Eine fünf Meter hohe Strohmauer direkt vor den Fenstern eines Restaurants verdeckt die Sicht auf den Wandlitzsee (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.05.2019 | Autor: Michel Nowak | Bild: rbb

Sicherheitsmaßnahme wegen Munitionssuche - Mauer aus Stroh versperrt den Blick auf Wandlitzsee

Die meisten Strand-Cafés locken mit dem Blick aufs Wasser. Anders ist das in diesem Mai in Wandlitz. Wegen der Munitionssuche im See soll eine fünf Meter hohe Strohmauer die Gäste dort vor möglichen Explosionen schützen. Das Strandbad selbst bleibt geschlossen. Von Michel Nowak

Die großen Panoramafenster in Jimelo Ramadanis Restaurant geben ansonsten den Blick frei auf den Wandlitzsee. Doch statt auf den See schauen die Gäste im Strandrestaurat alla Fontana derzeit auf eine Wand aus Strohballen - das heißt, wenn denn überhaupt noch Gäste in das eigentlich schön am See gelegene Gasthaus kommen.

Im See wird seit Monaten nach Muniton gesucht. Baden ist verboten, das Strandbad Wandlitz hat die Saisoneröffnung abgesagt und bleibt geschlossen, das Restaurant ist seitdem hinter der Strohmauer versteckt. Für den Restaurantbetreiber Ramadanis ist diese ein großes Ärgernis. "Wir wissen nicht, was passiert", sagt er. "Hier stinkt es, hier sind die Mücken, wir können die Terrasse nicht öffnen: so bleiben uns die Gäste aus Berlin weg."  

Eine fünf Meter hohe Strohmauer direkt vor den Fenstern eines Restaurants verdeckt die Sicht auf den Wandlitzsee (Quelle: rbb)
Die Mauer aus Stroh zwischen See und Restaurant | Bild: rbb

Panzergranate gefunden

Nach Munitionsfunden in Ufernähe lässt der Kampfmittelräumdienst den See bis zu einer Tiefe von 2,50 Metern durchsuchen. Und die Taucher fischen regelmäßig Munition aus dem Wasser, sagt Elisabeth Schulte-Kuhn von der Wandlitzer Gemeindevertretung.

"Am Donnerstag ist dort eine Panzergranate gefunden worden. Das ist kein Kleinkram, das ist etwas richtig Großes", sagt sie. "Die Panzergranate war aber transportabel, sie konnte weggeschafft werden."

Kontrollierte Sprengungen am See

Anderen Kriegsschrott müssen die Experten sogar direkt am See kontrolliert sprengen. Die Strohballen sollen dann das Restaurant schützen. Sicherheit sei das Wichtigste, sagt auch Restaurantbetreiber Ramadanis. Aber: die Munitionssuche geht ihm zu langsam. "Es kommen Feiertage, dann kommt das Wochenende, es kommt die Mittagspause, dann kommt die Kaffeepause. Am Ende ist nichts getan", sagt er.

Wenig verständnis für geschlossenes Strandbad

Sein Restaurant hat 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Um mehr als die Hälfte sei der Umsatz zuletzt eingebrochen. Denn für die Gäste ist es mit der Strohmauer vor dem Fenster eben nur halb so schön. Auch Besucher haben kein Verständnis dafür, dass die Kampfmittelsuche im Sommer stattfindet und dazu auch noch das Strandbad geschlossen ist.

Am Dienstag soll es ein Gespräch zwischen der Wandlitzer Gemeindeverwaltung und Tauchern des Kampfmittelräumdienstes geben. Vielleicht auch darüber, wann die Munitionssuche abgeschlossen sein soll. Für Restaurantinhaber Ramadanis ist jetzt schon klar: Die Mauer muss weg. Besser heute als übermorgen.

Beitrag von Michel Nowak

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Gut, dass die Munition endlich geräumt wird - über 70 Jahre verspätet. Damit werden wir uns und viele Menschen in allen möglichen Ländern sich noch viele Jahrzehnte beschäftigen müssen - angesichts der immer neuen Kriege. Wann wird endlich die Produktion oder zumindest der Export von Kriegsmunition komplett verboten?

  2. 1.

    Wollt ihr jetzt ernsthaft die Müncher Innestadt Aktion nachmachen?

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