Tauschwerrkstatt in Eberswalde.
Audio: Antenne Brandenburg | 31.07.2020 | Autorin: Uta Schleiermacher | Bild: rbb/ Uta Schleiermacher

Tauschwerkstatt in Eberswalde - Hier werden Paletten zu Tischen und Stühlen aufgemöbelt

Holz bleibt ein guter Baustoff, selbst wenn die Bretter nicht mehr ganz neu sind. In der Tauschwerkstatt in Eberswalde können Anwohner nun aus alten Möbeln oder Bauholzresten neue Stühle, Schränke oder Regale bauen. Von Uta Schleiermacher

Es braucht gar nicht viel, um einen Stuhl zu bauen. Ein paar alte Paletten vom Baumarkt reichen aus, sagt Sebastian Kleine, Student an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Die Paletten haben sie gratis vom benachbarten Baumarkt bekommen. Das Modell dafür hat ein Architekt entworfen.

"Der hat sich gedacht: Möbel müssen nicht teuer sein, und jeder kann die nachbauen, und hat dann ein Buch herausgebracht mit Anleitungen, jeder kann die nachbauen, für wenig Geld", sagt Kleine.

Die Tauschwerkstatt in Eberswalde.
Lilith Ickrath und Sebastian Kleine haben die Tauschwerkstatt mitorganisiert | Bild: rbb/ Uta Schleiermacher

Voneinander lernen

In der Tauschwerkstatt Eberswalde liegen Stichsäge, Hammer und Bohrmaschine schon bereit. Die Werkstatt ist in Finow, im Hinterhof von einem Wohnhaus. Sie soll ein Raum werden, in dem alle, die Lust haben, werkeln können. Und in dem alle voneinander lernen. Studentin Lilith Ickrath erklärt, wie sie sich das vorstellt.

"Es geht uns einmal darum, einen gemeinsamen Arbeitsort zu schaffen und andererseits darum, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass es schön ist, Dinge weiterzuverwerten die schon da sind, anstatt immer neue Dinge zu kaufen", sagt sie.

Kein Reparaturservice

Lilith Ickrath hat schon angefangen, ein paar Bretter für ein Badezimmerregal zu schleifen. Und sie will Missverständnisse gleich vermeiden: Sie bieten nur den Raum und das Werkzeug, keinen Reparaturservice. Und sie sehen sich als Ergänzung zu Repaircafés, in denen etwa elektronische Geräte und Keramik wieder instand gesetzt werden. Hier geht es ihnen auch um Austausch, von Material und Kenntnissen.

"Wir haben hier Werkstoffe wie die Paletten, die man nutzen kann, und angebrochene Schraubenpackungen, die vielleicht schon ewig in der Garage herumliegen, können hier gern abgegeben werden, damit andere Menschen die noch nutzen können", sagt sie.

Werkzeug griffbereit

Lilith Ickrath und Sebastian Kleine studieren beide an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Die Tauschwerkstatt gibt es seit zwei Wochen. Die Idee ist im Rahmen der Commons-Projektwoche an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung entstanden, sagt Kleine. "Die Idee dabei ist auch, dass wir nichts vorgeben sondern nur den Raum zur Verfügung stellen, so dass etwas Gemeinsames entsteht", sagt er. "Und dass man sein Können weitergibt, deshalb wollen wir hier auch noch Workshops anbieten", sagt er.

Eine einfache Werkbank ist hier schon entstanden: Ein paar Palettenstücke wurden zu einer Arbeitsfläche, ein Stück Gartenzaun zu einem Aufbau darauf. An dem Gartenzaun hängen griffbereit an einer Magnetschiene Schraubenzieher, Hammer und Kneifzangen. Ein einfacher, aber stabiler Werktisch, an dem nun weiter gebohrt, gehämmert und gesägt werden kann. Gebaut aus Materialien, die normalerweise auf dem Müll gelandet wären.

Palettenmöbel auf dem Parkplatz

Lutz Landmann, Stadtverordneter von Eberswalde, ist einer der ersten, die sich die Werkstatt angucken kommen. Er ist nicht sicher, ob er hier auch mitbauen wird. Aber mit Möbeln aus Paletten hat er in Eberswalde schon gute Erfahrungen gemacht – als nämlich eines Tages welche auf einem alten Parkplatz in der Innenstadt auftauchten.

"Es gibt in der Innenstadt eine Brachfläche, einen ehemaligen Parkplatz, und da haben Leute einfach Sitzgelegenheiten aus Paletten gebaut und da hingestellt. Und siehe da, es wurde tatsächlich zu einem Treffpunkt, auch wenn der Gedanke vielleicht erst etwas abwegig scheint, auf Paletten rumzulümmeln", sagt er. "Ich bin selbst in einem Philosophie-Kreis, und wir haben dann auch mal dort getagt, an der frischen Luft und öffentlich, und da haben sich Passanten spontan zu uns gesetzt und mitdiskutiert." Er hoffe darauf, dass sich auch die Werkstatt zu einem Treffpunkt im Viertel entwickelt.

Beitrag von Uta Schleiermacher

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das könnte man auch der "abgetauchten" BM, Frau Ernst schicken? Dan könnte Sie für Lehrer Palettentische mit Plexiglasscheiben aus dem Landtag fertigen lassen um Frontalunterricht zu ermöglichen? Aber es ist bis zum Schulbeginn ja noch ganz viel Zeit.

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