sandige Erdlöcher mit Arbeitern darin, Absperrbänder und Bagger hinten links bei blauem Himmel
Video: Brandenburg Aktuell | 16.04.2019 | Peter Huth | Bild: rbb/Katja Geulen

Tausend Jahre altes Grab entdeckt - Archäologen machen sensationellen Fund bei Prenzlau

In der Nähe von Prenzlau haben Archäologen einen sensationellen Fund ausgegraben. In einer 1000 Jahre alten Slawen-Siedlung entdeckten sie die Überreste eines Mannes, der mit einem Pferd und einem Kind begraben wurde. Nun entsteht hier ein Windpark. Von Katja Geulen

Mitten auf dem Acker bei Falkenwalde, nordöstlich des Autobahnkreuz Uckermark, liegt die neue Ausgrabungsstelle. In dieser Gegend sind bereits elf slawische Siedlungen aus dem 11. bis 12. Jahrhundert bekannt. Die neue Siedlung war anscheinend nur ein kleiner Ableger der sechs Kilometer entfernten Siedlung in Drense. Nur vier bis fünf Häuser standen hier, wo die Knochen eines Mannes, eines Kindes und eines Pferdes gemeinsam in einer Grube entdeckt worden sind. Intern nennen die Archäologen diesen Fund daher nur den "Erlkönig" - nach der bekannten Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, verrät der Archäologe Holger Schmitt.

Archäologe Holger Schmitt steht vor einem halb abgedeckten Ausgrabungsloch
Archäologe Holger Schmitt | Bild: rbb/Katja Geulen

Mann, Kind und Pferd geben Rätsel auf

So ein Fund sei außergewöhlich, denn die Gruben in den Siedlungen wurden vorrangig als Vorratskammern oder zur Abfallentsorung genutzt. Daher scheint ein Begräbnis in einer solchen Grube ungewöhnlich. Warum hier ein Mann, ein Kind und ein Pferd gemeinsam liegen, auch dafür hat der Archäologe bisher keine Erklärung. Spuren von Gewaltanwendung gebe es nicht und das Pferd sei auch erst ein bis zwei Jahre alt gewesen, so Schmitt.

Einen ähnlichen Fund aus der selben Zeit hat es allerdings schon in Sachsen-Anhalt gegeben. Auch hier waren ein Mann, ein Kind und ein Pferd gemeinsam begraben worden. Daher wird spekuliert, dass das Pferd einen Begleiter ins Jenseits symbolisiert. "Das Pferd spielte im Leben der Slawen allgemein eine Rolle", sagt Schmitt. Genetische Untersuchungen der Knochen könnten zumindest klären, ob Mann und Kind verwandt waren und woran sie gestorben sind.

Foto der "Erlkönig"-Knochen mit Skizzen der Archäologen
Bearbeitete Fotografie der "Erlkönig"-Knochen mit Skizzen der Archäologen | Bild: rbb/Katja Geulen

Handarbeit mit Spachtel und Holzstab

Der Grabungstechniker Mario Kraft aus Angermünde hat beim Freilegen der Knochen aus dem lehmigen Boden geholfen. Das ist eine mühselige Handarbeit mit einem Spachtel oder einem Holzstab. "Dabei sucht man sich einen Knochenteil und geht langsam und sicher mit dem Werkzeug am Rand entlang, damit es keine Kratzer gibt", beschreibt Kraft seine Arbeit. Der Uckermärker ist fasziniert davon, was in seiner Heimat unter Weizen und Raps zu finden ist. "Das ist sehr interessant, weil man sich ausmalt, wie sie mal gelebt haben. Auch wenn man es sich nicht so richtig vorstellen kann", sagt er. Dieses Grab sei das beste Beispiel für die Fragen: "Wieso? Weshalb? Warum?", meint Kraft.

Vielleicht finden die Forscher noch mehr heraus, denn die Knochen und die weiteren Funde, wie Keramik und Knochenkämme, werden jetzt gesäubert, katalogisiert und dann nach Wünsdorf ins Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege geschickt.

Einzelne Knochenkämme in kleinen Plastikschalen auf Küchenpapier teilweise mit gelben Zetteln beschriftet
slawische Knochenkämme | Bild: rbb/Katja Geulen

Bald stehen hier Windräder

Bald werden auf dem Acker bei Falkenwalde vier Windräder eines Bürgerwindparks stehen. Nur deshalb ist an dieser Stelle überhaupt gegraben und der seltsame "Erlkönig" entdeckt worden. Der unebene Boden musste für einen Kranstellplatz begradigt werden. Die gesamte Fläche ist nur zirka 30 mal 50 Meter groß. Für den Bauleiter André Weikert der Windenergiefirma "Enertrag" stellen die Grabungen kein Problem dar. Das Gebiet sei als archäologisches Verdachtsgebiet gekennzeichnet gewesen, sagt Weikert. "Deshalb hatten wir damit gerechnet. Das nun so etwas Großes gefunden wurde, damit müssen wir leben", so der Bauleiter.

Beitrag von Katja Geulen

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5 Kommentare

  1. 5.

    "Bald werden auf dem Acker bei Falkenwalde vier Windräder eines Bürgerwindparks stehen." - Framing vom Feinsten. "Windpark" allein reicht eben nicht.

  2. 4.

    Ich habe nichts gegen Windkraft. Beim letzten Satz des Teasers musste ich aber kurz laut lachen, weil er so trocken gegen den "Sensationsfund" gesetzt war. Auch der letzte Satz des Bauleiters ist sehr humorig und passt ganz gut zur uckermärker Mundart :)

  3. 3.

    Dieser Fortschritt ermöglicht aber eben auch erst solche Funde. Normal würde niemand an solcher Stelle graben. Und vor allem finanziert sich der Denkmalschutz am Ende aus den Bauvorhaben, welche die Kosten für die Archäologische Begleitung übernehmen müssen. Es würde also normalerweise nicht nur nicht gesucht werden, man hätte hierfür auch gar kein Geld.

    Und die Überschrift passt doch, es ist schließlich ein außergewöhnlicher Fund

  4. 2.

    Der "Uckermräket"?

  5. 1.

    "Nun entsteht hier ein Windpark"

    Den Fortschritt in seinem Lauf halten eben weder Mann, noch Kind, noch Esel auf. :)

    Frei nach dem Berliner "Berlkönig" könnte Prenzlau als "Perle der Uckermark" ja auch den "Perlkönig" aus der Taufe heben. Bei der sensationellen Überschrift hätte ich aber wenigstens auf einen Zentaur gehofft.

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