Symbolbild: Akten und Gesetzbücher liegen vor Prozessbeginn auf dem Tisch des Vorsitzenden Richters am Landgericht Frankfurt (Oder) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb24 | 1.10.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/Patrick Pleul

Urteil am Landgericht Frankfurt (Oder) - Haftstrafen für drei Frauen nach mehrfachen Mordversuchen

Im Prozess wegen versuchten Mordes hat das Frankfurter Landgericht am Dienstag mehrjährige Haftstrafen verhängt. Zwei der Angeklagten müssen für vier Jahre ins Gefängnis. Die dritte Angeklagte erhielt eine Haftstrafe von anderthalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die drei Frauen im November 2018 insgesamt fünf Mal versucht haben, einen 36 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Oder-Spree zu ermorden.  

Haftstrafen und Schmerzensgeld

Die Frauen nahmen das Urteil des Frankfurter Landgerichts ohne erkennbare Regung auf. Die beiden Älteren müssen für vier Jahre ins Gefängnis. Die Jüngste wurde zu einer anderhalbjährigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem müssen die zwei Hauptangeklagten 7000 Euro Schmerzengsgeld an ihr Opfer zahlen. Obwohl Staatsanwältin Anette Bagenda höhere Haftstrafen beantragt hatte, zeigte sie sich mit dem Urteil zufrieden.  

Motiv bleibt unklar

Insgesamt fünf Versuche sollen die Frauen aus Ostbrandenburg unternommen haben, um den 36 Jahre alten Mann zu töten. Nach einer gemeinsamen Party sollen sie dem Mann einen Giftcocktail verabreicht haben. Danach sei er von ihnen nach Polen verschleppt worden. Dort sollen sie versucht haben, ihn zu erstechen, zu erschlagen und zu überfahren. Alle Versuche schlugen fehl. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Das Motiv für die Tat konnte auch das Gericht nicht abschließend klären, sagt Gerichtssprecher Jasper Schüler-Dahlke. 

Sexuelle Beziehungen

Laut Gericht hat die 21 Jahre alte Hauptangeklagte den Plan geschmiedet und ihre Freundinnen zu der Tat angestiftet. Sie hatte sowohl eine sexuelle Beziehung zu dem Opfer als auch zu den beiden mitangeklagten Frauen. Zwischen zwei der Angeklagten und dem Opfer gab es einen Dreier, für den die Frauen 800 Euro forderten. Weil der Mann das Geld nicht zahlte, wollten sie sich an ihm rächen, so die Hauptangeklagte. Doch das kann laut Staatsanwätin Anette Bagenda nicht das Motiv gewesen sein. "Letztendlich hat man sich mit der Zahlung einer Tankfüllung für das Auto zufrieden erklärt", sagt sie. Das jetzt erteilte Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Auch ich finde deinen Kommentar sehr befremdlich.
    Für versuchten Mord (und die Mädels haben das scheinbar eiskalt durchgezogen) gibt's ne lächerliche Bewährungsstrafe?

    "Wir" alle haben keine Ahnung von der Geschichte?
    ...dann klär uns auf

    Falls du wirklich mehr darüber weißt, dann solltest du zur Polizei gehen, findest du nicht?
    Immerhin scheint das Motiv für die Tat noch im Dunklen zu liegen.
    Vielleicht gibt's ja hier auch eine Redaktion, die die Polizei auf deinen Post hinweist? Die Staatsanwaltschaft hätte evtl. Interesse daran.
    (ich meine das vollkommen ernst, werte RBB-Red.)

  2. 5.

    Ihren Kommentar finde ich mehr als befremdlich! Für das gezielte Töten eines Menschen gibt es abseits der Notwehr/Nothilfe rein gar keine Rechtfertigung! Völlig egal, wie die Vorgeschichte ausgesehen haben mag, die Tat ist absolut zu verurteilen! Wir sind nicht im wilden Westen, glücklicherweise leben wir in einem Rechtsstaat, der das Gewaltmonopol inne hat. Sollten sich die Frauen für irgend welche sexuellen Dienste nicht ausreichend entlohnt gesehen haben, hätten sie den Herrn verklagen können. Eine Rechtfertigung für solch eine Gewalttat gibt es nicht.

  3. 4.

    Malträtieren und bis an den Rand des Todes? Da kann ich bloß lachen!!! Da haben einige Leute keine Ahnung von der ganzen Geschichte!! Man muss eher fragen, wer ist Opfer und wer ist Täter. Jetzt wird dem "Knaben" noch Geld "zu gesteckt", für ein paar "Kratzer"

  4. 3.

    In unserem Land stimmt etwas nicht mehr.
    Da bekommt jemand, der Geld bei der Bank unterschlagen hat, 2 Jahre Gefängnis. Wegen der Höhe der Unterschlagung sei keine Bewährung möglich. Soweit so gut.
    Für versuchten Mord gibt es zeitgleich ganz geringe Strafen, die noch dazu zur Bewährung ausgesetzt werden.
    Da weiß man doch gleich, was in unserem Land zählt. Nicht ein Menschenleben, sondern Geld.

  5. 2.

    Liegt das Strafmaß für versuchten Mord nicht normalerweise bei lebenslänglicher Haft? Es ist schließlich nicht dem Täter zuzuschreiben, wenn das Opfer den Versuch wider Erwarten doch überlebt. Die hier verhängten Strafen sind für die begangenen Taten ein schlechter Witz! Welche "milderneden Umstände" haben denn zu diesem Strafnachlass beigetragen? Zumal es ja noch nicht mal umfangreiche Geständnisse gab, schließlich liegt das Motiv bis heute im Dunkeln!

  6. 1.

    Ach, so billig ist es, einen Menschen zu töten zu versuchen und ihn dabei dermaßen zu malträtieren und bis an den Rand des Totes zu verletzen und ihm dabei massive Schmerzen zuzufügen?

    Wen bitteschön soll so eine Strafe abschrecken? Und wie soll man dann minderschwere Fälle überhaupt noch bestrafen?

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