es sei also auch im Sinne des Artenschutzes, den Waschbärenbestand im Zaum zu halten, sagt der Kreisjagdverbandsvorsitzender Höna. "Es geht darum, ein Gleichgewicht herzustellen, zwischen Beutetieren und Waschbären", erklärt der Jäger. "Allen die Möglichkeit zu geben, sich auf normalem Niveau zu reproduzieren. Mehr ist das nicht."  

Wissenschaftlerin kritisiert Jagdpläne

Doch längst nicht alle stimmen einer Ausweitung der Waschbärjagd zu. Der Naturschutzbund erinnert daran, dass Waschbärfallen auch für andere Tierarten gefährlich werden können, etwa den seltenen Iltis. Auch Berit Michler von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde ist nicht begeistert von den Vorstößen des Jagdverbandes.

"Eine Bejagung, wie sie vom DJV jetzt gefordert wird, macht aus wissenschaftlicher Sicht wenig Sinn", sagt die Biologin, die lange an Waschbären geforscht hat. Die Tiere seien sehr anpassungsfähig: Je mehr sie bejagt würden, umso schneller vermehrten sie sich. "Bisher hat die Jagd den Waschbär nicht zurückgedrängt. Und wo er gute Lebensbedingungen findet, wird er sich auch weiter ausbreiten."  

Besonders viele Waschbären im Barnim

Waschbären leben seit knapp 90 Jahren in Deutschland. Zunächst wurden sie zur Pelzzucht importiert. In Hessen wurde ein Pärchen 1934 ausgewildert. Auch in Brandenburg entkamen Ende des 2. Weltkriegs Waschbären von einem Pelztierzüchter in Wolfshagen (Märkisch-Oderland), nachdem Bomben seinen Garten getroffen hatten.

Manche Regionen, etwa Teile des Barnims, gelten bei den Forschern inzwischen als "waschbär-gesättigt". Hier wachsen die Populationen kaum mehr. Andere Gebiete aber werden erst langsam von den Tieren erobert.  

Beitrag von Phil Beng

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    In einem gebe ich Ihnen recht, nicht jeder hier, mich einbezogen ist ein Fachmann auf diesem Gebiet. Aber seien wir mal ehrlich, wollen Sie jedes fremdartige Tier, was in unseren Wäldern sich wohlfühlt aber im Normalfall hier nicht hergehört einfach so schalten und walten lassen wies beliebt? Wildschweine vermehren sich rasant, ebenso die Waschbären. Im übrigen darf auch ein „Hobbyjäger“ nicht einfach so herumspazieren um Wildtiere zu töten.

  2. 17.

    Mal zum Nachdenken für die alles-muss-raus-was-nicht-hergehört-befürworter...Störche nehmen Nester von Bodenbrütern aus, ebenso Kraniche...nur weil der Waschbär auf dem Baum schläft, heißt es er plündert Nester...der Mensch mit seiner Giftspritze auf den Äckern verursacht weit mehr Schaden, z.b. insektensterben...die Argumentation dass der Waschbär aus Naturschutzgründen dezimiert gehört, kann widerlegt werden...dann dürfte es viele andere Tierarten auch nicht geben...die Negativ-Kommentare die ich hier lese stammen von Leuten die sich mit Sicherheit in ihrem ganzen Leben nicht mit der Thematik Wildtier/Wildvogel auseinandergesetzt haben...Hausgemachte Hetze von Hobbyjägern, die abschiessen wollen was sich bewegt, sei es Waschbär, Fuchs, Marder oder Wildschwein, ohne jeglichen Sinn...und der dumme Städter der Tiere nur aus dem Zoo kennt springt auf den Zug auf...jedes Tier hat seinen Sinn und Zweck...Der Mensch hat seine Daseinsberechtigung schon lange verloren...

  3. 16.

    Schmecken die überhaupt? Dann doch lieber ein gutgemachtes typisches Berliner Eisbein;-)

  4. 14.

    Habe ich von ALLES RAUS geschrieben was nicht hierher gehört? Bleiben Sie doch einfach bei der Tatsache, diese Waschbären gehören nicht in unsere einheimischen Wälder. Zudem sind Sie zu Plagegeistern geworden. Das ist Fakt. Mir fällt dabei sofort die Kaninchenplage in Australien ein. Die gehören dort ebensowenig hin und werden gejagt und vernichtet. Obendrein vernichtet sogar Südaustralien Bäume ( Weiden z.B. )und Pflanzenarten, die dort nicht heimisch sind. Das ich für die Verarbeitung des Waschbärfells bin, ist doch nur natürlich. Obwohl ich mir niemals echtes Fell kaufen würde. Aber vielleicht sorgen ja auch unsere Wölfe für einen gerechten Ausgleich dieser auswuchernden Population.

  5. 13.

    @Akazuki : Genau. Sie müssen nicht von sich auf die Waschbären schließen.

  6. 11.

    Soweit mir bekannt ist, sorgen Leute vom Tierschutz schon dafür, das wilde Katzen gefangen und kastriert werden. Aber ja, Katzen sind auch eine Bedrohung der einheimischen Vögel.

  7. 10.

    Schon bevor der Waschbär da war, ging die Population von Vögeln zurück, durch wie gesagt Katzen und Vernichtung von Lebensraum. Jetzt alles auf den Waschbären zu schieben ist etwas unseriös.
    D.h. wenn die Waschbärenpopulation verringert werden soll, dann auch die Katzenpopulation.
    Gerade lief ein schöner Dokumetarfilm über Singvögel auf Arte. Wiederholung am Montag 7.1.2019 um 11:30 Uhr "Singvögel in Not". Ich hoffe er wird in der Mediathek dann verfügbar sein.

  8. 9.

    Stimme Ihnen voll zu. Diese nichteinheimischen Tiere sind gefälligst zu entfernen. Ohne wenn und aber. Waschbärfell eignet sich gut als Mütze für den Winter.

  9. 8.

    Wir sind seit 2 Jahren hier auf dem Lande heimisch und ich kann mich meinem Vorredner Harry nur anschließen. Wir haben zwischenzeitlich an allen Bäumen Nistkästen zu hängen, aber auch hier schlagen die Waschbären zu.
    Lediglich die Spatzen sind noch in ausreichender Zahl da, alle anderen Vogelarten sind rückläufig.
    Besonders die Amseln, die bekanntlich in Bodennähe brüten, werden immer weniger.
    Die Argumentation von Frau Berit Michler ist für mich nicht nachvollziehbar. Sollen wir den Dingen ihren Lauf lassen und die Zerstörung der heimischen Vogelwelt einfach hinnehmen? Lebendfallen werden regelmäßig kontrolliert genau um die heimischen Arten zu schützen.
    Es wäre längst überfällig mit dem klaren Verstand zu argumentieren und entsprechend zu handeln.
    Das anhaltende Toleranzgerede in allen Lebenslagen bringt niemanden weiter.

  10. 7.

    Am kleinen Stienitzsee in Hennickendorf gibt's seit Jahren kaum noch Nachwuchs von Stockenten und Blesshühnern.
    Die Waschbären jagen auch in Rudeln und haben nun bereits im 3.Jahr die Brut der Schwäne gekillt.
    Meine Laufenten tötet er, wenn sie auf den Nestern sitzend Ihre Brut nicht verlassen wollen. Letztens hat ein Rudel von 3 Waschbären auch noch den Hahn gekillt, der sich tapfer verteidigen wollte, doch bei der Überzahl hat er keine Chance gehabt.
    Die einzigen Vögel die übrig bleiben sind die, die ihre Eier in Nistkästen bringen. Alle anderen normalen Nester werden geplündert.
    Es wird höchste Zeit, das hier etwas unternommen wird. Natürliche Feinde hat er nicht.

  11. 6.

    Det is doch klar: wofür sollte man sein Geld sonst ausgeben, wenn nicht für Katzenfutter und Katzenspielzeuge?

  12. 5.

    Die Waschbären sind wie bekannt nicht unsere heimischen Wildtiere ! Also bin ich für eine Dezimierung dieser Plagegeister.

  13. 4.

    Warum darf man als Jäger eigentlich keine Katzen bejagen?

  14. 3.

    1. Die Waschbären werden in Lebendfallen gefangen, d.h. Haustiere oder geschützte Arten können bei der Fallenkontrolle herausgelassen werden.
    2. natürlich hätte es einen signifikanten Einfluss auf die Population, wenn der Waschbär vor allem in bewohntem Gebiet intensiv bejagt werden würde und ihm anschließend die Rückzugsmöglichkeiten verschlossen werden. Das wäre aber ein fast nicht zu leistender Aufwand (von den Kosten für den Privatjäger abgesehen)
    3. Herr Bär: Sie haben von Jagd wahrscheinlich überhaupt keine Ahnung, können sich daher Ihren überflüssigen Kommentar klemmen ;-)

  15. 2.

    Bleiben mehr Vögel für meine Katze.

  16. 1.

    Ich finde, es wird Zeit, dass das Jagdwesen komplett den Förstern vorbehalten wird. Langsam nerven die privaten Jäger. Von mir aus lieber Geld in die Hand nehmen und mehr Förster einstellen. Jobs werden eh benötigt. Das Jagdwesen gehört reformiert. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

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