Schweinebauer Karsten Ilse vor einem Traktor.
Audio: Antenne Brandenburg | 5.11.2020 | Autorin: Lucia Heisterkamp | Bild: rbb / Lucia Heisterkamp

Afrikanische Schweinepest - Schweinebauern beklagen starke finanzielle Verluste

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich immer weiter aus. Schon über 100 bestätigte Fälle gibt es in Brandenburg – bislang sind nur Wildschweine infiziert. Trotzdem trifft die Seuche auch die Schweinebauern in der Region hart. Von Lucia Heisterkamp

Erst Corona, dann die Afrikanische Schweinepest - für die Bauern in Brandenburg eine belastende Kombination. In den gefährdeten Gebieten dürfen sie nur noch in Ausnahmen ihre Felder bewirtschaften und besonders schlimm trifft es die Schweinehalter in der Region.

Sie werden ihre Tiere nicht mehr los, weil die meisten Schlachter derzeit keine Schweine aus Brandenburg mehr annehmen. Carsten Ilse ist Halter von 1.500 Schweinen in der gefährdeten Zone in Märkisch-Oderland. Er weiß nicht, wie er die nächsten Monate überstehen soll und wer ihn am Ende für seine Ausfälle entschädigt.

Hygiene steht an erster Stelle

Mit einer Desinfektionsmaschine läuft Karsten Ilse vor seinem Schweinestall auf und ab. Der Bauer säubert die Rampe vor dem Eingang, dort, wo die Tiere verladen werden. Denn hier gelten erhöhte Hygienestandards: "Hier ist der Eingang zum Stall. Bevor man reingeht desinfiziert man sich die Schuhe, geht rein, wechselt die Kleidung, nimmt Stallkleidung an und dann geht's erst in den Stall", erklärt Ilse.

Knapp 20 Kilometer vom Stall entfernt wurde das erste Wildschwein mit Schweinepest in Märkisch-Oderland gefunden. Seitdem sind die Schweinehalter in der Region in Alarmbereitschaft. Die Seuche kann sich durch Kontakt mit kranken Wildschweinen übertragen, aber auch über Abfälle oder Kleidung. Die größte Gefahr ist immer der Mensch, sagt Ilse: "Zum Beispiel wenn man Jäger ist, dass man im Revier über Wildschweinkot oder ähnliches das Virus aufnimmt und mit in den Stall schleppt."

Notlage bei Schweinehaltern

Seit Ausbruch der Schweinepest müssen alle Bauern regelmäßig Blutproben von ihren Tieren untersuchen lassen. Wer die Kosten dafür trägt, ist noch ungeklärt. Wäre ein Hausschwein infiziert, müssten alle Tiere notgeschlachtet werden. Schon jetzt beklagt Ilse hohe finanzielle Verluste. Zum Schlachten werden seine Schweine bis nach Schleswig-Holstein transportiert, weil sein bisheriger Schlachter aus Sachsen-Anhalt keine Tiere aus dem Seuchengebiet mehr annimmt. Das bedeutet auch höhere Transportkosten.

Sorgen macht die Situation auch Landesbauernpräsident Henrik Wendorff: "Wir haben eine ganz schwierige Marktsituation, auch parallel bedingt durch Corona. Die Absatzzahlen im Schweinefleischbereich durch schließende Gastronomie ist ganz schwierig, die Preise sind im Sinkflug, der Außenhandel ist teilweise eingebrochen und jetzt die Belastung noch durch ASP." Für die Schweinehalter sei das eine existenzbedrohende Situation.

Entschädigung unklar

Zwar sollen die Bauern für Ausfälle entschädigt werden, doch wie genau, ist bislang nicht klar. Der Landrat von Märkisch-Oderland Gernot Schmidt (SPD) führt aus: "Unser Hauptaugenmerk kann nicht auf Subventionen und Entschädigungen liegen sondern unser Hauptaugenmerk muss auf dem Erhalt der landwirtschaftlichen Produktion auch in Seuchengebieten liegen."

Für Karsten Ilse ist mittlerweile klar: Er wird seinen Schweinebetrieb herunterfahren und sich stattdessen voll auf den Ackerbau konzentrieren: "Betriebswirtschaftlich war das keine schwere Entscheidung. Aber menschlich natürlich schon. Zu sagen ich hab hier einen Stall der seit über 20 Jahren betrieben wird. Das ist schon schwierig."

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.11.20, 12:30

Beitrag von Lucia Heisterkamp

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ausfälle der Schweinebauern durch die Afrikanische Schweinepest entschädigt werden. Absatzeinbußen durch Krankheiten oder weil keiner mehr das Billigfleisch abnehmen möchte gehören zum unternehmerischen Risiko. Oder gibt es das auch schon nicht mehr? Ich bin dahingehend in letzter Zeit etwas verunsichert.

  2. 4.

    Wenn ich das recht verstanden habe, betreibt Herr Ilse seit 20 Jahren seine Massentierhaltung In dieser Zeit dürfte er doch genügend Rücklagen gebildet haben, um die kritische Zeit zu über stehen, zumal er seine Schweine ja durchaus schlachten lassen kann, wenn auch mit höherem Transportaufwand.Also sollte er sich mit dem Jammern etwas zurückhalten.

  3. 3.

    Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wegen der unwürdigen tierverachtenden Massenhaltung esse ich seit vielen Jahren gar kein Schweinefleisch mehr und sonst wenig Biofleisch. Sollten mehr Verbraucher tun. Weniger ist mehr. Tierschutz ist wichtiger als Profit!

  4. 2.

    Liebes RBB-Team, leider wurde hier als Audiodatei offenbar Rohmaterial veröffentlicht. Denn von 0:30-0:40 wird drei Mal das Gleiche- mit unterschiedlicher Betonung- gesagt.
    Fehlerhafte Tonspuren gibt es hier auf der Homepage immer wieder mal. Es wäre schön, wenn Sie die Tonbeiträge genauer überprüfen könnten, bevor sie freigeschaltet werden.
    Vielen Dank!

  5. 1.

    Die Entschädigung müsst ihm doch der Schlachter zahlen oder warum der Staat?

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