LesBiSchwulen Stand in Storkow 3
Audio: Antenne Brandenburg | 24.08.2020 | Uta Schleiermacher | Bild: Uta Schleiermacher/ rbb

Für Vielfalt, Akzeptanz und Vernetzung in Oder-Spree - LesBiSchwule-Tour unterwegs durch Ostbrandenburg

"Brandenburg bleibt bunt" lautet das Motto der LesBiSchwulen-Tour 2020. Die LGBTIQ*-Antidiskriminierungskampagne ist am Wochenende in Potsdam gestartet und geht nun mit weiteren Stationen durch Oder-Spree. Von Uta Schleiermacher

Auf dem Markt in Storkow (Oder-Spree) ist am Montag zwischen den üblichen Händlern ein ganz besonders bunter Stand zu finden. Geschmückt mit Glitzer und Regenbogenfähnchen gibt es hier - statt Obst und Gemüse - Informationen zu lesbischem, schwulem und queerem Leben in Berlin und Brandenburg. Denn der Info-Stand ist Teil der "LesBiSchwulen Tour" 2020.

"Brandenburg bleibt bunt"

Die geht in diesem Jahr durch den Landkreis Oder-Spree und steht unter dem Motto "Brandenburg bleibt bunt". Ziel der Tour ist es, für die Akzeptanz von queeren Lebensweisen zu werben und diese auch in kleineren Städten sichtbar zu machen. Mitorganisator Eric Fattler zufolge ist es sinnvoll sich wie in Storkow an die Wochenmärkte zu hängen. So finden sich am Stand Flyer, Aufkleber und Broschüren über schwule oder lesbische Veranstaltungen und Netzwerke in Brandenburg. Auch zur sogenannte Regenbogen-Familien und queerer Jugendarbeit liegen Informationen aus.

Vernetzung und Engagement

Vernetzung sei wichtig. Ebenso wie sich auch außerhalb des eigenen Kreises zu engagieren, so Fattler. "Manche Leute wollen einfach unter sich einen Treffpunkt schaffen. Andere wollen auch draußen etwas machen, wissen vielleicht aber auch gar nicht, wie das zu schaffen ist. Andere wollen sich mehr in die Politik begeben." Es gehe auch darum, das Gefühl zu vermitteln, mit dem Wunsch, etwas bewegen zu wollen, nicht allein zu sein.

Aus diesem Grund ist die Tour nicht nur auf den Wochenmärkten unterwegs. Die Beteiligten geben Workshops in Schulen und Jugendklubs, halten Lesungen in Bibliotheken und bieten Diskussionen sowie Filmvorführungen an. Im Filmtheater Union in Fürstenwalde ist am Dienstag etwa ein Film zu 15 Jahren LesBiSchwule Tour durch Brandenburg zu sehen.

Lesen in lebendigen Büchern

Auch auf dem Markt in Storkow können sich die Besucher nicht nur anhand von Zetteln über das Leben von Schwulen, Lesben und trans Personen informieren. Dort gibt es "lebendige Bücher". Das sind laut Lars Bergmann, Geschäftsführer vom Landesverband Andersartig und Organisator der Tour, Menschen, die den Interessierten ihre Fragen beantworten. Bergmann sagt: "Am Info-Stand sind viele unterschiedliche Leute mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen, die bereitstehen auch zu sehr unterschiedlichen Themen Auskunft zu geben."

So könne man sich im Rahmen der lebendigen Bibliothek "Bücher ausleihen" und Themen, wie etwa schwul sein, den persönlichen trans Weg oder Rassismus-Erfahrungen besprechen. Laurenz Max Kampa ist eins dieser lebenden Bücher. Der 19-Jährige ist aktiv im queeren Jugendnetzwerk Lambda, das ebenfalls an der Tour beteiligt ist, und beantwortet alle Fragen zum Thema trans. "Woran ich es gemerkt habe, wie meine Familie reagiert hat oder wie ich jetzt damit umgehe", sagt Kampa. Wie in jeder Leihbibliothek gelten aber auch bestimmte Regeln. Beispielsweise, dass alle Fragen respektvoll bleiben sollten.

Die Marktbesucher reagieren allerdings ganz unterschiedlich auf den etwas anderen Stand mit den zwei Lautsprechern. Viele nehmen die Flyer mit. Vereinzelt bleiben Menschen wie Kerstin Bartels auch länger interessiert am Stand stehen. "Ich finde es toll, dass die Aktion stattfindet", sagt sie. Gerade in kleineren Städten und auf dem Land hätten Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bi oder trans definieren noch mehr Akzeptanz nötig. Andere Marktbesucher ignorieren den Stand oder fühlen sich von der Musik gestört.

LesBiSchwulen Stand in Storkow 2Info-Material am Tourenstand in Storkow

Storkow zeigt Flagge

Dabei hat die Tour am Montag in Storkow auch einen prominenten Gast: Anastasia Biefang. Sie ist bei der Bundeswehr Kommandeurin des Informations-Bataillons in Storkow (Mark) und selbst trans. Als Storkows Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) Montagmorgen die Regenbogenflagge vor dem Rathaus hisste, war sie dabei. "Ich freu mich darüber, weil es in jedem Raum wichtig ist, Sichtbarkeit zu zeigen und auch zu zeigen, dass unser Staat auch Vielfalt, Gleichberechtigung und Wertschätzung für alle Lebensweisen unterstützt", sagt Biefang. Sie plant, die Tour-Gruppe am Abend noch einmal zu treffen, um sich weiter zu vernetzen.

Die Tour macht Station

Am Dienstag geht die Tour in Fürstenwalde weiter. Am Mittwoch wird dann in Erkner, anschließend in Eisenhüttenstadt und am Freitag in Frankfurt (Oder) Halt gemacht. An der letzten Station wollen sich die Organisatoren dann mit der Gruppe vernetzen, die am 5. September den ersten Christopher-Street-Day in Frankfurt veranstaltet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.08.2020, 16:40 Uhr

Beitrag von Uta Schleiermacher

6 Kommentare

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  1. 6.

    Kann man denn dieses Thema nicht mal langsam als Normalzustand abschließen? Warum müssen diese Menschen ihre Geschlechterrolle immer noch in der Öffentlichkeit repräsentieren? Die Gesellschaft wurde doch in den letzten Jahren ausreichend aufgeklärt.
    Ich persönlich kann diesen übertriebenen Aktivitäten nichts abgewinnen . So lange die Mitmenschen nicht belästigt werden, ist doch alles in Butter.

  2. 5.

    Mag sein, dass das Thema omnipräsent ist! Sie könnten aber auch mal überlegen warum! Diese Menschen werden leider oft beschimpft, bespuckt und geschlagen! Darauf machen sie aufmerksam! Niemanden geht es etwas an und niemand hat das recht sich darüber zu erregen! Ein Urteil (im Sinne von Gerichtsurteilen) hat schon gar niemand zu fällen und doch nehmen sich das viele, viel zu viele, einfach heraus!

  3. 4.

    Frei nach Friedrich den II: "Jeder nach seiner Fasson" Der eigentliche Ausspruch bezog sich zwar auf die verschiedenen Religionen, aber steht für einen Weltoffenen, Modernen Staat im Herzen Europas! (natürlich im Kontext der Zeit) Ich frage mich, warum es gerade hier (BB) immer noch zu Anfeindungen und Übergriffen gegen "Andersliebende" kommt!? Eigentlich war unsere Region von der Mark Brandenburg/Kurbrandenburg, dem Königreich Preußen bis in die heutige Moderne weltoffen! (außer 12 Jahre Dunkelheit) Viele beschwören die alten Tugenden, warum tun sich aber einige so schwer mit der freien Liebe und Partner*rinnenwahl?

  4. 3.

    Daumen hoch, tolle Aktion!

  5. 2.

    Die drei Prozent machen sich viel zu wichtig und deswegen könnte das Ganze einen Schuß in den Ofen bedeuten.

  6. 1.

    Eine gute und sinnvolle Sache!

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