Die Muslima Katrin Rautenberg in der Moschee in Frankfurt (Oder).
Audio: Antenne Brandenburg | 13.08.2020 | Autorin:Uta Schleiermacher | Bild: rbb / Uta Schleiermacher

Muslime in Frankfurt (Oder) - "Fürs Freitagsgebet könnten wir uns mehr Platz wünschen"

Jahrelang haben Muslime in Frankfurt (Oder) in einer Turnhalle gebetet - Anfang März konnten sie nach langer Suche einen eigenen Gebetsraum beziehen. Doch die Pandemie stellt die junge Gemeinde vor neue Probleme. Von Uta Schleiermacher

Die draußen vorbeirauschenden Autos sind nicht zu überhören. Jedes Mal, wenn die Tür zum Gebetsraum aufgeht, sich ein weiteres Gemeindemitglied zum Freitagsgebet einfindet und in der offenen Tür beim Eintreten die Schuhe auszieht, mischen sich Verkehrsgeräusche in den Klang des Gebetsrufs.

Hinter dem Raumteiler

Drinnen stellt sich für die Gemeindemitglieder trotzdem schnell ein Gefühl von Andacht ein, sagt Katrin Rautenberg aus dem Vorstand vom Frankfurter Verein "Muslime an der Oder". Sie ist schon etwas früher gekommen. "Und zwar ist es Sunnah, also Traditon, zwei Gebetseinheiten zusätzlich als Begrüßungsgebet zu verrichten, wenn wir die Moschee betreten", sagt sie. "Der Freitag ist nach unserem Glauben auch der Tag des jüngsten Gerichts, der Freitag für uns also wie ein Feiertag, deswegen versammeln wir uns in der Moschee und verrichten gemeinsam das Gebet."

Rautenberg betet abgeschirmt von den anderen Gemeindemitgliedern hinter einem Raumteiler aus Transparentpapier. Sie ist die einzige Frau, die regelmäßig am Freitagsgebet teilnimmt. Für Frauen ist das auch nicht verbindlich, erklärt sie.

Beten in der Mittagspause

Für Männer dagegen schon: Viele legen ihre Mittagspause daher so, dass sie zum Freitagsgebet in den Gebetsraum kommen können. Einige bleiben auch nur kurz, für den Pflichtteil des Gebets, sagt Mohammed Tarek Alsabbagh, Vorstansvorsitzender des Vereins "Muslime an der Oder". "Das Gebet findet zu einer bestimmten Zeit statt. Jeder Teilnehmer muss mit dem Arbeitgeber verhandeln", sagt er. "Ich mache zum Beispiel gerade ein Praktikum in einem medizinischen Labor in Frankfurt. Ich mache das Gebet in meiner Pause", erklärt der 28-Jährige, der seit vier Jahren in Frankfurt lebt. "Und das klappt sehr gut."

In der Predigt geht es diesmal darum, wie schnell das Leben vorbeigeht, übersetzt Katrin Rautenberg. Sie ist vor Jahren zum Islam konvertiert und hat inzwischen Arabisch gelernt. "Der Imam sagt, dass einen der Tod überall einholen kann - das ist wichtig, weil wir daran auch unser Leben ausrichten", sagt sie. Sie denkt dabei auch an die Explosionskatastrophe von Beirut, die ebenfalls gezeigt habe, wie schnell es Unschuldige treffen kann.

Freitagsgebet in der Moschee in Frankfurt (Oder).

"Mit Deutsch hätten wir eine gemeinsame Ausgangsbasis"

Der Imam predigt auf Arabisch – Rautenberg wünscht sich auf lange Sicht Deutsch als gemeinsame Sprache im Freitagsgebet. "Hier in die Moschee laden wir alle ein, und das bedeutet auch, dass Menschen aus allen möglichen Sprachgemeinschaften herkommen", sagt sie, etwa Syrisch, Tunesisch oder andere Dialekte des Arabischen, aber auch Sprachen wie Persisch oder Russisch. "Mit Deutsch hätten wir dann eine gemeinsame Ausgangsbasis und können uns alle gegenseitig verstehen und auch untereinander besser miteinander sprechen." Die anderen Gemeindemitglieder sähen das ähnlich.

Während der Pandemie hatte die junge Gemeinde Predigten per Video-Stream übertragen. Nun sind die Gemeindemitglieder froh, dass sie sich wieder versammeln dürfen. Auch das Opferfest, der höchste Festtag der muslimischen Feiertage, hatten sie schon wieder in größerer Runde auf dem Frankfurter Brückenplatz mit einem Festgebet und Kinderprogramm feiern können - neben der alten Turnhalle, die der Verein bis März als Gebetsraum nutzen konnte.

Aufbauhilfe vom Land

Der Verein wird finanziell vom Land beim Aufbau der Gemeindearbeit unterstützt: Als Aufbauhilfe bekommen sie rund 8.000 Euro im Jahr. Sie konnten schließlich eine ehemalige Steinmetz-Werkstatt nicht weit vom Frankfurter Bahnhof umbauen: einen flachen, langgestreckten Raum, der nun mit Waschmöglichkeiten, Teppich und Lüftung ausgestattet ist. Den neuen Gebetsraum nutzen sie nicht nur für Gottesdienste. Hier treffen sich auch Gemeindemitglieder, um gemeinsam den Koran zu lesen, außerdem findet regelmäßig Religionsunterricht für Kinder statt.

Abstand im Gebetsraum

Inzwischen kommen nach Auskunft von Katrin Rautenberg meistens mindestens 50 Menschen zum Freitagsgebet - zumindest für den Pflichtteil, der vielleicht zehn Minuten dauert. Auf dem Teppichboden, auf dem schwarze Streifen die Himmelsrichtung anzeigen - und damit die Richtung des Gebets gen Mekka - hat der Verein mit Klebestreifen Abstandsmarkierungen gesetzt. "Wir müssen den Abstand einhalten, das ist ganz wichtig", betont der Vorsitzende Alsabbagh. Der Verein hatte außerdem bereits zur Eröffnung im März eine moderne Lüftungsanlage eingebaut, wegen Corona hängen nun zusätzlich noch Ventilatoren mit großen Rotorblättern unter der Decke.

"Fürs Freitagsgebet könnten wir uns etwas mehr Platz wünschen", sagt Rautenberg. "Aber wir sind sehr dankbar, dass wir den Raum jetzt haben, wir machen das Beste daraus." Doch mit den Abstandsregelungen ist der gerade neu eingerichtete Gebetsraum fast schon wieder ein bisschen zu klein für die Frankfurter Gemeinde.

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