Ca. 200 Schafe demonstrieren am sonntag in Berlin. Angetrieben werden sie von Schäfer Knut Kucznik.
Bild: rbb

Streit um Wolfsabschuss - Brandenburger Schafzuchtverbands-Chef aus Bundesverband ausgeschlossen

Ein in sozialen Netzwerken ausgetragener Streit über den Umgang mit Wölfen hat für Knut Kucznik Konsequenzen: Der Vorsitzende des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg ist nun endgültig aus dem Bundesverband ausgeschlossen worden. Von Larissa Mass

Der Bundesverband Berufsschäfer hat am Donnerstag den Ausschluss von Knut Kucznik, dem Vorsitzenden des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg bestätigt. Kucznik hatte zuvor Widerspruch gegen den Ausschluss eingelegt. Die Mitglieder tagten am Mittwochabend in einer fünfstündigen digitalen Versammlung und bestätigten die Entscheidung, wie der Landessprecher für Brandenburg, Frank Hahnel, dem rbb mitteilte. Von den 32 Anwesenden votierten demnach 21 für den Ausschluss.

Beleidigung der Kollegen

Der Vorstand des Bundesverbandes der Berufsschäfer wirft Kuznik Beleidigung der Kollegen vor. Er hatte einen Streit ausgelöst, weil er mit öffentlichen Posts in sozialen Netzwerken seine Berufskollegen aufgefordert hatte, für einen besseren Herdenschutz der Schafe zu sorgen, statt den Abschuss von Wölfen zu fordern. Er habe zeigen wollen, wie der Schutz von Schafen und Ziegen mit Zäunen und Schutzhunden funktioniere. Kucznik räumte in einem rbb-Interview ein, dass er sich in den Beiträgen zu hochmütig gezeigt habe.

Günther Czerkus, der Vorsitzende des Bundesverbandes, bedauert, dass es nach mehrmaligen Abmahnungen zu einem Ausschluss kommen musste: "In diesem Konflikt gibt es keine Gewinner. Wir müssen in Zukunft daraus lernen, wie wir mit Konfliktsituationen besser umgehen."

Wolf spaltet die Schäfer

Schäfer Kucznik war nicht bei der Mitgliederversammlung anwesend und erfuhr das Ergebnis nach eigener Aussage im Anschluss von seinen Kollegen. Der Schäfer aus Altlandsberg (Märkisch-Oderland) äußerte dem rbb gegenüber Verständnis für den Beschluss. Er befürchte jedoch, dass durch seinen Ausschluss des Bundesverbandes Berufsschäfer e.V. eine Spaltung zwischen "den Schäfern der alten und neuen Bundesländer entsteht." Er hoffe, dass nicht mehr Brandenburger Kollegen austreten werden, denn er finde eine Kommunikation der Berufsgruppe auf bundesweiter Ebene sehr wichtig.

Der Bundesverband hat knapp 150 Mitglieder, darunter aktuell acht aus Brandenburg.

Position bleibt erhalten

Trotzdem steht Kucznikweiterhin für seine Position ein: "Die neuen Bundesländer haben kaum Erfahrung mit Wölfen, deswegen macht er ihnen Angst", sagte er. Er wolle, dass der Abschuss von Wölfen gesetzlich verboten werde und nur bei Wölfen zulässig sei, die trotz Schutzmaßnahmen wiederholt Schaf- oder Ziegenherden angriffen. Schäfer seien verpflichtet, die Natur und damit auch den Wolf zu schützen.

Der Ausschuss aus dem Bundesverband hat für Kucnik aber keine weitere Konsequenzen: Er bleibt Vorsitzender des "Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg e.V", eines staatlich anerkannten Verbands, in dem rund 300 Schäfer Mitglied sind.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.11.2020, 15:30

Beitrag von Larissa Mass

12 Kommentare

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  1. 12.

    "Warum soll ein Wolf jagen gehen, wenn sein Abendbrot ungeschützt auf der Weide steht? Die Länder sollten die Haltung von Herdenschutzhunden fördern und sich an den Kosten (Tierarzt etc.) beteiligen."

    Es wird soviel Geld für irgendwelchen sinnlosen Kram ausgegeben. Ihren Vorschlag finde ich dagegen klasse.

    "Allerdings wird es wieder problematisch, wenn eine Prenzlauer Berger Mutti mit Nachwuchs den hübschen Hund trotz Warnschildern streicheln will,und der schnappt zu..."

    Halte ich für unwahrscheinlich. Die "PrenzlMutti" müsste ihre Komfortzone verlassen, in die richtige Natur gehen - gehen, so richtig laufen - omg (nein, keine SUV-Bemerkungen ;-) ), den Kids erlauben, mal etwas Matsch am Paddel zu haben ... und so'n Herdenschutzhund in Aktion sehen oder nur wahrzunehmen wie er nur "da" ist. Da ist nichts mehr mit süß. Mutti und Kid gehören nicht zur Herde. "Herr Hund" wird sich sichtbar zeigen, vll. mal "Wuff" machen, aber nicht zum Kuscheln antreten.

  2. 11.

    Herr Kucznik, Sie gehören zu denen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. ich finde es gut, dass Sie auf dem eingeschlagenen Weg weiter gehen. Wir müssen lernen, mit der Natur zu leben und nicht alles, was uns missfällt, zu eliminieren.
    Wer übrigens so einen Herdenschutzhund "in Aktion" noch streicheln möchte, hat wahrscheinlich noch nie einen gesehen. Die machen sehr deutlich, dass sie keine Kuscheltiere sind.

  3. 10.

    An anderer Stelle warfen sie denen, die die Wolfsdoku gut fanden, eine Nähe zur Wolfslobby vor. Nun gut, ich werfe ihnen zumindest keine Nähe zur Jagd- oder Waffenlobby vor, aber von überhandnehmenden Wolfsbeständen kann nicht die Rede sein.
    Schönes Kartenmaterial dazu bei wolf.sachsen.de
    Z.B.
    https://www.wolf.sachsen.de/woelfe-in-deutschland-und-europa-5123.html

  4. 9.

    Der Konflikt braucht kompromissbereite Handelnde - keine "Schreibtischtäter" die aus "10000m Flughöhe" einem Fachmann vor Ort erklären wollen wie man einen Hund hält oder Zaun baut - und wie man komplizierte Förder-Formulare ausfüllt sollte retour zum Verursacher gehen, weil dann das Formular nicht stimmt (oder nicht stimmen soll?). Die Schreibtisch-Politik nennt das lächerlich Wolfsmanagementplan - warum der nur erfolglos ist?

  5. 7.

    Da staunt man aber. Grade noch gar nicht vorhanden, nehmen die Bestände jetzt überhand?

    Wo? und wie viele?

    Und ich möchte bitte Fakten, nicht ihre Meinung.

  6. 6.

    Warum soll ein Wolf jagen gehen, wenn sein Abendbrot ungeschützt auf der Weide steht? Die Länder sollten die Haltung von Herdenschutzhunden fördern und sich an den Kosten (Tierarzt etc.) beteiligen.
    Allerdings wird es wieder problematisch, wenn eine Prenzlauer Berger Mutti mit Nachwuchs den hübschen Hund trotz Warnschildern streicheln will,und der schnappt zu...

  7. 5.

    Und wenn Sie nicht alles nachplappern würden, hätten die Schäfer noch mehr davon. Die Wölfe sind nachweislich aus Polen nach Brandenburg gekommen. In den Jahren haben sie sich über Sachsen Anhalt und Mecklenburg bis nach Niedersachsen ausgedehnt. So und nun aktivieren Sie mal Google, welche Lönder zu den neuen Bundesländern gehören. So haben die Schäfer in den neuen Bundeslöndern wohl mehr Erfahrungen mit dem Wolf. Und die unbegrenzte Vermehrung eines Raubtieres kann auch nicht die Lösung sein. Oder sollen wir auch wieder Braunbären ansiedeln?

  8. 4.

    Irgendwo ist der Text nicht schlüssig. Ein (Berlin-)Brandenburger macht den Mitgliedern aus den “neuen“ Bundesländern Angst, wegen deren fehlender Erfahrung mit Wölfen? Ist es nicht so, das die Expertise hinsichtlich Umgang mit Wölfen östlich der Elbe, auf Grund der Wiederansielungsrichtung von Ost nach West abnimmt. Da die Populationsdichte hierzulande höher ist als in den so benannten Altbundesländern ist doch wohl deren Furcht vor dem Unbekannten größer. Unabhängig vom Inhalt der Empfehlung erscheint es logisch jemandem argumentativ zu folgen, der “seine“ Wölfe persönlich kennt, als jemandem, der noch nicht einmal eine Wolfsspur beim Pilzesammeln gesehen hat. Entweder wurden die alten und die neuen Bundesländer im Text vertauscht, oder der Berichterstattung fehlt die Benennung der echten Frontlinien - vertritt der Brandenburger die Altländerposition und wäre somit ein “Wolf im Schafspelz“? Ich bin lernfähig, klärt mich auf.

  9. 3.

    Den originalen Facebookpost von Hrn Kucznik kenne ich nicht, mir ist sein Standpunkt allerdings sympathisch und ich finde es auch gut, dass er daran festhält.
    PS: Herr Kucznik sagte, dass die NEUEN Bundesländer kaum Erfahrung mit Wölfen hätten? Ich hatte immer gedacht, dass die Wölfe dort zuerst wieder aufgetaucht wären. Vielleicht lag ich da aber auch falsch...

  10. 2.

    Nun, seine Schäferkolleg/innen scheinen das anders zu sehen. Es scheint in der Tat unverständlich, weshalb eine nachhaltige Regulierung der überhand nehmenden Wolfsbestände kategorisch ausgeschlossen wird.

  11. 1.

    Da hat einer mal eine gute Idee und wird deswegen ausgeschlossen. Nur weil die neuen Bundesländer Angst vorm bösen Wolf haben.

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