Symbolbild: Ein Maedchen steht am 07.04.2013 in einer Wohnung in Berlin im Flur (gestellte Szene). (Quelle: dpa/Silvia Marks)
Video: Brandenburg aktuell | 14.01.2020 | Ismahan Alboga | Bild: dpa/Silvia Marks

Jugendamt im Fokus - Verwahrlostes Mädchen löst Debatte über Meldepflicht aus

Im Fall des verwahrlosten Mädchens in Eberswald hatte das Jugendamt schon seit 2017 versucht, der Familie zu helfen. Die Landtagsfraktionen debattieren über eine Meldepflicht bei solchen Verdachtsfällen. Die Staatsanwaltschaft überprüft den Fall.

Nach der Inobhutnahme eines stark vernachlässigten fünfjährigen Mädchens in Eberswalde debattieren die brandenburgischen Landtagsfraktionen über eine Meldepflicht für Jugendämter bei Verdachtsfällen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Erik Stohn sah zunächst keinen Bedarf für eine Anzeigepflicht, sagte am Dienstag aber, darüber könne man nachdenken. Sein CDU-Kollege Jan Redmann betonte, das Kontrollsystem müsse auf allen Ebenen überprüft werden.

Grünen-Fraktionschefin Petra Budke brachte zudem den Vorschlag ein, zu prüfen, ob eine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung für Kinder zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren verfassungsrechtlich möglich sei.

Familie seit 2017 beim Jugendamt bekannt

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Andreas Kalbitz zeigte sich offen für eine Meldepflicht der Jugendämter. Die Linksfraktionsvorsitzende Kathrin Dannenberg betonte, die Strukturen vor Ort um das Kind herum müssten gestärkt werden.

Das Jugendamt des Kreises Barnim hatte eine Fünfjährige im Dezember in Obhut genommen, nachdem eine Familienhilfe gerichtlich erwirkt worden war. Der Kreis sprach von Anzeichen von Unterernährung und Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten. Das Jugendamt versuchte nach eigener Darstellung seit 2017, der Familie zu helfen. Nach der erwirkten Familienhilfe gab der Kinderschutz dann eine Gefahrenmeldung ab.

Staatsanwaltschaft und Jugendministerium wollen Akteneinsicht

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) prüft inzwischen die Hintergründe des Falls. "Wir sind in Kontakt mit dem Jugendamt und dem Krankenhaus, in dem das Kind war, können Näheres dazu aber im Moment nicht sagen", berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag. "Wir haben zur Zeit noch keine Akten des Jugendamtes." Der Bericht des Krankenhauses liege der Behörde ebenfalls noch nicht vor. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Misshandlung von Schutzbefohlenen eingeleitet.

Auch das Brandenburger Jugendministerium möchte nähere Informationen über den Gesundheitszustand des Kindes erhalten. Das Ministerium wolle ebenfalls den Bericht der Klinik vom Dezember einsehen, in der das Mädchen zur Behandlung gewesen sei, sagte Sprecherin Antje Grabley. Das Ressort hatte am Montag vom Jugendamt des zuständigen Landkreises Barnim eine Stellungnahme angefordert, nachdem es den Bericht über eine angebliche Verwahrlosung gab. Das Ministerium will prüfen, ob der Kreis rechtmäßig gehandelt hat.

Freie Wähler: Kindeswohl im Jugendhilfeausschuss thematisieren

Den Fall des verwahrlosten Mädchens und die Verantwortung von Eltern und Mitarbeitern des Jugendamts will die Fraktion Freie Wähler am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Barnim zur Sprache bringen. In den letzten Jahren habe man diverse Probleme im Bereich des Jugendamtes und der Rechtsaufsicht festgestellt, sagte der Landtagsabgeordnete Péter Vida dem rbb. Auch sei seit einiger Zeit die zuständige Dezernentenstelle nicht besetzt. "Das ist auch ein Mangel und das muss noch im ersten Quartal gelöst werden."

Sendung: Brandenburg aktuell, 14.01.2020, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Up] vom 14.01.2020 um 20:48
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7 Kommentare

  1. 7.

    Schauen Sie sich das JA Spandau an und Sie wünschen sich das JA Eberswalde sofort zurück. Deren Mitarbeiterinnen sind komplett überfordert, unfähig und desinteressiert.

  2. 6.

    Meine Frau erzählte mir, dass in der DDR jeder jungen Familie eine Begleitperson (die genaue Bezeichnung ist mir entfallen) zur Seite gestellt wurde, sobald das Kind geboren war. Zur Unterstützung und vielleicht auch ein bisschen zur Kontrolle; letzteres ist nur eine Annahme meinerseits. Meiner Meinung nach nicht die schlechteste Sache, auch und gerade zum Schutz des Kindes.

    Gruß, Hajakon

  3. 5.



    Ich muss sagen ja bei uns im Jugendamt muss viel Positives Passieren. Jugendamt steht in einem schlechten Zeichen da. So schlecht das man die Hilfe vom JA.umgeht oder selten erst
    persönlich aufsucht. Denke 80% der Fälle die das JA betreut sind zufällig entdeckt, das ist auch gut so das das jemand gemeldet hat. Aber sollte ein JA nicht so attraktiv wirken/sein das man sich traut persönlich wenn man betroffen ist, sich da Hilfe aufzusuchen die man benötigt, ohne Angst das ein die Kinder weg genommen zu werden (Obhut, Pflegeeltern ,betreutes Wohnen ect.
    Und was ich ganz ganz ganz schlecht finde und da fängt es auch schon an, die Familienhelfer.
    Nichts gegen FH aber was machen die, na nix machen die die schauen für 2h vorbei fragen dich gibst was neues, haste Probleme über die du sprechen willst und und und hä wie bitte. Wenn die FA anwesend ist 2h ist alles Friede Freude Eier Kuchen aus Angst das sie einem die Kinder weg nehmen z.B. Ist die FH erstmal weg geht's von vorne los.

  4. 4.

    ich möchte den Familien nicht unterstellen, dass sie Kinder nur wegen dem Kindergeld in die Welt setzen und dann überfordert sind.
    Wenn ich in so einem Elternhaus aufgewachsen wäre, würde ich auch das erlernte Verhalten weitergeben. "Ich habe nichts anderes gelernt." Auch wenn ich es besser machen möchte, ich würde immer wieder in die alten Muster zurück fallen.
    Muss da doch ein Elternführerschein her?
    Tatsache ist aber, wenn die ersten Lebensjahre von Verwahrlosung geprägt sind, kann sich das Kind weder geistig noch körperlich gut entwickeln, selbst wenn das Genmaterial gut ist.

  5. 3.

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, es wird Zeit, dass im JA Eberswalde Kontrolle einzieht. Ob das mit Frau Dankert möglich sein wird? Immer wieder laufen dort die Mitarbeiter weg. Neue Personen müssen sich dann in lange Vorgänge einarbeiten. Und das Vertrauen, dass Antragstellende gerade an ein solches Amt und die dortigen Akteure haben muss, wird dadurch immer wieder zerstört. Auch gut sorgende Eltern werden dann durch dortige Mitarbeiter vors Familiengericht gezogen.

  6. 2.

    Ein Drama, wie oft wird Kindern gegenüber so oft versagt?
    Irgend etwas liegt hier mehr als im Argen.

  7. 1.

    Der verantwortungslose Umgang mit dem Thema Kinderschutz durch die Politik ist an Menschenverachtung kaum zu überbieten. Die Moral einer Gesellschaft erkennt man am Umgang mit seinen Kindern. Armes Deutschland.

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