Landgericht Frankfurt (Oder) - Angeklagter von Mord an Rentnerin aus Erkner freigesprochen

Di 10.11.20 | 18:41 Uhr
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Land- und Amtsgericht Frankfurt Oder. (imago images/B. Friedel)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.11.2020 | Jasper Schüler-Dahlke | Bild: imago images/B. Friedel

Im Prozess um den Mord an einer Rentnerin in Erkner vor fünf Jahren ist der Angeklagte vom Frankfurter Landgericht freigesprochen worden - aus Mangel an Beweisen. Die Richter folgten damit den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod einer Rentnerin aus Erkner (Oder-Spree) ist der 25-jährige Angeklagte am Dienstag freigesprochen worden. Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt hatte.

"Erhebliche Restzweifel"

"Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme hatte das Gericht an der Täterschaft des Angeklagten erhebliche Restzweifel, so dass zu seinen Gunsten entschieden worden ist", sagte Gerichtssprecher Jasper Schüler-Dahlke am Dienstag nach der Urteilsverkündung. Auch die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

"Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme hatte das Gericht an der Täterschaft des Angeklagten erhebliche Restzweifel, so dass zu seinen Gunsten entschieden worden ist", sagte Gerichtssprecher Jasper Schüler-Dahlke am Dienstag nach der Urteilsverkündung. Auch die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den Mann wegen heimtückischen Mordes und Raubes angeklagt. Vor fünf Jahren soll der damals 19-Jährige eine 72 Jahre alte Frau in ihrem Haus in Erkner ermordet haben, weil er es laut Staatsanwaltschaft auf die Geldbörse und die Geldkarte der Frau abgesehen hatte.

Die Geldkarte wurde nach der Tat nie eingesetzt. Der Angeklagte, der mit dem Enkel des Opfers befreundet war, bestreitet die Tat. Einziges Beweismittel gegen ihn waren seine am Tatort und an der Leiche gefundenen DNA-Spuren - weshalb der Prozess auch erst fünf Jahre nach dem Tod der Frau aufgerollt werden konnte. Staatsanwalt Jochen Westphal sagte dazu:" Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass auch eine Kontermination des Tatortes möglich war, ohne das der Angeklagte an der Tat beteiligt war."

Zwei Monate dauerte der Prozess gegen den Mann. Seit dem ersten Verhandlungstag Anfang September bestreitet der 25 Jahre alte Berliner auf der Anklagebank die Vorwürfe.

Rückblick: Der Fall

Am 4. Juni 2015 kommt es in Erkner (Oder-Spree) in einem kleinen Haus in der Bahnhofssiedlung zu einer Tragödie. Eine Rentnerin wird in ihrem Haus mit zahlreichen Messerstichen in den Kopf und den Oberkörper getötet. Über vier Jahre sucht die Polizei nach dem Täter - und nimmt dann mittels einer DNA-Spur einen Mann ins Visier.

Rätsel um DNA-Spuren

Der nun Angeklagte war mit dem Enkel der Rentnerin aus Erkner gut befreundet und deshalb auch des Öfteren bei der Familie zu Gast. Bei den Besuchen habe er in dem Haus auch DNA-Spuren hinterlassen, unter anderem an einer Taschenlampe, die dann auch von einem Rettungssanitäter vor Ort angefasst wurde, bevor der die Leiche berührte.

Laut einer Untersuchung, die das Gericht am Dienstag vorstellte, sei es möglich, dass ältere DNA-Spuren erneut mehrfach weiter übertragen werden können. Zudem wurden an der Leiche weitere DNA-Spuren gefunden, die aber aus ungeklärten Gründen nicht weiter untersucht wurden.

Psychische Folgen nicht absehbar

Fast ein Jahr saß der Krankenpfleger für einen Mord im Gefängnis, für den er laut Urteil nicht überführt werden konnte. Dafür soll er laut Urteil entschädigt werden. Welche psychischen Folgen die Haft für den 25-Jährigen, der bereits mehrere Therapien hinter sich hat, haben wird, ist laut Verteidiger Ronald Geske noch nicht abzusehen. Beim Freispruch zeigte sein Mandant am Dienstag im Gericht keine Regung. "Er kann es noch gar nicht fassen. Er ist noch total mit sich beschäftigt. Dafür hat das auch zu lange gedauert. Es waren neun Verhandlungstage und er sitzt seit Januar in Untersuchungshaft. Von der Anspannung muss man erstmal wieder runterkommen."

Wer die Rentnerin nach dem Urteil wirklich ermordet hat, bleibt weiterhin offen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.11.2020, 16:10 Uhr

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    Kontermination?

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