Hund im Herdenschutz-Schaugehege im Wildpark Schorfheide
Audio: Antenne Brandenburg | 10.07.2020 | Autorin: Elke Bader | Bild: rbb/Elke Bader

Gegen Wolfsangriffe - Erstes Herdenschutz-Schaugehege Deutschlands eröffnet

In Brandenburg leben 44 Wolfsrudel. Der Wildpark Schorfheide informiert Haustierhalter nun darüber, wie sie Schafe und Rinder vor Wölfen schützen. Tierhalter bekommen im Schaugehege Tipps für den Umgang mit Herdenschutzhunden. Von Elke Bader

Die Herdenschutzhunde im Schaugehege haben wenig zu tun. Klar, die Besucher sind ja auch keine Bedrohung. Doch in Brandenburg leben 44 Wolfsrudel - und eins auch gar nicht weit vom Wildpark entfernt.

In dem Schaugehege gleich am Eingang des Parks sind Rinder, Pferde und Schafe eingezäunt, gemeinsam mit zwei Pyrenäenberghunden - auch Herdenschutzhunde genannt. Wildparkchefin Imke Heyter führt Besucher um das eingezäunte Gelände herum. "Uns ist es wichtig, den Tierhaltern in der Praxis zu zeigen, wie so ein Zaun aussieht und welcher Zaun der richtige ist", sagt sie. Für sie sind die Liebe zu Schafen und die Liebe zu Wölfen durchaus vereinbar.

Wildparkchefin Imke Heyter vor dem Herdenschutz-Schaugehege im Wildpark Schorfheide
Wildparkchefin Imke Heyter vor dem Herdenschutz-Schaugehege im Wildpark Schorfheide | Bild: rbb/Elke Bader

Elektrozaun und Herdenschutzhunde

Ein perfekt gebauter Elektrozaun ist für Schäfer Knut Kucznik der beste Schutz gegen den Wolf. "Wenn man es noch besser haben will investiert man in einen Herdenschutzhund", sagt er. Die Herdenschutzhunde reagieren sofort auf den Wolf und vertreiben ihn, erzählt der Schäfer. Wenn sich Besucher mit Hunden dem Herdenschutzgehege nähern, dann kommen die Pyrenäenberghunde auch angelaufen und bellen sogar. Sobald sie aber feststellen, dass es friedliche Hunde sind, wenden sich die Herdenschutzhunde ab. "Diese Hunde haben Publikumsverkehr im Blut", sagt Kucznik.

Schäfer wollen Unterstützung

Problem für die Schäfer ist jedoch der Unterhalt. 2.500 Euro kostet ein Herdenschutzhund an Unterhalt im Jahr. Schäfer Kucznik hofft auf Unterstützung vom Land Brandenburg. "Das Land hat die Förderrichtlinie schon in der Schublade. Wir warten händeringend darauf, dass endlich der Unterhalt der Hunde vom Land bazahlt wird", sagt er. Denn auch das habe sich gezeigt: Herden mit Herdenschutzhunden hätten weit weniger Wolfsangriffe.

Umweltminister macht Hoffnung

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) macht den Schäfern am Freitag bei der Eröffnung des Schaugeheges Hoffnung, dass die Förderung bald kommen wird. Jahrelange Diskussionen mit dem Schafzuchtverband zum Thema Wolfsschutz und Finanzierung hätten sich dann gelohnt. "Wir finanzieren die Elektrozäune, wir übernehmen die Futterkosten und künftig wollen wir auch eine Weideprämie zahlen, so dass die Schäfer über den Mindestlohn kommen", verspricht Minister Vogel.

Vorbild für andere Bundesländer

Das Erste Schaugehege Deutschlands hat sich schon herumgesprochen. Wildparks in anderen Bundesländern denken darüber nach, solche Schaugehege nach Brandenburger Vorbild nachzubauen.

Beitrag von Elke Bader

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