Feuerwehr BER Andreas Klupsch 5
Audio: Antenne Brandenburg | 16.10.2020 | Dagmar Lembke | Bild: rbb

Porträt | Chef der Flughafen-Feuerwehr - "Alle warten, dass es jetzt losgeht"

Lichterloh schießen die Flammen aus einem Flugzeug auf dem Rollfeld des Flughafens Schönefeld. Die Feuerwehr rast im Eiltempo mit dem Leiterwagen zum Einsatzort. Innerhalb von drei Minuten muss die Mannschaft spätestens überall zur Stelle sein können. Im Ernstfall geht es um Leben und Tod.

Kaum angekommen, richten sich die beiden Wasserspritzen an der Front des Fahrzeugs auf das Inferno und die Löscharbeiten beginnen. Durch den Sprühnebel, der sich entlang des Druckwasserstrahls bricht, glitzert ein Regenbogen in den Tropfen. Romantik ist allerdings fehl am Platz, denn hier wird regelmäßig der Notfall trainiert.

Der verantwortliche Feuerwehr-Chef Andreas Klupsch steht am Rand und beäugt die Abläufe seiner Truppe kritisch. Zufrieden sagt er: "Ich denke, wir konnten eindrucksvoll beweisen, dass wir so die halbe Fläche, die da gezündet wurde, auch unter Realbedingungen ablöschen konnten. Die Kollegen haben die Windrichtung beachtet, sind von der richtigen Seite rangefahren, haben sich gut abgesprochen. Aus meiner Sicht haben sie alles richtig gemacht."

"Stress können wir nicht trainieren"

Seit 1991 arbeitet Andreas Klupsch bei der Flughafen-Feuerwehr. Erst in Tempelhof, dann in Schönefeld. "Von Kindheit an wollte ich zur Feuerwehr und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Es ist in der Tat mein Traumberuf. Und ich fahre selbst nach 30 Jahren immer noch jeden Morgen gern zur Arbeit."

Seit 2017 ist Andreas Klupsch der Chef der zweitgrößten Flughafenfeuerwehr Deutschlands mit 295 Leuten. Im Augenblick steuern sie auf die Inbetriebnahme des BER zu. Flugzeugbergung, Brandschutz in 145 Gebäuden und in unterirdischen Bahnanlagen müssen im Notfall reibungslos funktionieren. "Wie sie mit dem Stress bei einem Echt-Einsatz umgehen, dass können wir nicht wirklich antrainieren. Wir können an der Attrappe und dem heißen Feuer üben, aber da gibt es keine schreienden Passagiere, keine Flüchtenden oder Brandopfer."

Feuerwehr BER Andreas Klupsch 1Flugzeug-Attrappe zur Brandübung

Drei Feuer-Wachen gibt es auf dem BER. In der Hauptwache West ist die Leitstelle, in der jeweils fünf Leute im Schichtsystem das Flugfeld und die Gebäude beobachten. Dem Chef zufolge gab es eine intensive Vorbereitungs-Phase und viel für den Probebetrieb. "Alle warten jetzt, dass es losgeht." Mit seinem Stellvertreter Ernest Schaal bereitet Klupsch derzeit noch die Feuerwehr in Tegel auf den Umzug vor. Am 31. Oktober soll der Flughafen eröffnet werden.

Die Mischung macht's

Geboren wurde Klupsch 1966 in Berlin-Treptow, heute lebt er jetzt in Waldsieversdorf im Landkreis Märkisch-Oderland. Ein Ostdeutscher, der als Führungskraft arbeitet. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das noch eher selten. "Vielleicht war ich zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Ansonsten bin ich schon ehrgeizig und auch fleißig. Außerdem denke ich mit einer gewissen Portion Selbstbewusstsein und bin mit fachlichem Feuerwehr-Grundwissen beschlagen. Die gesunde Mischung macht es aus, dass man diese Position ausfüllen kann."

Abschalten in der Märkischen Schweiz

Er ist ein ausgeglichener Kumpel-Typ mit wachem Blick durch seine Brille und immer einem Lächeln im Gesicht. Kraft holt er sich in zu Hause in Waldsieversdorf, etwa eine Stunde Fahrzeit vom Flughafen entfernt. Durch seine Frau hat es Klupsch hierhin verschlagen. "Ich freue mich, wenn ich die Stadtgrenze hinter mir lasse und den Alltag nach unzähligen Telefonaten, E-Mails, den Sorgen der Mitarbeiter und den Problemen am Flughafen einfach mal abfallen lassen kann."

Doch ganz ohne Feuerwehr kann er aber auch in seiner Freizeit nicht, denn Klupsch ist auch noch Chef der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort. Doch die größte Herausforderung wartet Ende des Monats auf den passionierten Brandbekämpfer.

Beitrag von Dagmar Lembke, bearbeitet von Tony Schönberg

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.10.2020, 15:10 Uhr

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