Dunkle Regenwolken ziehen am 18.08.2019 über die Landschaft im Landkreis Oder-Spree (Luftaufnahme mit einer Drohne) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.02.2020 | Bild: dpa/Patrick Pleul

Trotz regnerischem Winterwetter - Grundwasserstände erholen sich nur langsam

Trotz anhaltender Regenfälle haben sich die Grundwasserstände in Ostbrandenburg von den Auswirkungen der letzten beiden Dürresommern noch nicht wieder erholt. Zur nachhaltigen Regeneration wären in diesem Jahr 25 Prozent mehr Niederschlag nötig. Von Tony Schönberg

Die beiden Rekordsommer der vergangenen beiden Jahre haben in Ostbrandenburgs ihre Spuren hinterlassen. Besonders die regenfreien Phasen im Frühsommer 2018 zu Beginn der Pflanzenwachstumsphase hätten in der Vegetation massive Trockenschäden hinterlassen, sagt Gunnar Lischeid vom Leibnitz-Zentrum Agarlandschaftsforschung in Müncheberg. So seien die Wälder nachhaltig geschädigt worden und damit den Borkenkäfern Vorschub geleistet. Auch die Grundwasserspiegel seien auf Rekord-Niedrigstände gesunken. An einigen Grundwassermessstellen des Landesamtes für Umwelt wurden 2019 die bislang niedrigsten Grundwasserstände der langjährigen Messreihe erreicht.

Moderater Anstieg der Pegel

Nach den Niederschlägen der letzten Zeit erholten sich die Urböden in einigen Region allerdings langsam wieder. Lidscheid sagte dem rbb, die Grundwasserpegel seien wieder moderat angestiegen und auch Bäche und Gräben führten wieder mehr Wasser. Unterhalb der Oberflächengewässer ist vom Regen jedoch noch nichts angekommen. Teilweise liegen die Grundwasserschichten in Tiefen von bis zu 25 Metern. Selbst für Bäume mit tiefliegendem Wurzelwerk reiche dies bei Weitem noch nicht aus. Auf manchen Hochflächen fallen die Grundwasserstände momentan sogar noch. Auch bei anhaltenden Regenfällen in den nächsten Wochen würde es noch Monate dauern, eher dort bedeutende Auswirkungen messbar wären.

Wasserentnahmeverbot in der Uckermark bleibt

Harald Wendt, Leiter des Landwirtschaft- und Umweltamtes der Uckermark sieht die Situation ebenfalls weiterhin kritisch. Die Defizite beim Grundwasser seien nach wie vor gegeben und die derzeitigen Wasseransammlungen auf Feldern und Wiesen kein Zeichen für eine Bodensättigung. Wendt sagte dazu: "Die Einsickerungsmöglichkeiten in den Senken sind oft verringert, sodass das Wasser nur langsam abfließen kann. Das liegt oft an der Bodenverdichtung auf landwirtschaftlichen Flächen." In der Uckermark sind die Böden je nach Region und Untergrund laut Umweltamt zwischen 90 und 120 Zentimeter durchfeuchtet. Darunter befänden sich noch immer ausgetrocknete Erdschichten. Aus diesem Grund werde im Landkreis Uckermark das im vergangenen Jahr veranlasste Wasserentnahmeverbot auch weiterhin aufrechterhalten. Man wolle erst die Niederschläge der kommenden Monate abwarten, bevor über eine Lockerung entschieden wird, hieß es vom Amt.

weiterer Regen notwendig

Auf anhaltende Niederschläge im Frühjahr, um die Situation bei den Grundwasserständen in Brandenburg zu entspannten, hofft auch Gunnar Lischeid vom Leibnitz-Zentrum Aggarlandschaftsforschung. Er sagte dazu: "Was wir bräuchten, wären 150 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter, also ein gutes Viertel des Jahresniederschlags zusätzlich zum normalen Durchschnittswert. Der liegt bei etwa 570 Millimeter im Jahr."

In den Jahren 2018/2019 wurden lediglich 75 Prozent der Jahresdurchschnittsmengen erreicht. Für den kommenden Sommer sieht das Landesumweltamt in Potsdam jedoch keine signifikanten negativen Änderungen der Jahresniederschlagsmengen vorher. Das letzte Jahr mit einer positiven Bilanz in der Grundwasserneubildung wurde 2010 beobachtet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.02.2020, 16:45 Uhr.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Das sind sehr pauschale Aussagen hinsichtlich des Grundwasserstandes der regional sehr unterschiedlich ausfällt außerdem ist nicht spezifiziert um welchen Grundwasserleiter es sich handelt.

  2. 4.

    Im letzten Abschnitt "weiterer Regen notwendig" muss es vermutlich heißen: ... 150 Millimeter Niederschlag ... und nicht Milliliter, denn das wäre nur eine Kaffeetasse voll. Und weiter auch der jählich Durchschnittswert ... liegt bei 570 Millimeter (pro Quatratmeter) im Jahr. Das sind 570 Liter auf den Quadratmeter.

  3. 3.

    Das glaubt doch der Experte selbst nicht, dass 150 ml Niederschlag zusätzlich auch nur irgendetwas mit dem Grundwasser in 25 m Tiefe machen....

    Im übrigen wird die Durchfeuchtung des Bodens lt. DWD nicht gemessen (weil es zu aufwändig ist) sondern geschätzt!?

  4. 1.

    @RBB:
    Der Link im Text zum Artikel "Wasserentnahmeverbot" funktioniert leider nicht. :-/

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