#MeToo-Demonstration am 8. März 2018 in Danzig (Bild: imago/Michal Fludra)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.03.2019 | Autor: Michel Nowak | Bild: imago/Michal Fludra

Kriminalstatistik - Zahl der sexuellen Übergriffe in Ostbrandenburg gestiegen

Die Zahl der Sexualstraftaten in Ostbrandenburg ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Knapp 600 Fälle hat die Polizei registriert, das sind rund 40 Prozent mehr als 2017. Neun von zehn Fällen wurden aufgeklärt.Von Michel Nowak

"Jeder Fall ist einer zu viel", sagt Stefan Möhwald, Sprecher der Polizeidirektion Ost, und bezieht sich auf die aktuellen Zahlen zur Kriminalstatistik 2018. Denn die Zahl der sexuellen Übergriffe in Ostbrandenburg ist drastisch gestiegen. 591 Fälle weist die Kriminalstatistik für 2018 aus. Ein Jahr zuvor waren es 421 Fälle. Allerdings sei auch die Bereitschaft von Frauen, sexuelle Belästigung anzuzeigen, deutlich höher als früher. "Vor dem Hintergrund von derzeitigen gesellschaftlichen Debatten wie zum Beispiel #MeToo finden Frauen schneller den Weg zur Polizei", sagt Möhwald. "Sie sagen ''Nein heißt bei mir Nein' und wenn dann ein Übergriff erfolgt, zeigen sie ihn auch an."

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft gibt es noch eine weitere Begründung für die gestiegenen Zahlen. Nach einer Gesetzesreform von 2016 zählen heute zu den sexuellen Übergriffen auch einige Taten, die früher unter Beleidigungen fielen. Im Osten Brandenburgs macht das im Jahr 2018 allein ein Plus von rund 100 Fällen gegenüber dem Vorjahr aus.

Junge Männer als Täter

Knapp ein Fünftel der Tatverdächtigen ist nichtdeutscher Herkunft. Damit kann laut Staatsanwaltschaft und Polizei ein EU-Bürger aus beispielsweise den Niederlanden genauso gemeint sein wie ein Flüchtling aus beispielsweise Syrien. Staatsanwältin Ricarda Böhme weist auf einen anderen Zusammenhang hin: In einer Gruppe mit vielen jungen Männern sei das sogenannte "Strafbarkeitspotenzial" generell höher als in anderen Gruppen – egal welcher Nationalität sie angehörten.

Die Behörden versuchen, auch vorbeugend vorzugehen. Lothar Wiegand, Sprecher im Brandenburger Innenministerium sagt, dass beispielsweise in der Erstaufnahme-Einrichtung in Eisenhüttenstadt sehr genau darauf hingewiesen werde, wie sich der Einzelne in Deutschland zu verhalten habe.

Hohe Aufklärungsquote

Fast neun von zehn Fällen werden durch die Polizei aufgeklärt. Das hänge damit zusammen, dass viele Betroffene in einem persönlichen Verhältnis zu den Tätern stehen, sagt Möhwald und fügt hinzu: "Das ist in erster Linie den Frauen zu verdanken. Oft sind die Hinweise so gut, dass unsere Kollegen sofort zugreifen können".

Einige Kommunen versuchen, Betroffenen zu helfen. Die Stadt Frankfurt(Oder) verweist auf ihre Opferberatungsstelle. Am Ende kann jede und jeder Betroffene nur ermutigt werden, Übergriffe auch tatsächlich anzuzeigen.  

Beitrag von Michel Nowak

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6 Kommentare

  1. 6.

    Wir beziehen uns bei der Berichterstattung auf die Zahlen der Brandenburger Polizei. Fakt ist, dass die Fallzahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Berichtszeitraum um rund 40 Prozent zugenommen hat. Dies spiegelt auch die Überschrift. Sie gibt - sicher zugespitzt – diese Zahl wider. Damit soll sie durchaus Aufmerksamkeit erregen. Sie ist aus unserer Sicht aber nicht irreführend. Im Text versuchen wir, genauer aufzuschlüsseln wie es zu dieser Zunahme an Fallzahlen gekommen ist. Die Auslegung von Statistiken lässt dabei - so wie von Ihnen richtig angemerkt - häufig einen Spielraum zu. Wir haben uns bei diesem Thema eng an die Interpretation der Polizei gehalten.

  2. 4.

    Ein Fünftel der Täter ist nichtdeutschen Herkunft,sie werden in Erstaufnahmeeinrichtungen aufgeklärt.Aha„Die Ausländer“ bekommen eine Aufklärung,die anderen wissen wie es geht,scheissen aber drauf.Wer klärt die denn eigentlich auf?

  3. 3.

    Schon klar. "Ein EU-Bürger aus den Niederlanden". Und im nächsten Absatz dann "dass beispielsweise in der Erstaufnahme-Einrichtung in Eisenhüttenstadt sehr genau darauf hingewiesen werde, wie sich der Einzelne in Deutschland zu verhalten habe". Scheint ja nicht so richtig erfolgreich zu sein.

  4. 2.

    "Knapp ein Fünftel" Der Ausländeranteil in Brandenburg beträgt aber nicht 20% sondern 3,6 %. Diese Bevölkerungsgruppe ist also bei diesen Straftaten fünffach überrepräsentiert.

    https://www.laenderdaten.de/europa/deutschland/bundeslaender/auslaenderanteil.aspx

    "kann ... ein EU-Bürger aus beispielsweise den Niederlanden genauso gemeint sein"

    Das ist eher unwahrscheinlich. Niederländer tauchen unter den 10 größten in D. lebenden Ausländergruppen gar nicht auf.

    "deutlich erhöhe Anzeige Bereitschaft" und 100 Fälle auf Gesetzesänderung zurückzuführen - hier werden also Äpfel mit Birnen verglichen, und die Überschrift entpuppt sich damit als vorsätzliche Falschmeldung.

  5. 1.

    Die Überschrift ist vorsätzlich irreführend. Wenn aufgrund "deutlich erhöhter" Anzeigebereitschaft mehr Übergriffe angezeigt werden, ist nicht die Zahl der Übergriffe sondern die Zahl der Anzeigen gestiegen. Gleiches gilt für die Gesetzesänderung von 2016, wonach Tatbestände, die vorher als Beleidigung galten, jetzt als sexueller Übergriff gelten. Wenn es sich dabei um 100 Fälle handelt, bleibt eine Rest von 70 Fällen (12%), die offenbar der "deutlich höheren" Anzeigebereitschaft zuzuordnen sind. Es ist also nicht auszuschließen, daß unter Berücksichtigung dieser Faktoren die tatsächliche Zahl der Übergriffe sogar gesunken ist. Daraus läßt sich jedoch schwer eine reißerische Schlagzeile basteln.

    Ich habe früher mal geglaubt, bei den Ö.R. gäbe es gewisse journalistische Standards. Und bevor hier mal wieder jemand vorwitzig dazwischenplappert: Ich relativiere oder verharmlose ausdrücklich nicht sexuelle Übergriffe. Ich kritisiere aber sensationsheischende Berichterstattung.

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