Hund Ondra vor der Suche
Audio: Antenne Brandenburg | 26.11.2020 | Michael Lietz | Bild: rbb

Schweinepest in Märkisch-Oderland - Waschsalon für Kadaver-Suchhunde

Seit Anfang Oktober kommen im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest auch eigens in Brandenburg ausgebildete Suchhunde zum Einsatz. Um die Tierseuche nicht aus den betroffenen Gebieten herauszutragen, müssen die Hunde nach der Arbeit unter die Dusche.

Neben Corona beschäftigt auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) weiterhin die Landkreise in Ostbrandenburg. Vor allem im Oderbruch (Märkisch-Oderland) sind aktuell Soldaten, Mitarbeiter des Technisches Hilfswerks und der Kreisverwaltung unterwegs, um weiter nach kranken oder verendeten Wildschweinen zu suchen. In für den Menschen schwer zugängliche Gebiete, wie etwa moderige Uferbereiche, kommen Spürhunde bei der Suche zum Einsatz.

Anlagen der Hunde fördern

Revierförster Ulf Nösel hält seiner Hündin mit dem klangvollen Namen Ondra von Nieplitztal ein kleines, geöffnetes Schraubglas unter die Nase. Darin enthalten: ein Stück verweste Schwarte vom Wildschwein mit Spuren der Schweinepest. Neugierig schnüffelt die Bayerische Gebirgs-Schweiß-Hündin kurz an der Probe, schüttelt sich und trottet auf den Befehl "Such APS und zeige es mir" mit der Nase am Boden im Unterholz hinterm Deich bei Reitwein (Märkisch-Oderland) davon.

Seit Anfang September werden in Brandenburg Suchhunde auch auf Afrikanische Schweinepest abgerichtet. Acht ausgebildete Spürnasen gibt es inzwischen. Ondra ist darauf trainiert einer Blutspur verletzter Tiere zu folgen. "Ein Hund kann nichts, was er nicht gelernt hat", so Nösel. "Es gibt Anlagen, die durch gezielte Ausbildung gefördert werden müssen. Da haben wir jetzt versucht, den Schweiß-Hund in Richtung ASP zu konditionieren."

Täglich im Einsatz

Wenn die neunjährige Hundedame etwas findet, führt sie ganz aufgeregt ihr Herrchen an diese Stelle. Dabei sucht das Gespann nicht nur ganze Wildschweine, sondern auch Reste. "Da kann es passieren, dass so ein kleiner Knochenrest, der von einem zerlegten Wildschwein stammt, übersehen wird. Der Hundenase entgeht eigentlich nichts."

ASP-Hund Ondra in der DuscheHündin Ondra beim Duschen nach dem Einsatz

Pflege nach der Arbeit

Und wenn Ondra etwas findet, führt sie ganz aufgeregt ihr Herrchen an diese Stelle. Etwa vier Stunden sind die Hunde täglich im Einsatz, dann lässt die Konzentration nach. Heute gab es keine Funde.

Anschließend folgt dann die tägliche Dusche im Katastrophenschutz-Zentrum des Landkreises. Die ist mit ordentlich Shampoo nach jedem Einsatz vorgeschrieben. Manchmal wird sogar desinfiziert.

Davon ist Ulf Nösels Hündin wenig begeistert. Nur widerwillig lässt sich Ondra von ihrem Herrchen in die kleine, eigentlich für Menschen gedachte Dusche in der ehemaligen Damen-Toilette heben.

Anschließend folgt dann die tägliche Dusche im Katastrophenschutz-Zentrum des Landkreises. Die ist mit ordentlich Shampoo nach jedem Einsatz vorgeschrieben. Manchmal wird sogar desinfiziert.

Mit dem Kopf über dem Rand des Beckens erduldet sie das Prozedere. Von den Ohren bis Schwanz wird geschrubbt und geseift. Besonders gründlich müssen die Pfoten behandelt werden. Nösel sagt: "Wenn wir etwas gefunden haben, dann gibt es überhaupt keine Alternative zum ordentlichen Reinigen - auch uns selbst." Ansonsten ist das nach langer Suche eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Hundestaffel stößt auf 26 Kadaver

Nur noch gründlich abtrocknen, dann hat Ondra ihre Pflicht für heute erfüllt. Froh der Dusche entkommen zu können, schüttelt sie sich noch einmal von vorn bis hinten durch und spaziert in den Feierabend. Morgen geht die Suche weiter.

Unterdessen können Kolleginnen und Kollegen von Ondra eine großen Erfolg verbuchen: Auf der Oderinsel Küstrin-Kietz fand die Hundestaffel am Donnerstag und Freitag im nördlichen Bereich der Oderinsel insgesamt 26 verstorbene Tiere. Die Kadaver müssen noch beprobt werden. Sollte sich bei allen die ASP bestätigen, käme der Landkreis Märkisch-Oderland auf insgesamt 44 Funde von Tieren, die an der ASP erkrankt waren.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.11.2020, 16:10 Uhr

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