Marcello Spindler reißt Karten ab für die Show in Prenzlau.
Audio: Antenne Brandenburg | Georg-Stefan Russew | 26.10.2020 | Bild: rbb / Georg-Stefan Russew

Corona-Krise - Circus Berolina in Prenzlau hat zu kämpfen

85 Jahre Zirkusgeschichte feiert der Circus Berolina in diesem Jahr. In Prenzlau fand die letzte Vorführung in dieser Saisaon statt. Doch alle Rücklagen für den Winter sind durch die Corona-Zwangspause aufgebraucht. Von Georg-Stefan Russew

Noch einmal große Show im Circus Berolina. 300 Prenzlauer klatschen und gehen mit, bevor im ehemaligen Staatszirkus der DDR auf der Tour 2020 am Sonntag in der Uckermark die Lichter ausgehen. Mit Sack und Pack geht es jetzt nach Hause nach Schönefeld und niemand weiß, ob das Zirkuszelt je wieder aufgestellt werden kann.

2020 hätte ein besonderes Jahr werden sollen für den Circus Berolina. Schließlich stand der 85. Geburtstag an und die sechs Jahrzehnte zurückliegende Gründung des DDR-Staatszirkus. Zusätzlich hat die Familie Spindler vor 25 Jahren das Erbe des Zirkus angetreten. Doch in Corona-Zeiten geht es bei vielen Artisten und Dompteuren ums nackte Überleben.

Zirkus unter Corona-Bedingungen

Statt 1.200 Besuchern zu emfpangen, verkauft der Zirkus pro Vorstellung nur 300 Karten, um den Mindestabstand zu gewährleisten. Doch die Kosten bleiben die gleichen und die Preise haben sie nicht erhöht. Zirkussprecher Marcello Spindler erklärt, dass sie in dieser Saison ursprünglich 40 Städte ansteuern wollten, es jedoch nur acht geworden sind: "Wir haben die Tournee gestartet in Ludwigsfelde, dann ging es weiter nach Brandenburg. Doch während dieses Gastspiels mussten wird schon unterbrechen - und dann ging es erst Mitte Juli weiter. Das reicht nicht um diesen Rückstand aufzuholen."

Da wegen der unsicheren Auftrittslage Auftragsschließungen mit externen Artisten auch schwieriger wurde, treten die Zirkus-Familienmitglieder in mehren Rollen auf: Marcello Spindler ist beispielsweise als Artist und auch als Clown zu sehen.

Zirkus Berolinas letzte Show 2020 in Prenzlau.

Rücklagen und Soforthilfe aufgebraucht

Fünf Monate konnte der Zirkus wegen des Lockdowns nicht spielen. Doch die rund 50 Tiere mussten auch gepflegt werden. Die Corona-Soforthilfe von 9.000 Euro war nach zwei Wochen schon verfüttert. "Die Einnahmen waren direkt auf Null, wir hatten Kosten, die weiterliefen", erzählt Spindler, "Wir haben versucht mit dem Ersparten für Neuanschaffungen die Tiere zu verpflegen. Es ist eine sehr harte Zeit, wir sind glücklich, dass wir noch ein paar Stationen weiter machen konnten, wir sind jedoch ängstlich, was den Winter angeht."

Knapp 30.000 Euro aus Rücklagen wurden aufgebraucht, die zum Überwintern gedacht waren. Spindler hofft, dass es nicht zum zweiten Lockdown kommt, damit die wenigen geplanten Auftritte vor Weihnachten im Winterquartier in Schönefeld stattfinden können.

Tradition aufrechterhalten

Marcello Spindler betont, dass der Zirkus ein schweres Pflaster sei. "Es kann sein, dass dieses alte Kulturgut immer mehr verschwindet", sagt er. Doch er hoffe, dass mehr Lösungen gefunden würden, damit mehr Hilfen für den Kulturbereich entstünden. Zusammen wollen sie alles geben, damit die Tradition nicht zu Ende geht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.10.2020, 14:00

Beitrag von Georg-Stefan Russew

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das ist ein Zirkus, der Elefanten hat und mit denen tolle Sachen macht, z.B. baden geht etc. (Also wenn vorstellungsfrei ist), auch auf der Homepage zu sehen, ich mag diese Tiere sehr und sie sind auch sehr verschmitzt: Vor einigen Jahren haben sich die Tiere bspw. beim Grasen in Falkensee wie selbstverständlich über die an den abgesperrten Freilauf angrenzenden Büsche hergemacht. War da bei Thomas Philipps einkaufen und staunte nicht schlecht, als ich wieder rauskam!
    Mich persönlich überzeugt, dass so viel für die Tiere gemacht wird und ich wünsche dem Circus, dass er die Weihnachtsvorstellungen in Waltersdorf noch geben darf. Vielleicht lässt ja der ein oder andere Zuschauer auch eine Spende da:
    Bei uns am Stadtrand haben im Sommer Artisten eines anderen Zirkusses, der -ebenfalls in Falkensee- "gestrandet" war, geklingelt und um Spenden gebeten. Keine Vorstellungen, kein Geld. Die haben sich so gefreut, obwohl ich so ad hoc nur ein bisschen Obst für Tier und/oder Mensch da hatte.

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