Igel mit Verletzung am Kopf durch einen Mähroboter
Bild: rbb/Tony Schönberg

Tempelfelde im Barnim - Tierärztin päppelt von Mähroboter verletzten Igel auf

Mit Laserbehandlung, Antibiotika und Spezialfutter: Eine Tempelfelder Tierärztin scheut keine Mühe, um verletzten Igeln zu helfen. Die stachligen Säuger können die Hilfe gut brauchen, denn in Brandenburger Gärten lauert immer öfter eine neue Gefahr.

Wenn in den Frühjahrsmonaten April und Mai die Temperaturen über mehrere Tage die Zehn-Grad-Marke erreichen, erwachen viele Igel aus dem Winterschlaf. Der Stoffwechsel der kleinen Säuger regt sich und sie beginnen, in Wiesen und Wäldern nach Futter zu suchen.

Die Reviere mancher Insektenfresser erstreckten sich sogar über mehrere Hektar, sagt Tierärztin Catharina Grasnick aus Tempelfelde bei Bernau (Barnim). Auf ihren Streifzügen überqueren die Tiere oft Straßen oder wandern durch Gärten. Doch dabei lauern Gefahren.

Gefahren im heimischen Garten

Im Wildkatzenzentrum Tempelfelde geben Anwohner oder die Wildtierrettung fast täglich verletzte Igel ab. Seit zwei Wochen versorgt Leiterin Catharina Grasnick etwa die neun Monate alte Lilli. Sie wurde vermutlich von einem automatischen Rasenmähroboter schwer zugerichtet. Meistens stoppten die Maschinen zwar automatisch an Hindernissen, jedoch seien Jungtiere, wie die faustgroße Lilli, zu klein und gerieten in die Klingen des Mähers, so Grasnick. Das Resultat seien dann oft schwere Schnitte am Kopf oder den Gliedmaßen.

Igel auf der Intensivstation

So wurde wohl auch das junge Igelweibchen von einer Mähmaschine schwer verletzt und hat das rechte Auge verloren. Mit einer Notoperation direkt nach der Einlieferung hat Veterinärärztin Grasnick ihr das Leben gerettet. Lilli bekam starke Schmerzmittel und Antibiotika gespritzt und musste an den Tropf gelegt werden. Auch nach dem Eingriff ging die Behandlung mit Salben und regelmäßigen Lasertherapien zur Wundheilung weiter.

Mittlerweile ist Lilli auf dem Weg der Besserung. Ein paar Wochen Pflege sind noch nötig, dann will die Tierärztin für ihren Schützling ein Habitat zum Auswildern suchen.

Ein Igel im Wildkatzenzentrum TempelfeldeEin Igel im Wildkatzenzentrum Tempelfelde.

Risiko: Mensch

Andere Igel kommen haben nicht so viel Glück. Manche werden von Wildtieren oder Hunden angegriffen. Aber die größte Gefahr ist der Mensch: Experten schätzen, dass etwa eine halbe Million Igel jedes Jahr auf deutschen Straßen überfahren werden.

Tierärztin Grasnick sieht noch ein weiteres Problem: Durch das Insektensterben im Zusammenhang mit intensiver Landwirtschaft, Pestiziden und Grünflächenpflege fehle den Igel eine wichtige Nahrungsquelle. Die stachligen Säuger fressen stattdessen etwa Regenwürmer und Schnecken, aber die tragen oft Parasiteneier des Lugenwurms in sich, an denen die Igel dann erkranken.

Kein Wunder also, dass in Tempelfelde neben Füchsen, Vögeln und Fledermäusen derzeit noch zehn weitere Igel aufgepäppelt werden müssen. Pfleger Aaron Tober kümmert sich um die richtige Diät: "Wir füttern mit proteinreichem Katzenfutter und mit speziellem Igelfutter wie getrockneten Mehlwürmern, Grillen und Larven."

Tipps für Igelfreunde

Für ein reichhaltiges Insektenbüffet können Blühstreifen oder wilde Gärten sorgen. Deshalb rat Catharina Grasnick allen Hobbygärtnern, in einer Ecke einheimische Pflanzen zu setzen, einen Unterschlupf zu bauen und eine Wasserschale aufzustellen. Wer auf ein Tier in Nöten stößt, kann sich an Tierärzte oder Auffangststationen weden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.05.2020, 14:40 Uhr.

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ärgern Sie sich nicht....lesen Sie die anderen Kommentare. Liebe Grüße aus Spandau.

  2. 4.

    TG ist wirklich toll - selten soviel Schwachsinn mit so wenig Worten gelesen... So ist eben echte Tierliebe in Berlin!!!

  3. 3.

    Danke für diese Wahnsinnsmeldung. Das müssen wir Berliner wirklich wissen!

  4. 2.

    Der Bericht ist sehr informativ und Ihren Worten ist nichts hinzu zu fügen. Danke.
    Vor einigen Jahren haben auch wir einen verletzten Igel dort in Hermsdorf abgegeben. Auf spätere Nachfrage erzählte uns eine Mitarbeiterin, das der Igel alles gut überstanden hätte und irgendwann wieder ausgewildert wird. Seit diesem Zeitpunkt unterstützen wir diesen Verein zwar nicht mit Sachspenden jedoch regelmäßig ein wenig finanziell.

  5. 1.

    In Hermsdorf Berlin, gibt es eine Igelstation, die sich sehr liebevoll und mit viel Einsatz um die Igel kümmert. Wer in Berlin einen Igel findet, sollte diese Station mal im Betrwcht ziehen. Sachspenden sind sich sehr hilfreich.
    Toller Bericht!

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