Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Einkaufszentrum in Strausberg am 23.06.2019. (Quelle: dpa/Christopher Harms)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.06.2019 | Bild: dpa/Christopher Harms

"Handelscentrum" - Zwei Kinder nach Großbrand in Strausberg tatverdächtig

Die Brandenburger Polizei hat nach dem Großbrand in Strausberg zwei Verdächtige ermittelt: zwei Jungen, 12 und 13 Jahre alt. Sie sollen unter den Schaulustigen gewesen sein - und verdächtig genau über den Brand Bescheid gewusst haben.

Zwei Jungen im Alter von 12 und 13 Jahren sind verdächtig, den Brand im Strausberger "Handelscentrum" gelegt zu haben. Das teilte ein Sprecher der Polizeidirektion Ost am Freitag mit.

Die beiden Kinder waren demnach schon früh ins Visier der Polizei geraten, weil sie unter den Schaulustigen beim Brand waren und Täterwissen bei der Befragung hatten.

Polizei geht von "Millionenschaden" aus

Das Feuer war nach den Erkenntnissen der Ermittler am Samstagabend in dem Reifenlager einer Autowerkstatt ausgebrochen und hatte von dort auf das Einkaufszentrum übergegriffen. An einem Seitengang, wo zwei Autos abgestellt waren, hatten die beiden Jungen demnach eine Sprayflasche als Flammenwerfer genutzt, so die leitende Ermittlerin Nadine Duda. "Das hintere Fahrzeug wurde durch die Kinder in Brand gesetzt. Dadurch hat der Reifenstapel Feuer gefangen und das Feuer hat sich auf das Gebäude ausgebreitet."

Der Leiter der Strausberger Polizeiinspektion, Sven Brandau, zeigte sich zufrieden mit dem schnellen Ermittlungserfolg. "Ich bin sehr froh, dass wir schnell Hinweise bekommen haben und die Tat innerhalb einer Woche aufklären konnten."

Mehrere Feuerwehren mit insgesamt 170 Einsatzkräften und 45 Löschfahrzeugen bekämpften die Flammen, die meterhoch loderten. Dunkle Rauchsäulen stiegen auf, sie waren noch aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen. Sieben Stunden lang löschten die Feuerwehrleute, ein Feuerwehrmann kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Gegen 3:30 Uhr in der Nacht gelang es den Einsatzkräften, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Vier der 60 Geschäfte brannten vollständig aus, darunter ein Elektronikmarkt und eine Drogerie. Die genaue Höhe des Schadens ist derzeit noch unklar. Es werde aber von einem "Millionenschaden" ausgegangen, hieß es von der Polizei.

Die Polizei hatte Anfang der Woche mitgeteilt, dass sie von Brandstiftung ausgeht. Ein erster Verdächtiger, den die Beamten festgenommen hatten, hatte nach Angaben der Polizei nichts mit dem Brand zu tun.

Brandserie aufgeklärt

Auch eine Brandserie in Strausberg ist inzwischen aufgeklärt: Acht Mal brannten Mülltonnen in Strausbergs Vorstadt, einmal musste ein Wohnhaus evakuiert werden. Ein 18-Jähriger wurde nun auf frischer Tat ertappt. Sein Motiv war laut Polizeidirektion die Suche nach dem "Kick" - und er wollte Feuerwehrmann werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.06.2019, 12:00 Uhr

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20 Kommentare

  1. 20.

    Man kann doch deutlich lesen, dass die "beiden lieben Kinder" einen dort parkenden PKW in Brand setzten. Dadurch ist das Reifenlager einer dort tätigen Firma in Brand geraten. Dicht daneben grenzt MEDIMAX- daneben ROSSMANN. Nur noch Brandreste und wer das Handelszentrum kennt kann nachempfinden, dass viel mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde.

  2. 19.

    Vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
    Nun bin ich schlauer ;)

  3. 18.

    Danke für Ihre Ausführungen. Eltern kommen ihrer Aufsichtspflicht nicht nach, indem sie sich 18 Jahre lang auf ihr Kind rauf setzen. Mit 12/13 sind sie fast Jugendliche und halt auch so manche Stunde nicht in der Helikopter-Flugbahn ihrer Erzeuger. Das ist auch richtig so, alles andere wäre ungesund. Es ist schrecklich was passiert ist, aber eine Haftung der Eltern um jeden Preis gibt es nicht, egal was auf irgendwelchen Schildern steht. Man sollte versuchen positiv zu denken und zu hoffen, dass es keine mutwillige Brandstiftung gepaart mit Zerstörungswut war.

  4. 17.

    Es ist offenkundig niemand verletzt worden oder Schlimmeres. Das ist doch erstmal das Wichtigste.

    Wer sich einen millionenschweren Bau leisten kann, wird sich auch eine entsprechende Versicherung leisten können. Die Kinder sind jedenfalls strafunmündig und auch ein späteres Belangen ist unwahrscheinlich bzw. rechtlich nicht ohne weiteres umzusetzen.

    "Die Eltern haften für ihre Kinder" ist ein Spruch, der zurecht auf einen Baustellenzaun gehört - er ist nämlich rechtlich nicht verbindlich und steht in keiner Rechtsnorm. Die Eltern haften nur, wenn sie nachweislich davon gewusst und es hingenommen hätten, dass ihre Kinder so folgenschwer mit Feuer spielten. Das meint "Verletzung der Aufsichtspflicht". "Aufsicht" meint generell nicht, dass Kindern allzeit über die Schultern geschaut wird - ein häufiges Missverständnis gerade unter Eltern verbreitet, die diese verzerrten Ansprüche an z.B. Kita-Erzieher*innen stellen und empört sind, wenn die Kinder blaue Flecken haben.

  5. 16.

    Wie konnte das Feuer von dem Reifenlager auf das Einkaufscenter übergreifen? Gab es da etwa keinen Brandschutz?

    War das Reifenlager ungehindert zugänglich?

    Die beiden Jungs dürften deshalb max. für ein paar verbrannte Autoreifen haftbar sein.

  6. 15.

    Anpacken...

    Ich würde die Kinder sofort die Ferien und darüber hinaus bis zu Ihren 18. Geburtstag in der freiwilligen Feuerwehr mithelfen lassen.

    So viel lange Weile darf einfach nicht aufkommen, um so einen riesen Mist zu bauen. Zumal die Schadenssumme, selbst wenn, nie von den Eltern behoben werden könne.

    Am Besten machen Sie auch gleich im Anschluss eine Ausbildung bei der Feuerwehr und verpflichten sich bis zur Rente.

  7. 14.

    Tatsächlich kann man die Eltern dafür schwer belangen sofern Sie nicht freiwillig zahlen. Die Jungs dagegen werden ab ihrem 18. Geburtstag dafür gerade stehen müssen. Vielleicht könnten die Eltern sogar eine Privatinsolvenz für ihre Kinder beantragen - ich kenn mich da nicht aus - dann wären alle Schulden nach 6 Jahren vom Tisch

  8. 11.

    Ein großes Lob an unsere Polizei die durch Ihre Ermittlungsarbeit alle Bürger wieder ruhiger schlafen lässt. Ein grosser Schaden bei dem trotz allem zum Glück niemand ernsthaft verletzt wurde...

  9. 10.

    Kleine Ergänzung.
    Noch interessanter sind diese Infos auf der Seite einer Anwaltskanzlei. Hier werden konkrete Fälle von Zündeleien durch Kinder geschildert. In einem Fall musste ein neunjähriger den Einsatz der Feuerwehr zahlen; NICHT die Eltern. Demnach haften Eltern NIE für Ihre Kinder, sondern gegebenenfalls für die Verletzung Ihrer Aufsichtspflicht. Und generell gilt: bis zu 7. Lebensjahr ist ein Kind laut BGB § 828 deliktunfähig. Danach wird abgestuft:

    https://palm-bonn.de/haftung.htm

    Gruß
    Hajakon

  10. 9.

    Hallo Brandenburger,
    dies hier könnte Ihre Frage beantworten; war selbst neugierig:

    https://www.ruv.de/ratgeber/schaeden-vorbeugen/wenn-kinder-zuendeln

    Gruß
    Hajakon

  11. 8.

    Unter 14 sind Kinder strafunmündig, sie können also nicht bestraft werden.
    Für den Schaden können Sie aber schon haften unter bestimmten Voraussetzungen - ob sie bewusst gehandelt haben und ihnen das Ergebnis schon klar war usw.
    Auf jeden Fall zahlt erstmal die Versicherung des Gebäudeeigentümers. Die kann sich das Geld dann zivilrechtlich von den Kindern zurückholen. Mit einem Titel 30 Jahre lang.
    Ob die Eltern die Aufsichtspflicht verletzt haben, ist eine getrennte Untersuchung der Ermittlungsbehörden. Bei einem Alter von 12 oder 13 Jahren müssen Kinder nicht ununterbrochen beaufsichtigt werden, je nach geistigem Entwicklungsstand.

  12. 7.

    Eltern haften hier nur, wenn sie nachweislich die Aufsichtspflicht verletzt haben. Hier vermutlich nicht. Die Versicherung wird es dennoch versuchen, Deliktsfähigkeit nachzuweisen. Ggf. War aber auch das Reifenlager fahrlässig platziert. Hoffe, die Jungs lernen wenigstens daraus. Spiel mit dem Feuer, große Wirkung.

  13. 6.

    Interessante Frage die ich mir auch stelle.
    Ich vermute mal das dies ggf. ein Richter klären muss. Defakto sind die beiden Kinder alt genug um allein unterwegs zu sein, sprich die Aufsichtspflicht wurde nicht verletzt.
    Auch sind sie noch nicht volljährig und somit nicht haftbar. Evt. müssen sie Sozialstunden absitzen.
    Es kann aber sein, dass die Haftpflichtversicherung der Eltern zum Einsatz kommen muss. Sowas sollte man als Eltern unbedingt haben.

    Das ist aber alles nur Theorie meinerseits.

  14. 5.

    Die Versicherungen der Ladenbetreiber springen erstmal zur Regulierung der Schäden ein schauen dann natürlich, wie sie sich das Geld wieder zurückholen können. Es kommt bei unter 14-jährigen immer darauf an, ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben (der Hinweis "Eltern haften für ihre Kinder" ist insoweit missdeutig, denn das gilt eben nicht immer). Haben sie ihre Aufsichtspflicht verletzt, dann sind sie in der Pflicht zu zahlen. Haben sie ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt, dann können die Kinder später, wenn sie eigenes Geld verdienen, in Regress genommen werden, und zahlen unter Umständen ihr Leben lang (alles oberhalb der Pfändungsfreigrenze).

  15. 4.

    Da kommen die Eltern auf. Das entspricht dem Schild "Eltern haften für ihre Kinder". Daraus folgt eine weitere Frage. Tritt die Versicherung bei Vorsatz für den Schaden ein?

  16. 3.

    Eltern haften doch für ihre Kind er....
    Da wird sich die Privathaftpflicht der Eltern aber heftig freuen.
    Die wird sich sträuben mit Händen und Füßen.

  17. 2.

    Nun ist aus den Indiz eine Tatsache geworden. Ich weiss es nicht wer für den Schaden aufkommt, die Haftpflichtversicherung wohl kaum würde mich interessieren wer das bezahlt.

  18. 1.

    Mal rein theoretisch:
    Sollten Kinder tatsächlich das Feuer verursacht haben, wer kommt in solchen Fällen für den Schaden aus?
    Die Eltern? Würde mich einfach mal interessieren.

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