Die Polizei führt bei Autofahrern Speichel- und Bluttests durch um sie auf Drogenkonsum zu testen. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.05.2019 | Autor: Oliver Soos | Bild: rbb

Polizeikontrolle auf der Autobahn - Betrunken oder bekifft am Steuer - morgens um 10 Uhr

Bei Drogenkontrollen auf der A117 sind der Brandenburger Polizei am Montag zahlreiche Konsumenten ins Netz gegangen - und das am frühen Morgen. Neben Alkohol stellten die Beamten Cannabis, Amphetamine und Kokain fest. Von Oliver Soos

Für ihre großangelegte Drogenkontrolle hat die Brandenburger Polizei am Montag die A117 an den Rasthöfen Waldeck Ost und West in beide Richtungen gesperrt, der komplette Verkehr muss die Rasthöfe durchfahren. "Auffällige" Fahrer winkt die Polizei auf dem Parkplatz heraus - vor allem junge Menschen, Männer mit Tattoos und Sonnenbrillen, Firmentransporter aus Polen. Was genau die Kriterien sind, will Einsatzleiter Thomas Förster aber nicht verraten. "Es gibt manchmal Anhaltpunkte", sagt er dem rbb nur. "Wir haben einen Blick für die Menschen, die möglicherweise unter Einfluss von Rauschmitteln stehen und fahren."

Speicheltest auf Cannabis

Ein etwa 50-jähriger Mann im Arbeiteranzug einer Logistikfirma muss aussteigen: Beine zusammen, Arme nach vorne ausstrecken, Kopf in den Nacken und mit geschlossenen Augen abschätzen, wie lange 30 Sekunden dauern. Dann steckt ihm ein Polizist einen kleinen Plastikkasten in den Mund - ein Speicheltest. "Das kenne ich, das habe ich schon durch", ist die Reaktion des Mannes.

Die Testauswertung dauert acht Minuten. Der Mann ist guter Dinge, er habe nichts zu befürchten, sagt er. Doch dann gibt es eine böse Überraschung für ihn. "Der Drogentest war leicht positiv auf Cannabis. Ich kann mir das nicht erklären", sagt er. "Ich rauche nur Zigaretten." Ein Polizeibeamter begleitet den Mann zu einem roten Zelt, das die Polizei auf dem Parkplatz aufgebaut hat, zum Bluttest. Der Mann muss sein Auto vorerst stehen lassen und bekommt eventuell eine Strafe durch die Bußgeldbehörde.

Unter Kokain morgens um 10 Uhr

Im vergangenen Jahr wurden bei einer solchen Aktion 30 Fahrer positiv auf Alkohol und Drogen getestet. Diese Zahl wurde dieses Mal schon nach vier Stunden, um 10 Uhr am Vormittag überboten, sagt Thomas Förster von der Brandenburger Polizeidirektion Süd. "Wir haben 26 Mal Fahren unter Betäubungsmitteleinfluss: Cannabis, Amphetamine, Kokain, fünf Mal Alkohol."

Bei 40 Männern und einer Frau stellte die Polizei dann insgesamt Drogenkonsum fest, meist von Cannabis, aber auch von Amphetaminen, Kokain und anderen Substanzen, außerdem neun Personen, die unter Alkoholeinfluss fuhren. Dass die Zahlen diesmal so viel höher sind zeigt für Polizist Thomas Förster, dass Drogen zunehmend auch im Berufsalltag konsumiert werden - und nicht mehr nur auf Partys.  

Beitrag von Oliver Soos

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Warum sollte der Drogenkonsum, der vielleicht wochenlang zurück liegt, nicht okay sein. Bei staatlich geförderten Drogen wie Alkohol und Tabak beschwert sich doch auch niemand.

  2. 4.

    Es geht mir um Gleichbehandlung bzw. Verhältnismäßigkeit. Bei Marijuana z.B. wird der Konsum im gängigen Testverfahren, wie schon gesagt, noch Wochen später festgestellt, bei Alkohol nicht, obwohl das auch möglich wäre und entscheidend dafür ist, um zu erkennen, ob jemand abhängig ist (was bei Marijuana durch den Bluttest festgestellt wird) und somit nicht geeignet ein Auto zu fahren.
    Im Übrigen verabscheue ich diese gängige und eigentlich ziemlich peinliche Differenzierung die sich in der Formulierung "Alkohol und Drogen" niederschlägt. Da steckt mir zu viel heuchlerische Ideologie dahinter. Alkohol ist eine Droge und deswegen sollte auch entsprechend gehandelt und geprüft werden, wieviel ein Mensch z.B. im vergangenen halben Jahr konsumiert hat.

  3. 3.

    "Reißerische Überschrift die eigentlich eher zu "Bild" passt, denn durch diesen Test wird auch Konsum nachgewiesen der schon Wochen zurück liegt."

    Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen? Wochen zurückliegender Drogenkonsum ist in Ordnung?

  4. 2.

    Für mich ist das Ergebnis der Kontrolle erschreckend. Einige wurden erwischt, die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Zugedröhnten gefährden andere Menschen und der Staat wirkt aus meiner Sicht machtlos. Die Strafen sind nach wie vor zu gering. Bei Führerscheinentzug wird eben ohne weitergefahren. Bei Unfällen wird den unter Drogen oder Alkohol stehenden eine mangelnde Schuldfähigkeit zuerkannt. Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit sind in unserem Land weiter auf dem Vormarsch.

  5. 1.

    Reißerische Überschrift die eigentlich eher zu "Bild" passt, denn durch diesen Test wird auch Konsum nachgewiesen der schon Wochen zurück liegt. Anders verhält es sich mit Alkohol, der unter den Drogen bekanntermaßen ja einen Sonderstatus genießt, z.B wird der nicht nur auf Partys konsumiert.

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