Protest in Eisenhüttenstadt gegen Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingsheimen.
Audio: Antenne Brandenburg | 25.11.2020 | Marie Stumpf | Bild: rbb / Marie Stumpf

Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) - Protest gegen Gewalt an Frauen in Flüchtlingsunterkünften

Gewalt an Frauen hat in einer Flüchtlingsunterkunft in Eisenhüttenstadt in diesem Jahr zugenommen. Bei einer Demonstration forderten Teilnehmer am Mittwoch, Frauen nicht mehr in Erstaufnahmeeinrichtungen zu schicken. Von Marie Stumpf

Vor der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Eisenhüttenstadt haben am Mittwoch etwa 50 Menschen gegen sexuelle Gewalt an geflüchteten Frauen demonstriert. Hintergrund ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Demonstranten forderten, Frauen und Kinder nicht mehr in Erstaufnahmeeinrichtungen zu schicken.

Diese seien, wie in Eisenhüttenstadt, ein Hotspot für sexuelle Übergriffe und Belästigungen. Corona habe die Situation noch verschlimmert.

13 sexuelle Belästigungen 2020

Zu der Demonstration aufgerufen hatte die Flüchtlingsinitiative "Women in Exil and Friends". Mit Plakaten und Sprechgesängen machten sie ihrem Ärger Luft. Im Juli diesen Jahres soll eine Bewohnerin der Einrichtung von einem Bewohner vergewaltigt worden sein, die Ermittlungen dazu laufen.

Desweiteren soll eine 21-jährige Frau aus Georgien mehrmals wegen ihrer sexuellen Orientierung beleidigt worden sein. Olaf Jansen, Leiter der Einrichtung, bestätigt diese Fälle, es seien aber Ausnahmen, denen sofort nachgegangen werde. In diesem Jahr habe es 13 sexuelle Belästigungen gegeben, damit sind es drei Fälle mehr als im vergangenen Jahr.

Schutzhaus für Frauen

"Die vermeintlichen Täter, soweit wir sie kennen, werden in einen anderen Standort gebracht. Die betroffenen Frauen werden dementsprechend betreut, durch unseren psychosozialen Dienst und durch speziell geschulte Mitarbeiter”, sagt Jansen.

Weiterhin werden die Opfer in das Schutzhaus verlegt. Das sind Räumlichkeiten auf dem Gelände der Einrichtung speziell für besonders schutzbedürftige Personen, wie etwa alleinreisenden Frauen. Dieser ist mit einem 24-Stunden-Wachdienst ausgestattet. Hier habe auch das Opfer der mutmaßlichen Vergewaltigung vom Sommer gewohnt, sie sei an diesem Abend aber auf eine Party im benachbarten Männerhaus gegangen.

Zu dem Fall laufen aktuell Ermittlungen der Kriminalpolizei.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2020, 16:40

Beitrag von Marie Stumpf

3 Kommentare

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  1. 3.

    Was Italien schon 1970 in ihren Flüchtlinsunterkünften geschafft hat, nämlich Frauen von Männern getrnnt untezubringen, das ist In Deutschlandt nicht durchführbar?

  2. 2.

    Leider lassen sich Flüchtlinge persé nicht nach Geschlechtern getrennt in Flüchtlingsunterkünften unterbringen, weil sie ein gemeinsames Verfahren durchlaufen. Der Zustand dieser Einrichtungen hat sich jedoch seit 2016 deutlich verbessert und die Zahl von gewalttätigen Auseinandersetzungen sind durch den Einsatz von sozialen Trägern und Hilfeorganisationen auf einer "normales" Maß gesunken. Eins sei klar benannt, jeder Fall von Gewalt sei es nun gegen Kinder, oder Frauen, oder aber auch gegen jede andere Person ist schlecht, doch zu glauben, das wäre andererort anders, ist ebenfalls realitätsfremd.

  3. 1.

    So was kommt dabei raus, wenn man Realitäten bei Seite schiebt, und beide Geschlechter in einer Flüchtlingsunterkunft unterbringt.

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