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Audio: Antenne Brandenburg | 27.10.2020 | Michael Lietz | Quelle: rbb / Michael Lietz

Führungswechsel im Bundeswehr-Bataillon

Transsexuelle Kommandeurin verlässt Storkow

Anastasia Biefang war drei Jahre bei der Bundeswehr Kommandeurin des Informations-Bataillons in Storkow (Mark). Die Jahre in Storkow bezeichnet sie als beste Zeit ihres Berufsleben. Von Michael Lietz und Larissa Mass  

Zur Verabschiedung von Anastasia Biefang haben die 700 Soldaten in Storkow einen Einsatzwagen umgebaut - zum Einhorn, dem Maskottchen ihrer Kommandeurin beim Auslandseinsatz in Afghanistan. Entsprechend gerührt zeigte sich am Dienstag die 46-Jährige: Sie verlasse Storkow mit "weinendem Herzen". In 26 Dienstjahren habe sie nirgendwo so eine starke Verbundenheit wie in Storkow erfahren.

Während eines feierlichen Abschlussappells inklusive militärischem Kommandowechsel übergab Anastasia Biefang nach drei Jahren als Bundeswehr-Kommandeurin die Führung. Sie war bundesweit die erste Frau auf diesem Posten.

Video: Brandenburg aktuell | 27.10.2020 | Michel Nowak

Symbolfigur in der Bundeswehr

In die Bundeswehr war Biefang noch als Mann eingetreten. Da sie sich, wie sie selbst sagt, immer mehr als Frau fühlte, entschloss sie sich vor enigen Jahren zur Geschlechtsumwandlung. Zu ihrem eigenen Erstaunen, wie sie sagt, führte das nicht zu Karriereeinbussen bei der Bundeswehr: Gleich nach ihrer Geschlechtsangleichung zur Frau übernahm sie das Informationstechnikbataillon in Storkow.

Der jetzige Wechsel ist ein normales Verfahren: Die gebürtige Krefelderin übernimmt als Generalstabsoffizierin ein Referat im Bundeswehr-Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn. Sie möchte, sagte sie, aber weiterhin einen Koffer in Storkow lassen und auch ihren Zweitwohnsitz in der Mark behalten.

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"Führen ist ein Privileg"

Die Zusammenarbeit mit der Truppe und der Region habe sie als sehr unterstützend erfahren, sagte Biefang schon im August in einem rbb-Interview: "Es war ein sehr großes Privileg die Truppe zu führen".

2019 thematisierte die Dokumentation "Ich bin Anastasia" ihren persönlichen Wandlungsprozess und auch, wie das Bataillon mit der Wandlung umging. Biefang selbst engagiert sich außerdem für die Belange von Transgender-Menschen in der Bundeswehr. Sie fordert seit Jahren ein Vielfaltsmanagement für die Truppe. Auch in der Region hat Biefang mit ihrem Einsatz Eindruck hinterlassen. Beispielsweise unterstütze sie im August die LesBiSchwule-Tour durch Ostbrandenburg.

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Ihr Nachfolger ist Oberstleutnant Marc Tachlinski. Er arbeitete bisher im Kölner Bundesamt für das Bundeswehr-Personalmanagement. Aufgrund der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie durften an der Zeremonie nur geladene Gäste teilnehmen.

Dem Bundeswehr-Informationstechnikbataillon 381 in der Storkower Kurmark-Kaserne gehören aktuell rund 700 Soldaten an, die mobile Datenverbindungen bei Einsätzen und Übungen der Bundeswehr im In- und Ausland herstellen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.10.2020,16:40

Beitrag von Larissa Mass, Michael Lietz

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