Absperrband umgibt das Grundstück in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster mit einer Gartenlaube. Sie soll einer der Tatorte in einem Missbrauchsfall sein. (Quelle: DPA/Marcel Kusch
Audio: Antenne Brandenburg | 12.11.2020 | Martina Rolke | Bild: dpa

Münsteraner Missbrauchskomplex - Prozess gegen Finowfurter wegen Kindesmissbrauchs gestartet

Über Jahre soll eine Gruppe Erwachsener sexualisierte Gewalt gegen Kinder verübt und im Internet verbreitet haben. Nun hat in Münster der Prozess gegen fünf mutmaßliche Täter begonnen. Darunter auch ein Karate-Trainer aus Finowfurt (Barnim).

Im Missbrauchskomplex Münster hat am Donnerstag das als Hauptprozess geltende Verfahren gegen vier Männer und eine Frau begonnen. Sie sollen teilweise über Tage hinweg Kinder in einer Gartenlaube schwer sexuell missbraucht haben. Die meisten Taten ereigneten sich in Münster. Vor dem dortigen Landgericht muss sich auch ein 42-Jähriger aus Finowfurt (Barnim) verantworten.

Noch vor dem Verlesen der Anklage die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. Zum Schutz der Opfer, hieß es.

Jahrelanger Missbrauch an Kindern

Alle vier Männer sollen zwischen 2018 und Mai dieses Jahres Missbrauchstaten begangen, ihre Taten teilweise gefilmt und ins Darknet gestellt haben. Neben schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern werden ihnen Vergewaltigung sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der mitangeklagte Finowfurter soll die anderen mutmaßlichen Beteiligten über das Internet kennengelernt haben. Er hatte sich laut Anklage an seinem damals sieben Jahre alten Sohn vergangen.

Was im Juni dieses Jahres an die Öffentlichkeit kam, beschäftigt die Einwohner von Finowfurt nach wie vor. Bürgermeister Wilhelm Westerkamp (Bündnis Schorfheide) sagte dazu: "Man hat das kaum glauben können, dass so etwas auf dem Dorf passieren kann. Aber wie wir sehen, den hundertprozentigen Schutz gibt es leider nicht. Und wenn diese Menschen nicht bekannt sind, dann kann ich nur an die Bevölkerung appellieren, Augen auf und melden, wenn denn irgendwelche Auffälligkeiten da sind."

Trainer für Kinder im Karateverein

Im Ort ist der Angeklagte kaum bekannt, weil er in Eberswalde aufwuchs. Dorthin hatte der gelernte Pfleger bis zum Sommer gute Kontakte. So war er Trainer in einem Karateverein. Als damals die Polizisten aus Münster auch vor der Tür von Karate-Vereinschef Ralf Schulz standen, sei für den eine Welt zusammengebrochen: "Ich habe auch am Anfang um ihn gekämpft. Weil ich es nicht geglaubt habe, dass er es war", sagt er dem rbb.

Ralf Schulz und seine Trainer haben psychologische Hilfe und Unterstützung von der Polizei bekommen. Auch der Verein wurde beraten, um noch besser den Schutz von Kindern gewährleisten zu können. So dürfe Schulz zufolge kein Erwachsener mehr die Umkleiden betreten, so lange sich die Kinder dort umziehen.

Kinder in Gartenlaube verschleppt

Dem mutmaßlichen Haupttäter, ein 27-jähriger Mann aus dem nordrhein-westfälischen Münster, wird vorgeworfen, den Sohn seiner langjährigen Lebensgefährtin immer wieder anderen Männern für sexualisierte Gewalttaten überlassen zu haben und ihn auch selbst vergewaltigt zu haben. Tatort war unter anderem die Gartenlaube der mitangeklagten Mutter des 27-Jährigen. Sie soll die Hütte in dem Wissen um die Taten zur Verfügung gestellt haben. Die vier Angeklagten sollen dort im Frühjahr den zehnjährigen Ziehsohn sowie den fünfjährigen Sohn eines Hessen über Tage hinweg schwer missbraucht haben. Auch sollen die Kinder immer wieder betäubt worden sein.

Online-Netzwerk aufgedeckt

Die mutmaßlichen Täter befinden sich in Untersuchungshaft und äußerten sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Münster wurden inzwischen 19 weitere Verdächtige ermittelt. Bei der Auswertung digitaler Beweismittel machte die bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelte Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime sie in unterschiedlichen Bundesländern aus.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.11.2020, 06:30 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Hallo Markus2,

    danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.

  2. 4.

    In meinen Augen eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt. -->rbb: Bitte in Ihrer Betreffzeile noch Müster in Münster ändern... Danke!

  3. 3.

    Die Typen sind einfach nur ekelhaft, abstoßend und unterste Schublade. Für immer wegsperren, obwohl das schon einer Amnestie gleichkommt. Und die, die sich so etwas anschauen oder im Netz verbreiten sind genauso hart zu bestrafen. Ich habe absichtlich nicht die Bezeichnung "Mensch" gewählt.
    Die Kinder sind für ihr weiteres Leben gezeichnet und werden das Geschehene nie vergessen. Sie tun mir unendlich leid, und wir alle sollten Augen und Ohren offen halten. Damit sich solche Grausamkeiten nicht wiederholen.

  4. 2.

    Sobald diese Gebäude nicht mehr für die Beweissicherung benötigt werden, einreissen, verbrennen und vom Erdboden tilgen......Diese widerwärtigen Menschen nie wieder auf freien Fuß kommen lassen, Wahlrecht entziehen und sämtliche staatsbürgerlichen Rechte aberkennen.

  5. 1.

    Das ist so schockierend und widerwärtig! Diese Kinder sind unvorstellbar traumatisiert und ich hoffe sehr, daß die Täter so bestraft werden daß sie nie wieder Kinder mißbrauchen. Und ehrlich gesagt bin ich auch für Kastration an dieser Stelle!

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