Die ehemalige Brennerei hat die Stadt Bernau zur Brauerei umgebaut.
Audio: Antenne Brandenburg | 20.08.2020 | Autor: Robert Schwaß | Bild: rbb / Robert Schwaß

Landkreis Barnim - Wie Braugenossen das Bier zurück nach Bernau bringen

Im Mittelalter wurde in Bernau in fast jedem zweiten Haus Bier produziert. Jetzt wird die Brautradition wiederbelebt. Dafür wurde eigens eine Genossenschaft gegründet. Gebraut wird auf einem alten Gutshof. Von Robert Schwaß

Auf diesen Moment haben die Bernauer Braugenossen lange gewartet: Knapp fünf Jahre nach der Gründung einer Genossenschaft wird nun offiziell wieder Bier in Bernau gebraut. Gegärt und gelagert wird der Gerstensaft auf einem Gutshof im Ortsteil Börnicke.

Auf dem historischen Areal wurde im 19. Jahrhundert ursprünglich eine Schnapsbrennerei gebaut. Über zehn Jahre stand das Gebäude leer, jetzt wurde es zu einer Brauerei umfunktioniert. Entstanden ist neben dem Sudhaus und Braukeller auch ein Gastraum samt Außenbereich für besondere Anlässe.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Weil es in Bernau kein Bier aus eigener Produktion gab, gründete sich 2016 die Erste Bernauer Braugenossenschaft. Durch deren inzwischen rund 520 Mitglieder sowie Fördermittel wurde die Renovierung des Gutshofes finanziert. Wegen des Denkmalschutzes war der Umbau eine große Herausforderung, verrät Frank Dietrich, Vorsitzender der Genossenschaft. "Die Sud- und Gärtanks haben nicht durch die Türen gepasst. Wir haben das Dach geöffnet und die Anlagen mit einem Kran in das Gebäude gehoben." Auch der Braubetrieb wird ehrenamtlich durchgeführt, sagt Dietrich, der eigentlich als Elektromeister arbeitet. Gebraut wird nach eigener Rezeptur.

 

Bierbrauen in Bernau hat Tradition

Schon bei der Gründung der Hussitenstadt spielten Hopfen und Malz eine große Rolle. Laut einer Sage wurde Bernau nur aufgrund der guten Qualität des Bieres gegründet, verrät Bernd Eccarius, langjähriger Leiter des Heimatmuseums. "Aus historischen Dokumenten geht hervor, dass Bernau von Anfang an das Braurecht hatte."

Im Mittelalter gab es in der Hussitenstadt 146 Braustellen, "in jedem zweitenHaus wurde also Bier gebraut", so der Historiker. Bekannt war die Stadt vor allem für sein Schwarzbier, welches schon damals überregional exportiert wurde. Aber bereits 1912 schloss das letzte bürgerliche Brauhaus. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs und der Kriegszwangswirtschaft 1939 wurde die Produktion dann komplett eingestellt.

Braugenosse Frank Dietrich in den neu entstandenen BraukellernBraugenosse Frank Dietrich im neu entstandenen Braukeller

An die Geschichte anknüpfen

Anfang August erhielt die Bernauer Braugenossenschaft nun das offizielle Braurecht durch die Stadt. Neben einem Schwarzbier werden derzeit zwei weitere Sorten hergestellt. Bis zu 1.000 Hektoliter sollen jetzt jährlich gebraut und in lokalen Gaststätten und Supermärkten angeboten werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.08.2020, 14:40 Uhr

Beitrag von Robert Schwaß

2 Kommentare

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  1. 2.

    Hallo "Icke",

    vielen Dank für Deinen netten Kommentar! Wir werden uns von niemanden kaufen lassen - aber unseren naturtrüben, unfiltrierten und super leckeren Gerstensaft zur Freude unserer Mitglieder - mittlerweile 542 Tendenz weiterhin steigend - weiter brauen. Dafür sorgt unser unermüdlich tätiger Braumeister und die Nachfrage unserer Mitglieder und der ständig wachsenden Fangemeinde. Komm uns doch einfach mal in Börnicke (freitags von 17.00 Uhr; samstags und sonntags von 12.00 Uhr) besuchen und probiere unsere drei Sorten aus. Frag dann am Tresen einfach nach Jörg und wenn Du Glück hast, bin ich auch da. Dann halte ich eine Überraschung für Dich bereit. Du kannst auch gern interessierte Freunde mitbringen.

    Viele Grüße, Jörg (Mitglied des Vorstandes)

  2. 1.

    Liebe Brandenburger Nachbarn, dann Braut bitte etwas besseres als z.B. Das Radeberger Kopfschmerzgebräu.... Lasst euch nicht von den Großkonzernen einschüchtern und erst recht nicht kaufen! Macht allein euer Ding... und das bitte besser als die! (was recht einfach sein sollte!) ;-)

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