26.06.2019, Brandenburg, Ziltendorf: Rauch von einem Brand steigt über dem Wald zwischen Wiesenau und Ziltendorf auf (Quelle: dpa/ Feist)
Video: Brandenburg Akutell | 27.06.2019 | Live aus Ziltendorf Michael Lietz | Bild: dpa/ Feist

120 Hektar betroffen - Polnische Feuerwehr hilft bei Waldbrand in Ziltendorf

Südlich von Frankfurt brennen rund 120 Hektar Wald. Mehrere Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, konnten inzwischen aber wieder zurück. Um die Einsatzkräfte zu unterstützen, hat der Landkreis auch polnische Löschfahrzeuge angefordert.

Der Waldbrand zwischen Wiesenau und Ziltendorf (Oder-Spree), der sich in der Nacht zu Donnerstag weiter ausgebreitet hatte, ist im Tagesverlauf stabil geblieben. Derzeit brenne es auf einer Fläche von rund 120 Hektar, sagte der Brandschutzdezernent des Kreises Oder-Spree, Michael Buhrke, am Donnerstag dem rbb.

Wasserwerfer auf der B112 unterwegs

Rund 150 Einsatzkräfte, unter anderem aus dem Barnim und aus Oder-Spree, seien im Waldbrandgebiet unterwegs. Nach Informationen des rbb hat der Landkreis inzwischen auch polnische Kräfte angefordert. Den Angaben zufolge soll es sich um vier Löschfahrzeuge handeln. Sie sollen aus dem nicht weit entfernten Slubice kommen.

Eine weitere Brandschutzeinheit werde noch anrücken, sagte Buhrke. Die derzeit tätigen Kräfte müssten nach und nach ausgetauscht werden. Wichtig sei auch die Verpflegung, "um diese Masse an Einsatzkräften auch versorgen zu können", sagte Buhrke dem rbb-Inforadio. Auch ein Löschhubschrauber und Wasserwerfer der Polizei seien im Einsatz.

Die Wasserwerfer würden vor allem von der alten B112 aus tätig werden. Dort solle "durch Benässung der Landschaft" ein Riegel aufgebaut werden, so dass das Feuer sich nicht weiter nach Westen ausbreiten könne. Die B112 bleibe daher weiter gesperrt.

Bislang keine Bundeswehrkräfte im Einsatz

Wie eine Nachforschung von rbb|24 Recherche ergab, sind Einsatzkräfte der Bundeswehr zur Brandbekämpfung bisher nicht angefordert worden - abgesehen von einem Hubschrauber, der die Löscharbeiten aus der Luft unterstützt. Im vergangenen Jahr hatte sich die Bundeswehr noch mit einem größeren Kontingent an der Waldbrandbekämpfung in Brandenburg beteiligt.

Angefordert werden müssten die Kräfte durch die betroffenen Gemeinden bzw. Ämter, wobei Innenministerium eventuelle Anfragen koordinieren würde. Eine Anfrage zu einer solchen Unterstützung liege in diesem Jahr bislang allerdings nicht vor, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

Den Angaben zufolge verfügt die Bundeswehr in Brandenburg über zwei Feuerwehren. Diese befinden sich auf dem Truppenübungsplatz Lehnin sowie auf dem Fliegerhorst Holzdorf, wobei die Gemarkung Holzdorf zwar in Sachsen-Anhalt, der Fliegerhorst selbst zu Teilen aber auch in Brandenburg liegt. Im vergangenen Jahr hatten die Bundeswehreinsätze im Land Brandenburg über zwei Millionen Euro gekostet. Das Land hatte 80 Prozent der Kosten übernommen, rund 1,7 Millionen Euro.

Flammen in einem Waldstück bei Ziltendorf in Oder-Spree. (Quelle: rbb)Das Feuer könnte in einer Bahnanlage entstanden sein.

Innenminister besucht Waldbrandgebiet

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, hat auch Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Donnerstag das Waldbrandgebiet besucht. Die Lage sei "stabil", sagte der Innenminister. Allerdings habe man gesehen, dass "durch die aufkommenden Winde Glutherde wieder angefacht werden" können.

Am Mittwoch waren vorsichtshalber rund 20 Anwohner aus mehreren Wohnhäusern in Sicherheit gebracht worden. Sie konnten am Mittwochabend wieder in ihre Häuser. "Wichtig war es, die beiden Ortschaften abzusichern, die Biogasanlage und die große Milchviehanlage mit circa 2.000 Kühen", sagte der Sprecher des Landkreises, Mario Behnke, dem rbb. "Es gab eine große Einsatzbereitschaft und Solidarität unter den Einsatzkräften aus den umliegenden Ortschaften." Auf die Größe des Brandes angesprochen, sagte Behnke, dass nicht die gesamte Fläche in Flammen stehe. Es gebe an verschiedenen Stellen Bodenfeuer unterschiedlichster Ausdehnung.

Regionaler Bahnverkehr unterbrochen

Wegen des Feuers ist der Regionalverkehr zwischen Frankfurt (Oder) und Ziltendorf weiter unterbrochen. Betroffen sind laut Bahn die Linien RB 11 von Frankfurt (Oder) nach Cottbus und RE 1 von Cottbus nach Brandenburg an der Havel. Ein Schienenersatzverkehr sei eingerichtet, sagte ein Sprecher der Bahn.

Der Brand sei vermutlich an einer Bahnanlage ausgebrochen und habe auf ein angrenzendes Waldstück übergegriffen, erklärte Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel. Zuerst waren Feuerwehren aus den umgrenzenden Orten, darunter Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder), sowie die Werksfeuerwehr des Stahlunternehmens Arcelor Mittal vor Ort gewesen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Oderland.

Wie bereits am Mittwoch, sollte auch für Donnerstag ein Hubschrauber zum Löschen angefordert werden. Da das betroffene Waldstück mit Kampfmitteln belastet sei, könnten die Einsatzkräfte nicht nah genug an die Brandherde heran, sagte Engel. Laut Innenministerium ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz.

Rauch von einem Waldbrand wabert durch den Ort Ziltendorf. Zwischen Wiesenau und Ziltendorf im Landkreis Oder-Spree ist am Mittwoch ein Feuer ausgebrochen. Nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten des Landes Brandenburg, Raimund Engel, brennt es auf einer Fläche von etwa 40 bis 50 Hektar. (Quelle: dpa/Toni Feist)
Die Sicht auf das Ortsschild von Ziltendorf ist durch Rauch getrübt. | Bild: dpa/Toni Feist

Allergrößter Teil der Waldbrände erfasst nur kleine Flächen

Wegen des Feuers entwickelte sich viel Rauch. Engel sagte, das sei problematisch, weil das Gebiet, in dem das Feuer ausbrach, dicht besiedelt sei. Dort befinde sich auch eine große Milchviehanlage, die komplett im Rauch stehe. Nach dem großen Brand am Keilberg bei Jüterbog Anfang Juni sei das Feuer zwischen Wiesenau und Ziltendorf das zweitgrößte in diesem Jahr.

Allerdings habe sich das Feuer nur so weit ausbreiten können, weil die Löscharbeiten durch die Munitionsbelastung des Waldbodens behindert werden, sagte Engel am Donnerstag rbb|24. Die weitaus meisten der rund 250 Brände im ersten Halbjahr 2019 seien kleiner als ein Hektar gewesen und hätten - anders als die Waldbrände in Jüterbog, bei Ziltendorf oder in der Lieberoser Heide - entsprechend schnell gelöscht werden können.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bleibt die Waldbrandgefahr weiterhin hoch für Teile Brandenburgs. Unter anderem im Süden und Osten des Bundeslandes besteht auch für Donnerstag die höchste Gefahrenstufe. Im Vergleich zum Vortag wird das Brandrisiko im gesamten Bundesland jedoch geringer ausfallen, wie den Prognosen des DWD zu entnehmen ist.

100 Hektar in der Lieberoser Heide stehen nach wie vor in Brand

Derzeit brennt ebenfalls eine 100 Hektar große Fläche in der Lieberoser Heide im Landkreis Dahme-Spreewald. Bei großer Hitze kämpften die Einsatzkräfte auch am Donnerstag weiter gegen eine Ausdehnung des Waldbrandes. 

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) wollen sich am Donnerstagvormittag aus der Luft einen Überblick über die Lage in der Lieberoser Heide verschaffen. Auch Gespräche mit der Einsatzleitung
sind vorgesehen.

Sendung: Inforadio, 26.06.2019, 18:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

4 Kommentare

  1. 4.

    Danke dass es so viele freiwillige Helfer gibt. Habe heute morgen gegen 9 Uhr an der Auffahrt zur BAB 12 die abrückenden Kräfte aus HVL erleben dürfen. Für euren Einsatz in unserer Region, Daumen hoch. Man kann jedem freiwilligen oder beruflichen Helfer nicht genug danken, welchen Dienst sie uns leisten.

  2. 3.

    Sehr gut! Danke!!

  3. 2.

    Der Einsatz des Reporters in allen Ehren, aber was die Himmelsrichtungen angeht, hat er da so einiges durcheinandergebracht.

    Drücke die Daumen, dass die freiwilligen Helfer das Feuer schnell unter Kontrolle bringen.

  4. 1.

    Das Feuer ist nicht wahrscheinlich an der Bahnstrecke ausgebrochen sondern mit ziemlicher Sicherheit. Als ich da vorbeigefahren bin sind die ersten Feuerwehren eingetroffen und die Rauchsäule stand direkt an den Gleisen.

Das könnte Sie auch interessieren