In einem Magazinraum von Brandenburgs einziger Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt (Oder) (Brandenburg) unterhalten sich am 15.01.2018 (l-r) Roland Jahn Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Dietmar Woidke (SPD) Ministerpräsident von Brandenburg, Maria Nooke Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte und Rüdiger Sielaff Leiter der Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU). (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Inforradio | 05.06.2020 | Amelie Ernst | Bild: dpa/P. Pleul

Einigung in Brandenburg - Frankfurt soll Standort des Stasi-Unterlagenarchivs bleiben

Die bisherige Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt (Oder) soll als Archiv- und Dokumentationsstelle erhalten bleiben. In Cottbus ist eine Auskunfts- und Beratungsstelle vorgesehen. Darauf haben sich die Brandenburger Regierungsparteien SPD, CDU und Grüne am Donnerstag in Potsdam verständigt. Nun muss der Bund über den Vorschlag beraten. 

Zuvor hatte es Uneinigkeit in der Kenia-Koalition über den künftigen Standort gegeben, nachdem im Bundestag beschlossen wurde, dass es künftig nur noch ein Unterlagenarchiv pro östlichem Bundesland geben soll. Verwaltet werden die Akten des ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit dann vom Bundesarchiv.

Stasi-Machenschaften dürften nicht in Vergessenheit geraten

SPD-Fraktionschef Erik Stohn sagte, man wolle die Erinnerung an zwei Orten wach halten, damit die Stasi-Machenschaften nicht in Vergessenheit gerieten. Grünen-Fraktionschef Benjamin Raschke erklärte, mit dem Vorschlag unterstreiche die Koalition, dass es neben dem Hauptsitz der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin auch regionale Anker für den Umgang mit dem Erbe der Stasi brauche.

Jan Redmann, Fraktionschef der CDU, betonte, Cottbus sei als zweiter Erinnerungsort hervorragend geeignet, da es dort mit dem ehemaligen Gefängnis für politische Häftlinge und heutigem Menschenrechtszentrum bereits eine erfolgreiche Einrichtung gebe.

Bürgermeister spricht von Vernunftentscheidung

Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke) begrüßte die Entscheidung für den Standort Frankfurt (Oder). "Ich bin sehr zufrieden damit, dass sich die Vernunft durchgesetzt hat", sagte er. "Entscheidend waren neben konstruktivem Widerstand im politischen Raum auch vielschichtiges bürgerschaftliches Engagement vor Ort und nicht zuletzt der Einsatz der Landesaufarbeitungsbeauftragten Dr. Maria Nooke, die sich mit dem jetzt beschlossenen Vorschlag moderierend in die Diskussion einbrachte", so Wilke.

80 Lkw-Ladungen mit Akten

Die Außenstelle Frankfurt hatte bereits 1991 in der Originalliegenschaft der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit mit der Sicherung und Aufarbeitung von Akten begonnen. In dem 1996 in der Fürstenwalder Poststraße eröffneten Haus lagern nach Angaben des Archivs 7.700 Unterlagen der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit Cottbus und Frankfurt (Oder), die aus dem Stasi-Bunker stammen. Das entspricht etwa 80 Lkw-Ladungen.

Sendung: Inforadio, 05.06.2020, 5 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Da macht man mal wieder den Bock zum Gärtner! So ein Archiv gehört dahin, wo nicht heimlich Unfug mit getrieben wird, also in die alten Bundesländer.

  2. 1.

    Sehr geehrte Dr. Maria Nooke, recht herzlichen Dank für Ihr Engagement in Sachen Stasi-Archiv. Damit herrscht in Frankfurt (Oder) und in Cottbus jetzt Klarheit. Ich denke, dass beide Städte damit gut leben können.
    Nun sollte auch der Bund diese Entscheidung mittragen, damit die 55 Archiv-Mitarbeiter in Ruhe weiterarbeiten können.
    Ich habe im Frühjahr 1990 bei der Stasi-Auflösung in Frankfurt mitgearbeitet. Damals im Februar und März 1990 war ich aktiv im Frankfurter Bürgerkomitee "Auflösung MfS" als Leiter der Arbeitsgruppe Akten/Unterlagen. Wir haben damals die Stasi-Akten wochenlang in den ehemaligen Stasi-Bunker transportiert.

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