Plattenbaugebiet im Brandenburgischen Viertel in Eberswalde, wo die Stiefmutter des getöteten Kindes tatenlos zugesehen haben soll, wie ihr Verlobter seine zweijährige Tochter mehrfach schwer misshandelt hatte. (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 15.08.2019 | Michael Lietz | Bild: rbb

Prozessauftakt in Frankfurt (Oder) - Stiefmutter nach Mord an zweijährigem Mädchen angeklagt

Eine Mutter von vier Kindern soll tatenlos zugesehen haben, wie ihr Verlobter seine zweijährige Tochter zu Tode quälte. Über Monate misshandelte der Mann das Kind, so dass es schwerste Verletzungen davon trug, ins Koma fiel und starb. Seit Donnerstag muss sich nun die Frau vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 37-Jährigen vor, den lebensbedrohlichen Zustand des Kindes aus Eberswalde (Barnim) erkannt, aber ihr nicht geholfen zu haben. Die Frau ist wegen Mordes durch Unterlassen und Kindesmisshandlung angeklagt.

Ihr Verlobter wurde bereits Ende Juni wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung hat Revision eingelegt.

Schwere Misshandlungen

Mit einer Jacke über dem Kopf wurde die Angeklagte am Donnerstagmorgen in den Sitzungssaal des Frankfurter Landgerichts gebracht. Die 37-Jährige sitzt seit Anfang des Jahres in Untersuchungshaft.

Im Februar 2016 hatte sie ihren späteren Verlobten kennengelernt. Schnell zog das Paar in Eberswalde zusammen. Die Frau brachte drei Kinder mit in die Beziehung, ihr Verlobter eine Tochter. Ein Jahr später kam noch eine gemeinsame Tochter zur Welt. Fast zeitgleich begann der Verlobte, seine erstgeborene Tochter schwer zu misshandeln, weil er nach eigenen Aussagen keine Vatergefühle mehr für die Zweijährige hatte.

Verlobter bereits verurteilt

Das Kind erlitt unter anderem mehrfach Knochenbrüche und Hirnschäden. Nur ein Mal soll die Angeklagte ihren Verlobten aufgefordert haben, mit dem Kind zum Arzt zu gehen. Er soll abgelehnt und ihr mit Trennung gedroht haben, falls sie das Kind zum Arzt bringt. Danach soll sie nur noch tatenlos zugesehen haben, wie ihr 30 Jahre alter Lebensgefährte das Kind weiter schlug und verhungern ließ. Wenige Monate später - im April 2018 - war das kleine Mädchen tot.

Die Angeklagte nahm die Vorwürfe beim Prozessauftakt regungslos zur Kenntnis. Dazu äußern wollte sie sich nicht.

Das Gericht hat insgesamt zwölf Verhandlungstage bis in den November hinein angesetzt. Am kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll der Verlobte der Frau als Zeuge vor Gericht gehört werden.  

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1 Kommentar

  1. 1.

    Was für verabscheuungswürdig ethisch entwurzelte Menschen dieses verblichene System hervorgebracht hat - der Wegfall des Systems hinterließ ein Lücke, die nicht durch Alternativen, die den Menschen und vor allem den Kindern/Jugendlichen eine soziale und moralische "Bildung" geboten hätte, wieder geschlossen wurde. Da war nix. Eliten verscheucht, Kirchen, Vereine kujoniert, der Elterngeneration alles beraubt, was hätte Halt geben können. Seelenlose Platten-Vorstädte, die nach der Wende 1:1 zu Problemzonen wurden. Alkohol, Arbeitslosigkeit und falsche Parteien mit unwahren Versprechen.

    Und die Kleinsten immer als Opfer mittendrin. Ob in Eberswalde oder Groß Schacksdorf.

    Wundert euch nicht bei der nächsten Wahl. Woher soll es denn kommen???

    Das arme kleine Mädel, wie viel un-end-liches Leid sie erfahren musste. Wie wieder alle versagt haben, die Ämter ganz vorneweg.

    Hoffentlich bleiben Stiefmutter und leiblicher Vater für immer im Knast.

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