Menschen in Krakow, Polen demonstrieren am 27. Oktober 2020 gegen das geplante Abtreibungsgesetz. (Quelle: dpa/Beata Zawrzel)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.10.2020 | Robert Schwaß | Bild: dpa/Beata Zawrzel

Wegen Abtreibungsgesetz - Frauen in Polen rufen erneut zum Streik auf

Polen ist nach wie vor in Aufruhr. Das vom Verfassungsgericht beschlossene, verschärfte Abtreibungsverbot sorgt für Streit im Nachbarland. Im polnischen Parlament, dem Sejm, blockierten Oppositionspolitiker am Dienstag das Rednerpult und landesweit demonstrieren tausende Menschen auf den Straßen. Für Mittwochabend hat die feministische Bewegung "Strajk Kobiet" (Deutsch: Frauenstreik) Frauen aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.

"Wir müssen selbst die Wahl haben"

Auch in Frankfurts Nachbarstadt Słubice sorgt das verschärfte Abtreibungsverbot nach wie vor für Unmut. Bereits am vergangenen Montag gingen deshalb bereits knapp 500 Einwohner gegen das Gesetz auf die Straße. Abtreibungen sollen jetzt auch bei Fehlbildungen von ungeborenen Kindern illegal sein. Das geht zu weit, sagt Demonstrantin Alicia Gorczak. Sie sagt: "Niemand will in dieser Situation sein. Aber wenn es darum geht abzutreiben oder nicht, dann sollte jede Frau selbst entscheiden können. Das ist eine kontroverse Frage, aber wir müssen selbst die Wahl haben."

Frauen legen Arbeit und Lehre nieder

Die Słubicerin Alicia Gortczak lernt am Frankfurter Gymnasium. Deshalb nimmt sie am erneuten Streik nicht teil. Dafür ist ihre Schwester bei der Kundgebung am Mittwoch dabei. Sie ist Studentin in Polen und verweigert die Vorlesungen. "Meine Schwester streikt auf diese Art und Weise", so Alicia. "Der Unterricht in Universitäten und Schulen findet aktuell meist online statt. Und die Frauen nehmen nicht an den Seminaren teil. Auch das ist eine Form des Protestes."

In ganz Polen ruft die Frauenbewegung "Strajk Kobiet" nun dazu auf, die Arbeit niederzulegen. In der Grenzstadt Slubice sind viele Händler und Dienstleister von Kunden aus Deutschland abhängig. Friseurin Aleksandra unterstützt den Protest, auch wenn sie arbeitet. "Sie müssen nicht zur Arbeit. Viele Frauen haben die Erlaubnis ihrer Chefs, dass sie protestieren dürfen und nicht arbeiten."

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.10.2020, 16:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Wenn von Gemeinschaftsseite aus erkannt wird, dass auch so bezeichnete missgebildete Menschen Menschen sind - was ich grundsätzlich und voll und ganz teile - dann darf eine Gemeinschaft die Betreffenden darin nicht alleine lassen. Menschen sind in der Erziehung stark behinderter Menschen ggf. zum großen Teil überfordert und von daher sollte es eine Selbstverpflichtung geben, sie ersatzweise und unproblematisch in Obhut zu nehmen.

    Mein Eindruck: Hier soll mal wieder von Staats wegen eine Abwälzung passieren, es soll sich aus der Affäre gezogen werden und das nenne ich ideologisch.

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