Schüler steigen in einen Bus in Oder-Spree.
Audio: Antenne Brandenburg | 13.08.2020 | Autor: Tony Schönberg | Bild: rbb / Brandenburg Aktuell

Schulstart mit Corona - Eltern beklagen überfüllte Schulbusse in Brandenburg

Die Hygiene-Vorgaben für Schulen in Brandenburg sind streng, doch auf dem Schulweg sind sie kaum umsetzbar. Gerade auf langen Strecken im ländlichen Raum sitzen und stehen die Kinder in vollen Bussen. Von Tony Schönberg

Zusammen mit seiner Mutter steht der sechsjährige Arthur am Donnerstag, kurz vor sieben an der Bushaltestelle in Frankfurt (Oder). Auf die Schule hat er sich schon so lange gefreut. Die Freude ist aber schnell vorbei, als er in den Bus Richtung Beeskow steigt. Der ist nämlich schon dicht gedrängt und Arthur muss die ganz Fahrt stehend im Gang verbringen.

Schockiert über die Zustände war Arthurs Mutter Jessica Rockstätt. Schließlich hatte sie ihren Sohn zuvor über Hygieneregeln und die Maskenpflicht in der Schule aufgeklärt. Im Bus spielt das kaum eine Rolle, denn an genügenden Abstand zwischen den Schülern ist gar nicht zu denken: "Dem ist das auch zu eng. Die haben sich am ersten Tag zu dritt an einem Haltegriff festgehalten, und das funktioniert nicht. Und dann sind ihm die Leute alle zu dicht gekommen. Von hinten hat es gewackelt und von hinten hat jemand geschubst."

Landesweites Problem

Am vierten Tag des normalen Schulbetriebs erreichen René Mertens, Vorstand des Landesrates der Eltern, aus allen Landkreisen Beschwerden und Probleme, die mit den neuen Corona-Bedingungen zusammenhängen: "Generell machen sich die Eltern große Sorgen, um die Umsetzung der Hygieneregeln und gerade im Schulbus sind sie eng gedrängt zusammen."

Laut Mertens ist die Linie zwischen Frankfurt und Beeskow kein Einzelfall. Vor allem im ländlichen Raum, wo Kinder längere Strecken mit dem Bus zur Schule fahren, drängen sich die Kinder in den Bussen. "Das Problem mit den zu vollen Schulbussen hatten wir aber schon vor Corona. Die Kinder müssen stehen und es hat nichts mit Sicherheit zu tun!"

Schon seit Jahren fordert der Landesrat der Eltern für den Überlandverkehr in Brandenburg feste Sitzplätze und mit Anschnallgurt für den Überlandverkehr.

Eltern fordern weitere Linien

Problematisch sieht auch Barbara Melcher die übervollen Bussen. Sie führt aus, dass der Bus grundsätzlich das sicherste Verkehrsmittel auf dem Weg zur Schule ist: "Die Situation ist heikel, wenn die Kinder nicht sitzen oder stehen können. Das Problem ist, dass der Bus eine begrenzte Kapazität hat." Die Elternratsvertreter Mertens und Melchar fordern mehr Linienbusse vor allem in den Morgenstunden, wenn die Kinder alle zur gleichen Zeit zur Schule müssen.

Bis es soweit ist will Arthurs Mutter, Jessica Rockstätt, wie auch viele andere Eltern, ihr Kind selbst zur Schule begleiten: "Ich arbeite in Frankfurt (Oder) und muss dann jeden Morgen nach Müllrose fahren, mein Kind absetzen, damit er sicher zur Schule kommt und fahre dann zur Arbeit."

Auf rbb-Anfragen hat das Schulverwaltungsamt und das Busunternehmen bisher nicht reagiert. Ein Bahnsprecher wies darauf hin, dass die Busse regelmäßig gereinigt werden und ein Mund-Nase-Schutz zu tragen ist.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

6 Kommentare

  1. 6.

    Als ob Politiker nachdenken oder gar planen würden.

  2. 5.

    Da haben Sie Recht, Die Behörden hätten sich sich schon längst darauf einstellen können.
    Es müssen mehr Busse eingesetzt werden.

  3. 4.

    "Die Situation ist heikel, wenn die Kinder nicht sitzen oder stehen können." Was machen sie denn dann - liegen?

  4. 3.

    Haha, Angst frisst die Gesellschaft auf.

  5. 2.

    Corona haben wir nun schon einige Monate. Wir wissen auch, das im August die Schule wieder beginnen soll. Bekannt ist auch, das die Schüler trotz Corona das Fliegen nicht gelernt haben sondern dazu Busse nötig sind. Macht sich von den Verantwortlichen keiner Gedanken ob die Plätze unter den erschwerten Bedingungen ausreichend sind???? Was sitzen in unseren Behörden nur für Traumtänzer. Nichts läuft planmäßig, außer das wir den Problemen hinterher laufen.

  6. 1.

    Deswegen fangen bei uns aufm Kaff die Schulen immer schon gestaffelt an. Und in Coronazeiten sogar innerhalb der Schulen unterschiedlich. Bringt natürlich nix, wenn die Kinder trotzdem zur gleichen Zeit von den Eltern an den Bus gebracht werden. Oder nur ein Bus pro Stunde geht.
    Aber im Klassenraum wird ja eh alles bunt gemischt und ohne Maske.

Das könnte Sie auch interessieren

092320-AN-kompakt-FFO
Studio Frankfurt (Oder)

Aus dem Studio Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 23. September 2020

+++ Erörterungstermin zu neuen Tesla-Unterlagen in der Stadthalle Erkner +++ Heute nochmal sommerliche Temperaturen +++ Restaurantbesuche in der kalten Jahreszeit trotz Corona? +++ Kommentar zu den Plänen von Tesla-Chef Elon Musk +++ Frankfurter Corona-Test-Labor zu aktuellen Infektionszahlen +++ Wir halten zusammen – eine Aktion von Antenne Brandenburg +++