Symbolbild: Ein überraschter Frischling schaut dem Fotografen ins Objektiv (Quelle: dpa/ Lutz Gerken)
Bild: dpa/ Lutz Gerken

Schweinepest in Brandenburg - Infizierter Frischling außerhalb der Kernzone entdeckt

Erstmals ist im Landkreis Oder-Spree ein an Schweinepest verendetes Wildschwein außerhalb der Kernzone gefunden werden. Die Seuchenschutz-Gebiete werden nun ausgeweitet - mit Folgen für Landwirte und Schweinehalter. Von Sabine Tzitschke

Die Schweinepest breitet sich in Brandenburg in Richtung Westen aus. Im Landkreis Oder-Spree wurde im Bereich der Stadt Friedland ein mit ASP infiziertes Wildschwein entdeckt. Dies bestätigte das Gesundheitsministerium dem rbb. Nach Informationen des rbb-Studios Frankfurt (Oder) handelt es sich bei dem aufgefundenen Tier um einen Frischling. Dies lasse befürchten, dass auch die Mutter des Frischlings sowie die Geschwister bereits infiziert seien und die Tierseuche nun weitertragen, hieß es.

Weit außerhalb bisheriger Sperrzonen

Der tote Frischling war am 26. Oktober entdeckt worden und lag bei Klein Briesen. Damit liegt der Fund rund 25 Kilometer außerhalb der bisherigen beiden Sperrbezirke bei Neuzelle und Küstrin. Auch die bislang gezogenen festen Zäune auf mehr als 55 Kilometern Länge durch das Schlaubetal haben sich damit als keine Barriere gegen die Schweinepest erwiesen. Der Fund bedeutet auch, dass weitere Schweinehaltungsbetriebe in den weiteren Lockdown gehen müssen und ihr Fleisch nicht mehr vermarkten können, Einschränkungen gibt es auch für Landwirtschaftsbetriebe.

Damit entsteht außerdem eine neue Kernzone. Ausgeweitet werden muss jetzt auch das Gefährdungsgebiet und die Restriktionszone bis zur Spree. Ein Pufferbereich soll zukünftig bis nach Fürstenwalde reichen. Der Landkreis muss nun die Tierseuchen-Allgemeinverfügung entsprechend anpassen.

Neue Kernzone wird eingezäunt

"Die Restriktionszonen werden entsprechend angepasst und erweitert", sagte die Leiterin des ASP-Krisenstabes, Verbraucherstaatssekretärin Anna Heyer-Stuffer. Bei der weiteren Suche nach Fallwild in der Umgebung des Fundortes solle die Bundeswehr unterstützen. Um den Fundort werde ein neues Kerngebiet ausgewiesen. Es soll am Montag zunächst mit einem Elektrozaun eingezäunt werden, der später durch einen festen Zaun ersetzt wird.

"Auch wenn bislang sämtliche Ausbrüche in Brandenburg glücklicherweise aus den beiden bisherigen Kerngebieten nahe der polnischen Grenze stammen, war nicht auszuschließen, dass es durch die intensive Fallwildsuche weitere Funde auch außerhalb dieser Gebiete geben kann", sagte sie. "Nun kommt es darauf an, mit den bewährten Maßnahmen auch hier dafür zu sorgen, die Verbreitung der Tierseuche schnell einzugrenzen."

Zehn neue Funde im ersten Kerngebiet

Das Gesundheitsamt meldete am Freitag außerdem, dass neben dem einen Fund außerhalb der bisherigen Kernzonen zehn weitere Wildschweine positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet worden seien. Diese stammten aus dem ersten Kerngebiet im Landkreis Oder-Spree bei Neuzelle. Damit gibt es bislang insgesamt 114 bestätigte ASP-Fälle bei Schwarzwild in Brandenburg. 80 Prozent davon stammen aus dem Landkreis Oder- Spree, betroffen sind aber auch Gebiete in Märkisch-Oderland und dem Spree-Neiße. Der erste ASP-Ausbruch beim Schwarzwild war am 10. September 2020 amtlich festgestellt worden.

Märkisch-Oderland will keinen Zaun

Während das Land Brandenburg als eine Maßnahme gegen die Afrikanische Schweinepest einen Zaun entlang der Oder bauen möchte, hat nun auch die Stadt Seelow in Märkisch-Oderland Bedenken zu einem festen Zaun an der Grenze zu Polen geäußert. Zuvor hatte der Kreis immer wieder seinen Widerstand bekundet, unter anderem weil er Schäden am Deich und damit Mängel im Hochwasserschutz befürchtet.

Seelows Bürgermeister Jörg Schröder sagte dem rbb, er habe seine Zweifel, dass so ein Zaun die Tiere überhaupt wirklich aufhalten könne. "So massiv ist der Zaun nicht", sagte er. "Meiner Meinung nach sollte sich die Politik hier etwas zurückhalten und den Fachverstand einbeziehen, also mehr mit Jägern und Förstern sprechen, die davon mehr Ahnung haben, um die richtigen Maßnahmen durchzuführen", sagte Schröder. Nach den jetzigen Plänen soll der Zaun weiterhin errichtet werden. Die Kosten trägt das Land.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.10.2020 um 14:30

Beitrag von Sabine Tzitschke

5 Kommentare

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  1. 5.

    Mit Passkontrolle für Wildtiere, die vorher ein Visum beim zuständigen Forstamt beantragen müssen, oder was sind Ihre Gedanken?
    Ich schließe mich Alice (00:31) an, sie bringt es auf den Punkt.

  2. 4.

    Wie naiv ist man eigentlich???

    Mit der Schweinepest ist es wie mit Corona. Die ist längst viel weiter, als wir denken! Und die Leute staunen über jeden Fall, als wäre es ein Feuerwerk! Es ist nur Realität und es ist Natur. Die lässt sich vom Menschen nicht beherrschen!

  3. 3.

    Tja - Hühnergrippe, HIV, Vogelgrippe, BSE, T-Virus, AfD, ASP, TBC....
    Geschlossene Grenzen haben nie wirklich gegen ein entsprechend virulentes Erbgut - auch wenn es nur gedanklicher Natur ist, geholfen.

  4. 2.

    Da muss ich dem Seelower Bürgermeister zustimmen.
    Die halben Meter hohen blauen mobilen Zäune knicken bei jedem Wind um (Gorgast).
    Ob mitten auf dem Feld aufgestellt oder sie fallen durch das angestiegene Wasser an der Oder EINFACH UM. Die Sandsäcke zum Halten der Stäbchen auf dem Asphalt weichen auf und liegen rum (Genschmar-Oder).
    Ohne tägliche Kontrolle wird das NIX.

  5. 1.

    Vielleicht sollte man generell wieder alle Grenzen dicht machen. Was neuerdings seit Grenzöffnungen - des vereinten Europa - alles verbreitet wird ist schon seltsam. Und damit meine ich nicht nur ASP. Meine Meinung!

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